Sport und das Heroische

Konferenz

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts avanciert der Sport zu einem Phänomen mit enormer gesellschaftlicher Reichweite. Mit ihm tritt die Figur des modernen Sporthelden auf den Plan, als massenmedial vermittelter, in sorgsam choreografierten Wettkampfveranstaltungen inszenierter und häufig politisch instrumentalisierter Idealtyp. Doch trotz aller teilweise problematischen gesellschaftlichen und ökonomischen Funktionalisierungen des Sporthelden, dessen Leistungen wiederholt in Zweifel gezogen werden, wird der Sportler bis in die unmittelbare Gegenwart hinein weiterhin heroisiert. Das Heroische und die mit ihm verbundenen Leitbegriffe Körper, Gender, Gewalt und Identität prägen den Sport maßgeblich, während umgekehrt der Sport die Entwicklung des Heroischen in Moderne und Gegenwart besser zu verstehen erlaubt.

Im Rahmen der Tagung „Sport und das Heroische“ sollen die mehrdimensionalen Bezüge zwischen modernem Sport und Heldentum untersucht werden. Die Tagung situiert sich an der Schnittstelle jener Disziplinen, die den Sport zum Gegenstand der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften gemacht haben. In transdisziplinärer Perspektive soll nach den Konstruktionsweisen, Charakteristika und Funktionen des Heroischen im Sport gefragt werden: Wie werden die Helden des Sports medial hervorgebracht und welche Rolle spielen dabei medienspezifische Möglichkeiten und Grenzen? Welche Merkmale des Heroischen zeichnen den Sporthelden aus und welche Wirkung entfalten in diesem körperzentrierten Heldentum die Kategorien von race, class und gender? In welche gesellschaftlichen Kontexte und Funktionszusammenhänge ist das Sportheldentum eingebunden, in welchem Verhältnis stehen historischer Wandel und die Heroisierungspraxis im Sport?

Konzeption: Andreas Gelz und Claudia Müller

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten, bitte per Email an: sport(at)sfb948.uni-freiburg(dot)de

Programm

DONNERSTAG, 17. Oktober: "Heldenkörper – Körperhelden"

ab 13:00 | Registrierung

14:15 | Ralf von den Hoff (Freiburg): Begrüßung

14:30 | Andreas Gelz und Claudia Müller (Freiburg): Einführung: Sport und das Heroische

15:15 | Sieglinde Lemke (Freiburg): Die Inszenierung von Kampfsportler*innen im Film

16:00 | Kaffeepause

16:30 | Olaf Stieglitz (Köln): „She just wanted to play“. Die Konstruktion einer afroamerikanischen Sportheldin als erinnerungspolitisches Projekt

17:15 | Michael Staack (Frankfurt am Main): Zur Heroik ultimativer Kämpfe. Der Fall Mixed Martial Arts

FREITAG, 18. Oktober: "Sporthelden in Geschichte und Gesellschaft"

9:30  | Helmut Pfeiffer (Berlin): Helden am Chimborazo. Humboldt und Whymper

10:15 | Dietmar Hüser (Saarbrücken): Fritz Walter und Raymond Kopa, Franz Beckenbauer und Michel Platini – Helden-Kontexte für „Fußballgötter“ von den 1950er bis zu den 1980er Jahren

11:00 | Kaffeepause

11:30 | Stephan Krause (Leipzig): Ungarische Wasserballhelden – Revolution, 1956, Nation, Film

12:15 | Dietmar Neutatz (Freiburg) „Sprung an die Spitze“. Sowjetische Basketballhelden im Kampf gegen Amerika

13:00 | Mittagspause

14:30 | Karl-Heinrich Bette (Darmstadt): Sporthelden. Spitzensport in postheroischen Zeiten

15:30 | Ulrich Bröckling (Freiburg): Figuren des Antiheroischen im Sport

16:15 | Kaffeepause

16:45 | Thomas Bauer (Limoges): The Soccer Fan and Heroism in the Work of Maurice Carême

17:30 | Gunter Gebauer (Berlin): Unterliegt der Sportheld ethischen Regeln?

SAMSTAG, 19. Oktober: "Mediale Aspekte des Heroischen im Sport"

9:30  | Matías Martínez (Wuppertal): Ewige Helden? Zeitlichkeit und Dauer von Fußballstars

10:15 | Melina Riegel (Freiburg): Über Helden und Gräber. T(r)opologien des Helden in der lateinamerikanischen Fußballliteratur

11:00 | Kaffeepause

11:30 | Andreas Gelz (Freiburg): Jean-Philippe Toussaints La mélancolie de Zidane (2006) – Erhabene Gewalt und Heroisierung im Sport

12:15 | Claudia Müller (Freiburg): Über-sich-Hinauswachsen und Ganz-bei-sich-Sein. 5000 von Dominique Braga

13:00 | Abschlussdiskussion

Zum Veranstaltungsprogramm (PDF)