Selbstbehältnisse. Orte und Gegenstände der Aufbewahrung von Individualität

Symposium

Das Ziel des Symposiums ist es, die Orte und Werkzeuge des Menschen zu konzeptualisieren, die ihm als "Selbstbehältnis" dienen. Unter dem Begriff des Selbstbehältnisses wird dabei zunächst jeder Raum und jedes Werkzeug verstanden, durch oder mit dem eine Person Sicherheit, Geborgenheit oder eine Stabilisierung erleben kann. Betten, Taschen und jede Form der mobilen oder feststehenden Behausung können ebenso dazu dienen wie Computer, Autos und Smartphones oder auch Tagebücher und Schlafsäcke. Ob nun als portabler Gegenstand, unhandliches Möbel oder körperlicher Schutzraum, Selbstbehältnisse zeichnen sich dadurch aus, dass sie in dieses Nähe-, wenn nicht sogar Intimverhältnis mit dem Körper eintreten, ohne den sie ihre Präsenz und Bedeutungsmöglichkeit einbüßen. Sie versammeln Dinge, die in Reichweite bleiben sollen. Nicht selten organisieren und ordnen sie dabei, was wir als Persönlichstes verstehen und – so könnte man ergänzen – machen überhaupt erst möglich, dass ein Subjekt entsteht, das sich selbst ermöglicht und behält. Um diese Erfahrung des "sich selbst behaltens" und der dafür benutzten Gegenstände in einer möglichst großen Breite abzudecken, bringt das Symposium Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Bereichen der Geschichts- und Kulturwissenschaften und der Design-Praxis zusammen.

Dieses Symposium wird durch die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft (HUG) Verein der Freunde, der Ehemaligen und Förderer e.V. unterstützt.

Anmeldung unter selbstbehaeltnisse.culture(at)hu-berlin(dot)de

Programm

Freitag, 15.11.2019

10:30 Begrüßung durch die HUG
10:45–11:15 Einführung durch die VeranstalterInnen
Laura Busse, Andreas Gehrlach, Waldemar Isak

11:15–12:45 Stationäre Selbstbehältnisse I
Monique Miggelbrink (Paderborn): Häusliche Einkapselungen: Medienvergleichende Perspektiven auf das Wohnen mit Fernsehmöbeln und Home Computern
Camille Buscot (Berlin): „The spatial embodiment of woman’s sphere?“. Bedeutung der Küche im material feminism (1860–1930)

13:45–15:15 Stationäre Selbstbehältnisse II
Waldemar Isak (Berlin): Bett – Schlaf – Körper. Ted Spagnas Fotoserie Sleep
Christa Kamleithner (Berlin): Blasen, Kapseln und Netze: Agenturen der Individualisierung um 1967

16:00–17:30 Tragbarkeit I
Andreas Gehrlach (Berlin): Loculus und Kischte. Über die Individualräume des Eigentums
Peter Brunsberg (Berlin): Vom Fahrrad zur Nähmaschine. Ein Gespräch mit dem Gründer vom Bagjack

Samstag, 16.11.2019

10:30–12:45 Tragbarkeit II
Karin Deckner (Berlin): „Me and my Keys“. Ein Schlüsselbund im 21. Jahrhundert
Dagmar Venohr (Flensburg): Da, zwischen Körper und Kleid! Das vestimentäre Dazwischen
Zoë Herlinger (Berlin): Von der Gehhilfe zum Rüstzeug. Exoskelette zwischen ‚Vervollständigung‘ und Übersteigerung des Selbst

13:45–15:15 Machträume I
Nick Prahle (Berlin): Von Sänften und Limousinen. Portable Intim- und Machtgefäße in der Stadt
Kathrin Janzen (Amsterdam): Privatleben der Tatbeteiligten in der ‚Euthanasie‘-Anstalt Hartheim. Räume und Beziehungen

16:00–17:30 Machträume II
Iris Därmann (Berlin): „Reservate des Selbst“. Schlaf und Traum in den Konzentrationslagern Auschwitz und Mauthausen
Laura Busse (Berlin): Textile Architektur der Vernichtung? Überlegungen zur Funktion des Zeltes in Ravensbrück

17:30–18:00 Abschlussdiskussion