Theodor W. Adorno and the Sources of Normativity: Materialism

Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2019

Als »Kraft zum Widerstand« hat Adorno das Denken in seiner Rundfunksendung Resignation von 1969 bestimmt. Allerdings sei ein »solcher emphatischer Begriff von Denken [...] nicht gedeckt, weder von bestehenden Verhältnissen noch von zu erreichenden Zwecken«. In seinem Nachruf auf Adorno im selben Jahr stellte Jürgen Habermas die aus seiner Sicht bei Horkheimer und Adorno offengebliebene Frage, »wie kritisches Denken selber zu recht-fertigen« sei. Heute, 50 Jahre später, hat diese Frage für diejenigen, die in Adornos philosophischem Erbe Anregung für kritisches Denken und Widerstand suchen, nichts von ihrer Dringlichkeit verloren: Welches sind die Quellen der Normativität in Adornos Philosophie? An drei Abenden wird Peter E. Gordon allgemeine Überlegungen zu Adornos Leben und Werk entwickeln und die drei wichtigsten Koordinaten seiner Philosophie – Materialismus, Metaphysik und Ästhetik – behandeln. Dabei wird er sich auf die umstrittene Frage konzentrieren, wie sich die kritischen Energien in Adornos Denken rechtfertigen lassen, sowie die Frage erörtern, ob die drei Koordinaten einer gemeinsamen Quelle entstammen.

Peter E. Gordon ist Amabel B. James Professor für Geschichte und zugleich Mitglied des Instituts für Philosophie an der Harvard University. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen: Continental Divide. Heidegger, Cassirer, Davos. Cambridge u. a.: Harvard University Press 2010; Adorno and Existence. Cambridge u. a.: Harvard University Press 2016; Authoritarianism. Three Inquiries in Critical Theory. Chicago und London: The Chicago University Press 2018 (zusammen mit Wendy Brown und Max Pensky); The Routledge Companion to the Frankfurt School. New York und London: Routledge 2018 (hg. zusammen mit Espen Hammer und Axel Honneth). Auf Deutsch ist von Peter E. Gordon erschienen: Kritische Theorie zwischen dem Heiligen und dem Profanen, in: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 13. 1, 2016, 3–33.

Die Vorlesungen finden in englischer Sprache statt.

Die Frankfurter Adorno-Vorlesungen

Seit 2002 veranstaltet das Institut für Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag jährlich Vorlesungen, die an drei Abenden an Theodor W. Adorno erinnern. Dabei ging es bisher ganz ausdrücklich nicht um eine Ausdeutung seines Werks, sondern darum, seinen Einfluss auf die heutige Theoriebildung in den Humanwissenschaften zu fördern und die lebendigen Spuren seines interdisziplinären Wirkens in den fortgeschrittenen Strömungen der Philosophie, der Literatur-, Kunst- und Sozialwissenschaften sichtbar zu machen. Anders in diesem Jahr: Aus Anlass des 50. Jahrestages von Adornos Tod am 6. August 1969 sind die Vorlesungen einer expliziten Auseinandersetzung mit seinem Werk gewidmet.

Veranstaltungsort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Bockenheim, Hörsaal IV, Mertonstraße 17–21

Veranstaltungsflyer (PDF)