Streitkulturen. Deutungsmachtkonflikte zwischen Konsens und Zerwürfnis

Nachwuchsforum des Graduiertenkollegs Deutungsmacht

Die Welt ist uns nur über komplexe Wahrnehmungs- und Deutungsprozesse zugänglich, die von verschiedenen individuellen und soziokulturellen Mustern abhängen. Die notwendige Perspektivität und Selektivität von Deutungen führt in eine Pluralität von Geltungsansprüchen, zu sichtbaren und unsichtbaren Deutungsmachtstrategien, um die eigenen Geltungsansprüche durchzusetzen, bis hin zu offenen Deutungskonflikten, die bearbeitet werden müssen. Konflikte können dabei als lästig und störend empfunden werden – begleitet von der Intention, Streit zu vermeiden und Konsens als Idealzustand des Zusammenlebens zu stilisieren und anzustreben. Konsensorientierung impliziert, dass Konflikte tatsächlich erhebliche destruktive Dynamik entfalten und im Zerwürfnis enden können. Das droht vor allem dann, wenn die dem Konflikt zugrundeliegenden konkurrierenden Vorannahmen und Überzeugungen (beliefs) sich als grundsätzlich unvereinbar darstellen. Doch die kritische Auseinandersetzung in und zwischen Religionen, Wissenschaftsdisziplinen und Gesellschaftsformen ist als zugleich konflikt- und streitfrei nicht nur undenkbar, sondern sie ist vielmehr sogar produktiv auf Konflikt und Streit als zentrale Momente der Ermöglichung von Neu- und Andersverstehen angewiesen. So bleibt zu fragen: Wie verhalten sich Konflikt und Streit genauer zueinander? Und wie lässt sich das Spannungsfeld von Konsens und Zerwürfnis im Konfliktfall differenzierter beschreiben und ausbalancieren?

Unterschiedliche Streitkulturen bewerten entsprechend divergierend, wie viel Konsens und wie viel Dissens unser multikulturelles, multireligiöses Zusammenleben braucht beziehungsweise verträgt. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Annahmen über die modale Macht der Konflikte, das heißt darüber, was Konflikte ermöglichen und verunmöglichen, und ebenso hinsichtlich der Zuschreibung von Chancen und Grenzen verschiedener Formen des Konfliktmanagements im Sinne der Streitkulturen selbst.

Das Graduiertenkolleg „Deutungsmacht. Religion und belief-systems in Deutungsmachtkonflikten“ veranstaltet ein Nachwuchsforum, um den Ansätzen von Streitkulturen im Kontext der Fragen nach Deutungsmacht in akteursbezogener, institutionell-struktureller, modaler, relationaler und performativer Perspektive nachzugehen.

Das Nachwuchsforum bietet Vorträge, Seminarangebote von GRK-Mitgliedern, ein Wissenschaftscoaching sowie ein attraktives Rahmenprogramm. Es richtet sich an interessierte Masterstudierende und Absolventinnen und Absolventen der Fächer Theologie, Religionswissenschaft, Literatur- und Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft sowie Philosophie.

Weitere Informationen zum Kolleg und zur Tagung:

https://www.deutungsmacht.uni-rostock.de

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