Todesmärsche im Elbe-Weser-Dreieck

Tagung in der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Anmeldefrist: 31. März 2020

Ort: Gedenkstätte Lager Sandbostel, Greftstr. 3 27446 Sandbostel

Kurz vor Kriegsende befanden sich etwa 13.000 Männer im Hauptlager sowie über 40.000 Männer und Frauen in den Außenlagern des KZ Neuengamme bei Hamburg. Die SS veranlasste aufgrund der näher rückenden Fronten die Räumung des Stamm- und der Außenlager.

Tausende KZ-Häftlinge wurden daraufhin unter katastrophalen Bedingungen in überfüllten Güterwaggons durch Norddeutschland transportiert und auf „Todesmärschen“ zu noch nicht geräumten Lagern getrieben. Wer nicht Schritt halten konnte, wurde erschossen. Die Transporte erreichten schließlich die später als „Auffanglager“ bezeichneten Lager Bergen-Belsen, Wöbbelin und Sandbostel. Weitere Tausende Häftlinge wurden auf Schiffe in der Lübecker Bucht gebracht. Nur etwa die Hälfte der Häftlinge überlebte die letzten Kriegswochen.

Ab dem 12. April 1945 erreichten etwa 9.500 KZ-Häftlinge in mehreren Transporten das Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Sie kamen aus dem Stammlager Neuengamme und Außenlagern in Hamburg, Bremen, Meppen und Wilhelmshaven. Die Wachmannschaften trieben die kaum noch marschfähigen Häftlinge vor den Augen der deutschen Bevölkerung von den Bahnhöfen Bremervörde und Brillit in das Stalag X B Sandbostel. Etwa ein Drittel der nach Sandbostel gebrachten KZ-Häftlinge starben auf dem Transport, im Lager und trotz der eingeleiteten Rettungsmaßnahmen an Thyphus und Entkräftung vor oder nach der Befreiung.

Die britischen Soldaten bezeichneten das Stalag X B als „ein kleines Belsen“, die französischen Überlebenden als „Sterbelager“. In der Tagung werden die Todesmärsche durch das Elbe-Weser-Dreieck nach Sandbostel, die Situation im Stalag X B und die Erinnerung in der Nachkriegszeit thematisiert.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Anmeldungen bitte bis zum 31. März 2020 an info@stiftung-lager-sandbostel.de. Die Teilnehmerinnen- und Teilnehmerzahl ist begrenzt und die Plätze werden nach dem zeitlichen Eingang der Anmeldungen vergeben.

Programm:

10:00 Begrüßung/Vorstellung des Programms – Andreas Ehresmann, Gedenkstätte Lager Sandbostel

Panel 1: Sandbostel als Zentrum der Todesmärsche im Elbe-Weser-Dreieck

10:15 Die Todesmärsche nach Sandbostel im April 1945 – Wissensstand und Forschungslücken, Ines Dirolf, Gedenkstätte Lager Sandbostel

10:45 Blockältester Nowak auf Todesmarsch durch Niedersachsen. Vom Wert und den Problemen einer seltenen und schwierigen Quelle – Dr. Reimer Möller, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg

11:15 Kaffeepause

11:30„A Hand full survived“. Die Todesmärsche aus Bremen-Farge nach Sandbostel und in die Neustädter Bucht – Dr. Marcus Meyer, Denkort Bunker Valentin, Bremen

12:00 Panel-Diskussion

12:30 Mittagspause / Möglichkeit des Ausstellungsbesuchs und Rundgang über das Gelände

Panel 2: Situation vor Ort

14:00 „Like a minor Belsen“. Die Situation im KZ-Auffanglager: Nothilfe der Kriegsgefangenen, Befreiung und Rettungsbemühungen der britischen Armee – Andreas Ehresmann, Gedenkstätte Lager Sandbostel

14:30 Der Räumungstransport Sandbostel–Stadersand am 20. April 1945 – Dr. Lars Hellwinkel, Gedenkstätte Lager Sandbostel

15:00 Minuten Panel-Diskussion

15.30 Kaffeepause

Panel 3: Erinnerungskultur

16:00 Die Exhumierung der KZ-Häftlinge in Sandbostel durch die Mission de Recherche 1952 bis 1954 – Ronald Sperling, Gedenkstätte Lager Sandbostel

16:30 Die Gedenkmärsche von Bremen-Farge nach Sandbostel 1985 und 1990 – Gerd Meyer, Internationale Friedensschule Bremen

17:00 Kurzbericht zur Memorierung von 41 am Bahnhof Brockel ermordeten KZ-Häftlingen – Heinz Promann, Rotenburg (Wümme)

17:15 Panel-Diskussion

17.45 Tagungsresümee / Tagungskommentar, Prof. Dr. Helga Borries-Sawala, Universität Bremen

18.00 Tagungsende

 

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