Von der „Neuen Frau“ zur Frauenbewegung: Emanzipationskonzepte auf Zeitreise

Vortrag von Brigitte Studer im Rahmen der Reihe "Nach dem Ende der Illusion: Was bleibt vom Kommunismus im 21. Jahrhundert"

1913 hat Kollontaj eine Schrift mit dem Titel «Die neue Frau» verfasst. Der Titel verweist darauf, dass sich das Revolutionsprogramm der Bolschewiki nicht auf die Transformation der Staatsmacht beschränkte. Den Frauen versprach es ein neues Leben («novyj byt») durch den Schritt aus der häuslichen Enge in die Erwerbsarbeit und ins Öffentliche. Kollontaj und andere gingen noch weiter und forderten zudem die sexuelle Befreiung der Frauen – Ideen, die auch im internationalen Kommunismus Resonanz fanden. Wenn sich die soziale Wirklichkeit und die Genossen gegenüber der Geschlechtergleichstellung auch als weitgehend resistent erwiesen, ist gleichwohl zu fragen, wie diese Emanzipationskonzepte transnational zirkulierten und welche Nachwirkungen sie über das 20. Jahrhundert hatten. 

Brigitte Studer, Historikerin. Ordentliche Professur für Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte an der Universität Bern. Arbeitsgebiete: Sozial- und Kulturgeschichte des Kommunismus, Geschlechtergeschichte, Feminismus und Historiographie. Publikationen u.a.: Geschlechtergeschichte heute – Konzeptuelles und Konkretes. Die Ein- und Ausbürgerung durch Eheschließung (Konstanzer Universitätsreden), Universitätsverlag Konstanz: Konstanz 2006; The Transnational World of the Cominternians, Palgrave-Macmillan: Basingstoke: 2015.

Moderation: Dr. Annette Leo (Berlin)

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