Soziologie wiederkehrender Religionen. Originalität und Relevanz der Religionssoziologie von Wolfgang Eßbach

Tagung an der Universität Leipzig

Im Kontext gegenwärtiger religionssoziologischer Debatten stellt das 2014 erschienene Buch von Wolfgang Eßbach "Religionssoziologie I. Glaubenskrieg und Revolution als Wiege neuer Religionen" einen gleichermaßen anregenden wie originellen Beitrag dar. Dies gilt für die fortlaufende Diskussion um Prozesse der Säkularisierung und religiöser Revitalisierung, aber auch in Hinblick auf Frafgen des Formnewandels des Religiösen. Eßbach wendet sich in seinem Buch der europäischen Religionsgeschichte seit der Reformation und ihrer Verarbeitung in zeitgenössischen Intellektuellendiskursen zu. aus seiner detaillierten historischen Analyse etnwickelt er eine Religionstypologie, die sowohl die Bipolarität von Christentum und Säkularismus als auch vorherrschende Interpretationen - etwa in Gestalt von Diagnosen einer Popularisierung, (De-)Privatisierung oder Ökonomisierung - überwindet. Eßbachs Relisgionstypologie erlaubt es zudem, erneut nach der Bedeutung des Religiösen für moderne Gesellschaften zu fragen. Das gilt nicht zuletzt für das Gewaltpotential von Religionen.

Auf der Tagung wird die heuristische Kraft der in diesem ersten Band vorgestellten Typen von Bekenntnis- und Rationalreligionen sowie Kunst- und Nationalreligion für die zukünftige Forschung ebenso zur Diskussion gestellt wie der sytsematische Ort, den der Eßbachsche Entwurf in der gegenwärtigen Religions- und Kultursoziologie beansprucht. Darüber hinaus wird das zeitdiagnostische Potential des Buches hinsichtlich aktueller religionsbezogener Entwicklungen und Debatten ausgelotet. Diskutiert wird unter anderem, was sich mit der These einer "Wiederkehr" des Religiösen für die Deutung gegenwärtiger religiöser Tendenzen anfangen lässt und auf welche Weise sich die konzeptuellen Vorschläge auch auf außereuropäische oder nicht primär christliche (bspw. jüdische oder esoterische) Kontexte übertragen lassen.

Universität Leipzig, 13./14.3.2018 (Bibliotheca Albertina, Beethovenstraße 6)

 

Dienstag, 13.03.2018

10.30-11.00 Einführung (OrganisatorInnen)

11.00-12.30 Religionsforschung als Kulturgeschichte und Intellektuellensoziologie

Es diskutieren:

Hartmann Tyrell (Universität Bielefeld); Michael Ebertz (Katholische Hochschule Freiburg); Karl-Siegbert Rehberg (TU Dresden).

Moderation: Clemens Albrecht (Universität Bonn)


13.30-15.00 Religionsbegriff und Religionstypologie

Monika Wohlrab-Sahr (Universität Leipzig): "Was steht an der Wiege der Säkularität? Auf Eßbachs Spuren in der islamischen Welt unterwegs"

Antje Mickan (Universität Rostock): "Kunst oder Religion? Formen und Formungen hybrider Praxis"

Moderation: Tom Kaden (York University)


15.30-17.00 Theorieperspektiven im Dialog I

Volkhard Krech (Universität Bochum): "Die Differenzierung der Religion: segmentär, stratifikatorisch, funktional"

Heike Delitz (Universität Bamberg); Robert Seyfert (Universität Duisburg-Essen): "Von Durkheim zum Postfundamentalismus: Religion als Autodivination von Gesellschaft"

Moderation: Lena Dreier (Universität Leipzig)


18.00-19.00 Öffentlicher Abendvortrag und anschließender Empfang

Hans-Georg Soeffner (Universität Konstanz): "Das Unbehagen der Moderne an der Religion"

Mittwoch, 14.03.2018

9.00-11.00 Theorieperspektiven im Dialog II

Christoph Henning (Max Weber Kolleg Erfurt): "Kritik der Religion, Religion als Kritik: Wolfgang Essbach und das Junghegelianische Erbe"

Mario Grizelj, Julian Müller (LMU München): "Das Nachleben eines anderen Sprechens. Wolfgang Eßbachs Religionssoziologie mit Michel de Certeau und Bruno Latour gelesen"

Michael Nguyen (TU Darmstadt): "Das Konzept der »Diskursverknappung« im Dialog mit Mary Douglas' Analytik »verdichteter Symbole«"

Moderation: Kornelia Sammet (Universität Leipzig)


11.30-13.30 Anregungspotentiale

Marc Breuer (Katholische Hochschule NRW): "Bekenntnisreligion in religiösen Migrantenmilieus"

Thomas Schmidt-Lux (Universität Leipzig): "Politik als Glaubenssache? Zivilreligion und Politische Religionen bei Wolfgang Eßbach"

Uta Karstein (Universität Leipzig) "Strategien der Einhegung? Konfessionelle Reaktionen auf kunstreligiösen Enthusiasmus"

Moderation: Franz Erhard (Universität Leipzig)


14:30-16:30 Öffentliche Podiumsdiskussion

Es diskutieren: Wolfgang Eßbach (Universität Freiburg/Br.); Helmut Zander, (Université de Fribourg, Schweiz); Micha Brumlik (Zentrum Jüdische Studien Berlin); Mirjam Künkler (Käte Hamburger Kolleg Bonn)

Moderation: Uta Karstein

 

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