Wie relevant ist die Politikwissenschaft?

DVPW-Thementagung vom 12. bis 14. Dezember 2019 in Frankfurt am Main

In der öffentlichen Debatte wird regelmäßig über die mangelnde gesellschaftliche und politische Relevanz der Politikwissenschaft geklagt. Dass mit solchen Klagen ein recht einseitiges Bild gezeichnet wird, machen nicht nur die vielen Repliken auf die Debatten in der FAZ und ZPol zum Stellenwert der Politikwissenschaft deutlich. So warnt die kritische Wissenschaftsforschung, man möge das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis nicht als eines von Wissensangebot und -nachfrage verstehen, sondern müsse es als Wechselbeziehung begreifen. Diese Wechselbeziehung ist auch um andere Akteure wie Bürger*innen und Rezipient*innen zu erweitern, deren Bedürfnisse nach Erklärungen in einer immer komplexer werdenden politischen Umwelt steigen. Ferner ist eine alleinige Verengung auf die Sichtbarkeit in klassischen Massenmedien und die Beratung von Entscheidungsträger*innen problematisch, da sie eine Reihe anderer, nicht minder politischer Aspekte marginalisiert, über welche die Politikwissenschaft gesellschaftliche Wirkung erzielt (z. B. die Hochschullehre, die Politische Bildung, die öffentliche Kommunikation in sozialen Medien oder die Kommunikation mit politischen Akteur*innen außerhalb staatlicher Institutionen).

Die Tagung dient einer systematischen Auseinandersetzung mit der Frage, wie die Politikwissenschaft über die Trias aus Forschung, Lehre sowie der Kommunikation derselben in die Gesellschaft hineinwirkt. Ziel ist es, Kompetenzen, Kapazitäten und Ressourcen zu identifizieren, mit der sich die gesellschaftliche Relevanz von Forschung und Lehre fördern lässt. Das ist nicht zuletzt für die DVPW selbst von zentraler Bedeutung, die anstrebt, die Politikwissenschaft gesellschaftspolitisch sichtbarer zu machen und stärker als Interessenverband zu wirken.

Die Tagung soll zu einer empirischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und politischen Wirkung sowie dem Wissens- und Praxistransfer der Politikwissenschaft beitragen. Außerdem möchte sie den Blick für Verbesserungspotenziale in der Lehre schärfen – zum Beispiel spielen Kompetenzen in der Wissenschaftskommunikation weder im Studium noch in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses eine größere Rolle, obgleich wir doch die Studierenden auf Tätigkeiten zwischen Wissenschaft und Praxis vorzubereiten haben.

Organisationsteam

Wolfgang Bergem, Isabelle Borucki, Daniel Lambach, Julia Reuschenbach und Helmar Schöne

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