Umweltgeschichte in Frankreich und Deutschland: aktuelle Probleme und Zukunftsperspektiven

Sommeruniversität in Paris

Seit ihren Anfängen in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich die Umweltgeschichte rasch als eine eigenständige Disziplin historischen Forschens etabliert. Am Schnittpunkt einer Vielfalt von geschichtswissenschaftlichen Zugängen gelegen (Wissenschafts- und Technikgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte etc.) nimmt sie die von diesen gestellten Fragen in einer neuen und eigenständigen Perspektive auf.

Dabei fokussiert die Umweltgeschichte weniger auf einen abgrenzbaren Gegenstandsbereich – die „Umwelt“ –, sondern bemüht sich um die Eröffnung neuer Sichtweisen auf Natur und Naturverständnis sowie auf die materiell-stofflichen Grundlagen von Gesellschaften, auf die Interaktionen zwischen Gesellschaft und physikalischen sowie biologischen Phänomenen und, in allgemeinerer Hinsicht, auf die lange Vorgeschichte heutiger Umweltfragen.

Die Konzepte und Methoden der Umweltgeschichte sind somit Gegenstand einer lebhaften internationalen Debatte, in der Stimmen aus Frankreich und Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Die vom Deutschen Historischen Institut Paris und der École des Hautes Études en Sciences Sociales ausgerichtete Sommeruniversität wird insgesamt 14 Doktorandinnen und Doktoranden, Postdocs und fortgeschrittenen Masterstudierenden aus beiden Ländern die Gelegenheit geben, ihre aktuellen Projekte vor einem Kreis ausgewiesener Expertinnen und Experten vorzustellen. Erklärtes Ziel der Veranstaltung ist es, vor dem Hintergrund der internationalen Diskussion die unterschiedlichen Zugänge zur Umweltgeschichte kennenzulernen, sie miteinander in Vergleich zu setzen und die transnationale Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf diesem Feld zu fördern.

Die Sommeruniversität ist bewusst epochenübergreifend angelegt. Interessenten können sich mit Projekten zu allen thematischen Bereichen der Umweltgeschichte vom späteren Mittelalter über die Frühe Neuzeit bis hin zur jüngsten Zeitgeschichte bewerben.

Allerdings soll die Diskussion durch bestimmte Leitfragen strukturiert werden wie z.B. solche nach den Wissensbeständen, Diskursen und Praktiken, die die Mensch-Umweltbeziehungen strukturierten, nach der Entwicklung historischer Weisen von Umweltregulierung (Verschmutzung, Ressourcennutzung, Rolle von Gemeinbesitz und Privateigentum etc.),

nach dem juristischen und verwaltungsförmigen Rahmen von „Entwicklung“ und insbesondere auch nach der Geschichte aktueller Konzepte wie „Nachhaltigkeit“, „Klima“, „Umwelt“ etc.. Auch Probleme umweltbezogener Konflikte und Ungleichgewichte, die Rolle von Kriegen und von Krisen (seien es „natürliche“, wirtschaftliche oder auch geopolitische) bei der Rekonfiguration von Mensch-Umweltbeziehungen, die Darstellung materieller Grundlagen von sozialen Systemen in der Geschichtsschreibung oder der Zusammenhang zwischen Konsumweisen und der Transformation von Umwelt können und sollen in diesem Zusammenhang thematisiert werden.

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