Territorien, Staat und Nation in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Tagung vom 7. bis 9. April 2021 in Wien

Die Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und der Wirtschaftshistorische Ausschuss des Vereins für Socialpolitik veranstalten gemeinsam ihren 4. Kongress für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Wir laden herzlich zum Einreichen von Beiträgen zu dieser Tagung ein.

Die Tagung wird sowohl Beiträge zum Kernthema enthalten als auch einen offenen Teil mit Sektionen, deren Themen nicht vorgegeben sind.

Das Kernthema lautet: "Territorien, Staat und Nation in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte"

Der von Staaten konstituierte politische und rechtliche Raum bildet einen wesentlichen Rahmen für wirtschaftliches und soziales Handeln. Politische Umbrüche und Ein-schnitte in der Organisation von Herrschaftsverbänden veränderten oft wirtschaftliche Institutionen sowie die Fähigkeit von Herrschaftsverbänden, institutionelle Regeln durchzusetzen (state capacity). Der langfristig ablaufende, im Einzelnen aber häufig disruptiv erfolgende Prozess der Staatsbildung kann deshalb als ein wichtiger Motor wirtschaftlicher Entwicklung angesehen werden.

Die Entwicklung verlief dabei keineswegs gradlinig. Dem Bemühen des Flächenstaats um Integration nach innen und Abgrenzung nach außen stehen wirtschaftliche Aktivitäten gegenüber, die die Grenzen des Territoriums überschreiten. So verlief der Siegeszug des modernen Flächenstaats im 19. Jahrhundert parallel mit der ersten Globalisierung. Mit der zweiten Globalisierung im 20. Jahrhundert fand sich der Flächenstaat als souveräne Einheit wieder grundsätzlich in Frage gestellt, und heute ist seine Zukunft offen.

In Ergänzung dazu stellt sich die Frage, wieweit wirtschaftliche und soziale Strukturen und Beziehungen die Ausformung der Flächenstaaten mitbestimmten, sowohl in ihrer Größe und Grenzziehung als auch im Ausmaß der Kontrolle, die sie auf ihr Territorium ausüben konnten. Der Begriff der Nation bildete dabei ab dem 19. Jahrhundert ein wesentliches Narrativ, um den inneren Zusammenhalt von Staaten zu fördern. Gleichzeitig waren Staat, Nation und Wirtschaftsraum oft nicht deckungsgleich und es

ist oft unklar, wieweit politischer Nationalismus wirtschaftlich integrierend oder desintegrierend wirkte. Gemeinsame nationale Zugehörigkeit konnte auch staatenüber-greifend wirtschaftliche Bindungen ermöglichen und fördern, etwa über die Bindung von Auswanderern zu ihren Herkunftsländern. In multinationalen Staaten oder Staaten mit großen Minderheiten wiederum konnte der Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung mit wirtschaftlichen Interessen in Widerspruch kommen.

Die Veranstalter laden zum Einreichen von Einzelbeiträgen und Sektionen in deutscher oder englischer Sprache sowohl zum Kernthema als auch zum offenen Teil ein. Erwünscht sind Beiträge im Zeitraum vom Mittelalter bis zur jüngsten Vergangenheit, die die genannten Themenstellungen aus der Perspektive von Individuen, Unternehmen, Gruppen oder Staaten untersuchen. Neben Fallstudien sind insbesondere auch vergleichende Beiträge willkommen.

Im Rahmen des offenen Teils ermutigen wir insbesondere zur Einreichung von Beiträgen zu Krankheit und Epidemien aus einer wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Perspektive, die zur historischen Kontextualisierung der Covid19-Pandemie und einem besseren Verständnis möglicher kurz- und langfristiger Konsequenzen beitragen können.

Zu jedem Beitrag werden folgende Informationen erbeten: Beitragstitel; Name und kurzer Lebenslauf der Autorin/des Autors/der Autor(inn)en; Kontaktinformation; Zusammenfassung des Beitrags (max. 200 Wörter).

Die Einreichungsfrist endet am 28. September 2020.

Die Vorschläge sind einzureichen an: GSWG(at)ur(dot)de

Programmkommission:

Prof. Dr. Marcel Boldorf (Lyon), Prof. Dr. Markus Denzel (Leipzig), Prof. Dr. Clemens Jobst (Universität Wien), Prof. Dr. Markus Lampe (Wirtschaftsuniversität Wien), Prof. Dr. Ulrich Pfister (Münster), Prof. Dr. Mark Spoerer (Regensburg)

Zum Call for Papers (PDF)