Techniken der Situationskontrolle - das Massaker von Srebrenica

Vortrag von Tabea Koepp im Rahmen der Vortragsreihe "Organisation, Dauer und Eigendynamik von Gewalt" an der Universität Bielefeld

In der Auseinandersetzung mit gewaltgezeichneten Situationen fällt auf, dass in einer Vielzahl von Fällen große Gefangenengruppen von bewaffneten Minderheiten kontrolliert werden. Die Tatsache, dass es einzelnen Täter*innen möglich ist, zahlenmäßig weit überlegene Gefangenengruppen zu internieren, zu deportieren und zu exekutieren, wird bisher von der soziologisch inspirierten Gewaltforschung entweder gar nicht erst hinterfragt, oder auf die Bewaffnung der dominierenden Partei zurückgeführt. In diesem Vortrag wird ein genauerer Blick auf die Frage geworfen, wie solche asymmetrischen Konfrontationssituationen eigentlich von der gewaltausübenden Partei kontrolliert werden. Am Fall des Massakers von Srebrenica werden insgesamt fünf „Techniken der Situationskontrolle“ vorgestellt, mithilfe derer – so die These – die Soldaten emotionale Dominanz über die Gefangenengruppe erzeugen und so die Situation über Tage hinweg bis zur Exekution der Gefangenen unter Kontrolle halten.

Weitere Informationen (Link)