Technisierte Umwelten

Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte 2017

Die Schaffung hochtechnisierter Umwelten und künstlicher Räume basiert auf technischen Systemen und Steuerungsansätzen, die auf eine Kontrolle von Natur und natürlichen Prozessen abzielen. Dies trifft auf Reinräume in den Produktionsstätten der Mikroelektronik ebenso zu wie auf die Überlebenstechniken in Polarstationen oder ABC-Panzern. Ob Treibhäuser, Plantagen, Parklandschaften oder Systeme des Hochwasserschutzes, sie alle basieren auf einer historisch gesehen zunehmenden Technisierung von natürlichen Umwelten.

Ziel der Jahrestagung der gtg 2017 ist es, historische Prozesse zu untersuchen, die der Beherrschung, Gestaltung und Erschaffung von natürlichen und künstlichen Umwelten sowie der Eroberung und Erschließung extremer oder künstlicher Lebensräume dienen. Staudämme als Mittel der Regulierung, Agrotechniken, die durch Imitation oder Integration natürlicher Prozesse Produktivität erhöhen sowie Labore oder Raumfähren, die technisch kontrollierte Umwelten gestalten, sind nur einige Beispiele. Zuletzt sind mit virtuellen Welten und „augmented realities“ sowie Biofakten neue Phänomene zu beobachten, bei denen Technisierungsprozesse nicht nur Ansprüche auf Beherrschung, sondern auch die Schaffung alternativer und hybrider Naturen zu versprechen scheinen. Die Grenzen von Natur und Technik werden so zunehmend in Frage gestellt und neu definiert. Diese Technisierungsprozesse sind nicht nur als reine Erfolgsgeschichten zu beschreiben. Gerade auch das Scheitern und die Grenzen der Technik und ihrer Durchsetzbarkeit sind von besonderem Interesse, z. B. nicht-intendierte Nebenfolgen von großräumigen Eingriffen in die Natur, wissenschaftliche und öffentliche Debatten um risikoreiche Großtechnologien, aber auch „blinde Flecken“ von Planungseuphorie und technischen Machbarkeitsphantasien.

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