Wandel in den Standards Guter Arbeit - Chancen und Risiken für Unternehmen und Beschäftigte

Jahrestagung des Arbeitskreises "Empirische Personal- und Organisationsforschung" (AKempor) am 26. und 27. September 2019 an der Universität Hamburg

Unsere Vorstellungen von „Guter Erwerbsarbeit“ sind häufig bis heute geprägt vom Ideal des "Normalarbeitsverhältnisses", also einer unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Vollzeit mit auskömmlichen Einkommen. Während dies in der Nachkriegszeit vielleicht noch als Standard gelten konnte, sind seit längerer Zeit Entwicklungen zu beobachten, die die Frage aufwerfen, welche Standards für „Gute Arbeit“ heute noch gelten, welche bisherigen Standards erodieren und welche sich neu entwickeln. Zahlreiche Entwicklungen werden in diesem Feld unter Stichworten wie New Work, Qualität der Arbeit oder labour standards diskutiert: Unternehmensseitig ermöglichen Digitalisierung und Vernetzung die Entwicklung neuer Organisationsformen, es entstehen z.B. digitale und internationale Wertschöpfungsketten, virtuelle Netzwerke und Crowd- und Clickworking-Plattformen, in deren Funktionsweise sich auch die verschärfte internationale Konkurrenz und der zugehörige Kostendruck ausdrückt. Neue Berufsbilder entstehen, Modelle flexibler Arbeitszeit und Befristungen werden häufiger verwendet, Unternehmen setzen auf agile Arbeit und agile Organisationsformen. Zunehmende Kreativität und Autonomie als Chance und Anforderung zugleich gehen für manche Beschäftigtengruppen Hand in Hand mit der Forderung nach ständiger Erreichbarkeit auch in der Freizeit. Für andere Gruppen sind durchgängig hinsichtlich aller Arbeitsbedingungen prekäre Arbeitsverhältnisse an der Tagesordnung. Daneben werden Büros zu Wohlfühloasen mit Kicker, Ruheraum und Stille Oasen, Meditationsangeboten und Wäscheservice umfunktioniert, die Mitarbeiter zur Anwesenheit rund um die Uhr einladen. Arbeit wird aus Arbeitsverhältnissen ausgelagert und durch rechtlich selbständige Crowd- und Clickworker übernommen, die nicht mehr durch das individuelle Arbeits- und das Sozialrecht geschützt werden, aus der betrieblichen Mitbestimmung herausfallen und gewerkschaftlich nur rudimentär vertreten werden können. Nicht zuletzt im Kontext von Migrationsbewegungen und Flüchtlingsströmen steigen die Diversität von Belegschaften, die Heterogenität ihrer Bedürfnisse und Ansprüche an die Arbeit, während weltweite Crowds auf die Plattformen der heimischen Industrie zugreifen, um ihre Jobs zu erledigen. Insgesamt betrachtet berührt dieser Wandel somit bisher zentrale „Standards Guter Arbeit“, wie etwa Arbeitnehmerschutzrechte, die Interessenvertretung von Arbeitnehmern, Arbeitszeit- und Lohnstandards, die soziale Sicherung und die Trennung oder Überlappung zwischen Beruf und Privatleben.

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