Vermittlung in den internationalen Beziehungen

Jahrestagung des DVPW-Arbeitskreises "Soziologie der internationalen Beziehungen" in Kooperation mit der GGS-Sektion "Normen und Wandel in der Weltpolitik" am 14. und 15. November 2019 in Gießen

Die Forschungsdisziplin der Internationalen Beziehungen (IB) zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der interdisziplinäre Austausch explizit gesucht wird. Hieraus entstehen seit einigen Jahren institutionalisierte Teildisziplinen wie „International Political Sociology“, „International Political Theory“ oder neue Forschungsfelder wie „Law and Society Studies“, „Visual Global Politics“ und „Narrative Politics“, in denen sich disziplinäre Grenzen zunehmend auflösen. Der DVPW-Arbeitskreis Soziologie der internationalen Beziehungen (SiB) will zu diesen Entwicklungen und dem disziplinübergreifenden Dialog aktiv beitragen.

Das Konzept der Vermittlung hat sich hierfür als zentral herausgestellt. Vermittlung bezeichnet ganz generell das Moment der Verbindung zwischen zwei Elementen, welche die Elemente selbst berührt oder verändert. Vermittlung kann bspw. die Form der Übersetzung oder der gegenseitigen Konstitution oder der Verkoppelung annehmen. Das Ziel dieser Tagung ist eine produktive Diskussion über die unterschiedlichen Verständnisse von Vermittlung. Uns interessiert zudem, inwiefern Konzepte der Vermittlung ein verbindendes Element in den Soziologien der internationalen Beziehungen darstellen und den Austausch mit den anderen Teildisziplinen befördern können.

Der Begriff der Vermittlung verweist auf epistemologische, ontologische, methodologische und methodische Fragen und kann daher auch als eine Art Bestandaufnahme der gegenwärtigen Forschung in den jeweiligen Teildisziplinen dienen. So verorten sich Forscher*innen aus dem Feld der SiB eher in interpretativen Zugängen, die als Formen der Wissensvermittlung und -produktion auf ein hohes Maß an Reflexion angewiesen sind. Zudem wird mit prozessualen Vorstellungen von Weltpolitik operiert, die sich starren Dichotomien, etwa zwischen Mikro- und Makro-Ebene oder zwischen Akteur und Struktur, widersetzen. Forschung zu Außenpolitik, Verhandlungen, Institutionen und Organisationen, Entwicklung und Sicherheit, zum Globalen und Transnationalen hat bereits von diesem Verständnis profitiert. Das genuin vermittelte, sich gegenseitig konstituierende Verhältnis von Akteuren und Strukturen erlaubt dabei den Einbezug weiterer Vermittlungsdimensionen. Dabei werden relationale Konzepte wie Praktiken, Narrative, Diskurse, Technologien, Übersetzungen, Emotionen oder Imaginationen herangezogen, um den dynamischen Charakter politischer Prozesse zu erfassen, jedoch ohne deren Vermittlung mit Institution(alisierung) und Struktur außer Acht zu lassen.

Dieses Spektrum ermöglicht schließlich auch einen breiten methodischen Zugang, da unter anderem Bildanalysen, Narrativanalysen, Praxiographien, ethnographische Techniken oder interpretative Textanalysen herangezogen werden, um performative Vermittlungen in der alltäglichen Politik herauszuarbeiten. Nicht zuletzt erlaubt das Konzept der Vermittlung die empirische Erfassung von Themen, die zunächst außerhalb der etablierten Kategorien und Zugänge der IB zu liegen scheinen. Es ermöglicht unter anderem die Erforschung von Individuen und Netzwerken in der Weltpolitik, etwa Diplomat*innen, Übersetzer*innen, Aktivist*innen oder auch Migrant*innen, und wirft die Frage auf, wie zwischen „Feld“ und akademischem Diskurs vermittelt werden kann.

Weitere Informationen zum DVPW-Arbeitskreis SiB:

https://www.dvpw.de/gliederung/ak/soziologie-der-internationalen-beziehungen/  

Weitere Informationen zur GGS-Sektion:

https://www.uni-giessen.de/fbz/zentren/ggs/forschung/sektionen/normenwandel

Organisations-Team:

Frank Gadinger (Duisburg-Essen), gadinger(at)gcr21.uni-due(dot)de  

Nele Kortendiek (Friedrichshafen), nele.kortendiek(at)zu(dot)de  

Janne Mende (Gießen), janne.mende(at)sowi.uni-giessen(dot)de  

 

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