Wissenschafts- und Hochschulforschung: Ansatzpunkte für eine interdisziplinäre Forschungsagenda

Workshop des "Forum Internationale Wissenschaft" (Universität Bonn) in Kooperation mit der VolkswagenStiftung

Der Sammelbegriff der „Wissenschafts- und Hochschulforschung“ verweist auf eine heterogene und fragmentierte Forschungslandschaft. Forschungsinstitute, Professuren und Zeitschriften lassen sich meist problemlos entweder der Wissenschafts- oder der Hochschulforschung zuordnen, und auch konkrete Forschungsprojekte, Konferenzen und Zitationsnetzwerke zeigen (mindestens) zwei getrennte Welten. Das gilt nicht nur für die deutsche, sondern verstärkt noch für die Situation im englischsprachigen Raum: Hier haben sich in den letzten Jahren erfolgreich mehrere größere sozialwissenschaftliche Forschungsgemeinschaften ausgebildet, die untereinander aber kaum vernetzt sind, insb. die Science and Technology Studies (STS), Science Policy and Innovation Studies (SPIS) und Higher Education Studies (HES). Ähnliche Fragmentierungen finden sich auch in den Geschichtswissenschaften, wo immer wieder die institutionelle Separierung von Wissenschaftsgeschichte und Universitätsgeschichte beklagt wird (Paletschek 2011). Das ist überraschend, weil die Forschungsgegenstände, Wissenschaft und Hochschule, zwingend aufeinander verweisen. (...)

Eine historische Erklärung für getrennte Forschungsbereiche bedeutet jedoch noch nicht, dass die bestehende Trennung wissenschaftlich produktiv oder auch nur begründet ist. Vielmehr wird immer wieder vermutet, dass beide Bereiche von einer engeren Verbindung profitieren könnten. Bisherige Vorschläge einer institutionellen Verknüpfung (vgl. Wissenschaftsrat 2014) müssen jedoch von einer forschungslogisch begründeten inhaltlichen Agenda begleitet werden. Dies ist der Punkt, an dem der geplante interdisziplinäre Workshop ansetzt. Auf der zweitägigen Veranstaltung sollen die Möglichkeiten sondiert werden, eine engere Verschränkung der beiden Forschungsbereiche von der inhaltlichen, forschungslogischen Seite her zu denken. Die Veranstaltung ist daher nicht als eine Konkurrenz zu bisherigen wissenschaftspolitischen und institutionellen Bemühungen zu verstehen, sondern als komplementäres Programm, das die Frage nach der Institutionalisierung und Organisation des Feldes ausklammert zugunsten einer Exploration von konkreten Forschungsfragen und Forschungsproblemen, an denen exemplarisch das Potenzial interdisziplinärer Perspektiven diskutiert werden können.

Die eingeladenen Referentinnen und Referenten decken das Spektrum von Wissenschafts- und Hochschulforschung ab und nehmen Mittlerpositionen zwischen beiden Bereichen ein. Zur Diskussion gestellt werden erstens Themen und Probleme, an denen sich die enge Verschränkung von Wissenschafts- und Hochschulforschung zeigt. Zweitens gehen die Vortragenden der Frage nach, wie am jeweiligen Beispiel die Verknüpfung von Wissenschafts- und Hochschulforschung aussehen kann. Gibt es beispielsweise ein integratives Potenzial bestimmter Methoden (z.B. Bibliometrie; Dokumentenanalyse), Theorien (z.B. die Luhmannsche Differenzierungstheorie oder die Bourdieusche Feldtheorie), Begriffe (z.B. semantische Superkategorien wie „Innovation“, „Kreativität“ oder „Exzellenz“) oder Themen (z.B. Evaluation; wissenschaftliche Karrieren)?

Neben den Referentinnen und Referenten wird der Workshop für eine beschränkte Zahl weiterer Gäste und Diskussionspartner geöffnet. Anmeldung bitte bis 25. April 2017 bei David Kaldewey (kaldewey(at)uni-bonn(dot)de) und Julian Hamann (hamann(at)uni-bonn(dot)de).

Zum vollständigen Ankündigungstext und Programm (PDF)