Treffpunkte: Dinge – Praktiken – Diskurse

Tagung an der Universität Wien

Dinge lassen sich immer von mehreren Seiten betrachten. Dennoch nehmen auch in den historischen Kulturwissenschaften Praxeologie und Diskursforschung allzu oft nur eine Seite – entweder die der Praktiken oder die der Diskurse – in den Blick. In beiden Fällen werden Dinge meist bloß als Ansatzpunkt oder Ausdrucksmittel behandelt, angesiedelt am unscharfen Rand des jeweiligen Fokus. Die geplante Tagung setzt sich zum Ziel, die eingespielte Separierung von Ding-, Praxis- und Diskursanalyse in Frage zu stellen und aufzubrechen. Sie will diskutieren, wie die Befassung mit Dingen und ihren Materialitäten sowie diskursanalytische und praxeologische Ansätze einander nicht nur befruchten, sondern vor allem ergänzen können – mehr noch: unserer Ansicht nach ergänzen müssen.

Dinge verfügen über Präsenz, sind sperrig, belegen Platz, fordern Aufmerksamkeit. Sie haben oder nehmen Anteil an Handlungen, ebenso stehen oder stellen sie sich ihnen oft entgegen. Sie öffnen einen Raum des Denk-, Sag- und Zeigbaren, wie dieser umgekehrt Handlungspotentiale von Dingen konstituiert. Ihre Handlungsmacht, aber auch deren Grenzen erweisen sich zudem in Praktiken, den routinisierten und habitualisierten Formen des kollektiven und individuellen Handelns.

Praxeologische und diskursanalytische Modelle mittels einer angemessenen Analyse des Dinglichen – und zu einer solchen – zusammenzuführen, betrachten wir als eine grundsätzlich interdisziplinäre Aufgabe. Wir richten daher unseren Aufruf an Kolleg/inn/en aus unterschiedlichsten kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen wie der Geschichtswissenschaft, der Europäischen Ethnologie/empirischen Kulturwissenschaft/Kulturanthropologie, der Soziologie, Kunstgeschichte u.a.m.

Folgende Fragen und Themenfelder erscheinen uns besonders relevant:

* Fragen nach dem Begriffsverständnis und -gebrauch von Ding/en, Diskurs/en, Praktik/Praxis als Basis der interdisziplinären Verständigung

* theoretische und konzeptionelle Überlegungen darüber, wie Dinge, Praktiken und Diskurse zusammengebracht und gemeinsam erforscht werden können

* wissenschaftshistorische Studien, die Konjunkturen von Objekt-, Praxis- und Diskurstheorie/n in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit erklären

* Konzepte und Angebote für Forschungsdesigns, empirische Zugänge und Verfahren, die es ermöglichen, Dinge, Praktiken und Diskurse in ihren Wechselbeziehungen zu untersuchen

* empirische Forschungen, die anhand konkreter Fragestellungen materielle Kultur in praxeologischen und diskursiven Zusammenhängen analysieren

Organisation:

Franz X. Eder, Oliver Kühschelm, Klara Löffler, Brigitta Schmidt-Lauber

Kontakt: alexandra.rabensteiner(at)univie.ac(dot)at