Selbstständigkeiten - Neuere Forschungsergebnisse zu beruflicher Selbstständigkeit und unternehmerischem Handeln

Frühjahrstagung 2018 des Arbeitskreises „Die Arbeit der Selbstständigen“

Arbeitskreis „Die Arbeit der Selbstständigen“ in der DGS‐Sektion Arbeits‐ und Industriesoziologie

22. und 23. März 2018 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München

Berufliche Selbstständigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten als Erwerbsform stabilisiert, und die Zahl von Unternehmensgründungen ist anhaltend hoch. Zugleich sind Themen des selbstständigen Erwerbs zunehmend in den Fokus von Forschung und Politik gerückt. Das gilt nicht nur für das Interesse an Start-ups als Hoffnungsträgern für Innovation und Wachstumsimpulse in der betriebswirtschaftlichen Entrepreneurship-Forschung und für die entsprechenden Instrumente der Gründungsförderung. Auch die alltäglichen Herausforderungen unternehmerischen Handelns haben verstärkte Aufmerksamkeit gefunden, vor allem in Anbetracht der unübersehbaren Probleme von Selbstständigen ohne Belegschaft (oft als Solo-Selbstständige oder Ein-Personen-Unternehmen bezeichnet): Viele von ihnen verdienen zu wenig, um neben hohen Krankenkassenbeiträgen auch für das Alter ausreichend Vorsorge zu leisten. Generell ist die berufliche Selbstständigkeit eine wichtige Erwerbsalternative geblieben, auf die sich Erwerbstätige in höchst verschiedenartigen Formen einlassen: mit Start-ups oder als Social Entrepreneurs, im Familienbetrieb oder als Freelancer, mit lokalen Angeboten oder über globale Internet-Plattformen.

Angesichts der Heterogenität des selbstständigen Erwerbs hat es sich im Arbeitskreis „Die Arbeit der Selbstständigen“ bewährt, der Vielgestaltigkeit des Forschungsfeldes mit einer breit angelegten vergleichenden Betrachtung unterschiedlicher beruflicher Praxen, unternehmerischer Erfahrungen und institutioneller Regelungen zu begegnen. Mit entsprechender Offenheit für neue Themen und Perspektiven, für verschiedenartige empirische und theoretische Analyseansätze gehen wir an unsere nächste Tagung im März 2018 heran. Wir wollen zudem nachdrücklich Kolleginnen und Kollegen ansprechen, welche zu charakteristischen Aspekten von Selbstständigkeit und Unternehmertum arbeiten, ohne dies explizit als Selbstständigen- oder Entrepreneurship-Forschung zu verstehen. Und wir laden insbesondere Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz zu Beiträgen ein, um die Vergleichsperspektive auf regional und national spezifische Entwicklungen zu erweitern. (München als Veranstaltungsort sollte den Reiseaufwand aus den Nachbarländern in Grenzen halten.) Ziel der Tagung ist es, bei aller Differenz von Berufsfeld und Analysezugang gemeinsame Bezugspunkte zu entdecken, gewohnte Argumentationslinien zu überprüfen und so die Erkenntnismöglichkeiten zu erweitern.

Der thematische Rahmen umfasst das gesamte Spektrum selbstständigen Erwerbs: von den traditionell ständisch geprägten Branchen von Handwerk, Handel oder Landwirtschaft bis hin zu aktuell von der Digitalisierung begünstigten Erwerbsgelegenheiten mit Online-Handel, Crowdwork (Online-Arbeit) oder Blogging. Auch Grenzbereiche unternehmerischen Handelns entweder im Übergang zu informeller Arbeit (‚Schattenökonomie‘) oder zu abhängiger Beschäftigung (‚Scheinselbstständigkeit‘) können in den Blick genommen werden. Beispielsweise haben wir uns im Arbeitskreis zuletzt intensiv mit Fragen der Erwerbshybridisierung beschäftigt, also jenen Fällen, in denen abhängiger und selbstständiger Erwerb entweder parallel oder in häufigem Wechsel ausgeübt werden. (Eben erschienen ist dazu der Band „Hybride Erwerbsformen“, herausgegeben von A. D. Bührmann, U. Fachinger und E. M. Welskop-Deffaa). Beiträge können einzelne Problemstellungen (Netzwerke, Einkommen, soziale Sicherung etc.) behandeln oder besondere Gruppen (jüngere/ältere Erwerbstätige, Männer/Frauen, mit oder ohne Migrationserfahrung etc.) in den Blick nehmen.

Programm und weitere Informationen (PDF)