Sorgende Sicherheit

Tagung

In der sozialwissenschaftlichen Diskussion wird „Sicherheit“ immer noch vornehmlich mit Formen der Staatssicherheit assoziiert. Im Fokus stehen damit zumeist Formen und Praktiken der „inneren Sicherheit“ (polizeiliche Herstellung von Recht und Ordnung) einerseits und der äußeren Sicherheit (diplomatische Friedenssicherung und Militäreinsatz in bewaffneten Konflikten) andererseits. Zwar versuchen Debatten über einen „erweiterten Sicherheitsbegriff“ dieses traditionelle Verständnis der Sicherheit zu erweitern. Eine grundbegriffliche Auseinandersetzung bleibt durch diesen Fokus auf die bloße „Erweiterung“ aber aus. Die Tagung adressiert diese theoretische Leerstelle und versucht, das Verständnis von Sicherheit zu verschieben. Dafür setzt es an der etymologischen und semantischen Nähe des Begriffs der Sicherheit zu dem der Sorge an. Dieser Spur folgend zielt die Tagung erstens in genealogischer Perspektive darauf, den Blick für alternative Traditionen, Praktiken und Verständnisweisen von Sicherheit zu öffnen. Zweitens sollen durch den Fokus auf Sorge interdisziplinäre Debatten über „care“ in die Sicherheitsforschung eingebracht werden, die dort bislang kaum oder gar keine Rolle spielten. In beiden Hinsichten geht es nicht zuletzt darum, einen kritischen Blick auf gegenwärtige Formen sorgender Sicherheit zu werfen. Einerseits bietet der Bezug auf eine Ethik der Sorge die Möglichkeit, bestehende ‚harte‘ Sicherheitspraktiken (von Grenzmauern bis zu militärischer Gewalt) zu kritisieren. Andererseits bilden Praktiken sorgender Sicherheit häufig paternalistische Machstrukturen aus, die selber zum Gegenstand der Kritik gemacht werden sollen.

Organisation
Andreas Folkers (andreas.folkers(at)sowi.uni-giessen(dot)de) in Zusammenarbeit mit Andreas Langenohl (andreas.langenohl(at)sowi.uni-giessen(dot)de)

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