Staatsschuldenkrise und Finanzialisierung in Südeuropa

Vortrag von Alexander Nützenadel

Südeuropa steht im Mittelpunkt der gegenwärtigen Schuldenkrise. Die hohe Verschuldung privater und öffentlicher Haushalte ist jedoch historisch keineswegs neu. Sie ist das Ergebnis eines langfristigen Prozesses, der weit zurückreicht. Der Vortrag betrachtet zunächst die unterschiedlichen historischen Wege in die Staatsverschuldung. In einem zweiten Schritt legt er dar, dass die Staatsschuldenproblematik eng mit der Entstehung des Finanzsektors verbunden war. Der Staat besaß in Südeuropa ein großes Interesse an der „Finanzialisierung“, weil er nur auf diesem Wege seine hohen Ausgaben bestreiten konnte. Dadurch wurden jedoch neue Probleme geschaffen, welche die aktuelle Krise verschärfen. Die historische Betrachtung zeigt, dass die Auswege aus der gegenwärtigen Krise weitaus schwieriger und langwieriger sind als häufig vermutet. 

Alexander Nützenadel ist seit 2009 Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Bücher und Aufsätze beschäftigen sich mit der Wirtschafts- und Agrarpolitik im faschistischen Italien, der Rolle ökonomischer Experten in Deutschland nach 1945 und der Geschichte Venedigs im 18. Jahrhundert. Neue Schwerpunkte sind die Geschichte von Klientelismus und Korruption, städtische Immobilienmärkte und Finanzkrisen sowie die Geschichte der Globalisierung. Er ist Sprecher der Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im Nationalsozialismus und Koordinator des DFG-Schwerpunktprogramms „Erfahrung und Erwartung. Historische Grundlagen ökonomischen Handelns“ (zusammen mit Jochen Streb, Mannheim).

Bitte melden Sie sich hier zum Vortrag an: info(at)mpifg(dot)de

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