Zeit für Relationen – Relationen der Zeit

Workshop an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Veranstalter: Institut für Geschichtswissenschaften, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit: Univ.-Prof. Dr. Achim Landwehr/Dr. Tobias Winnerling

Ort: Schloss Mickeln Düsseldorf

Deadline zur Anmeldung: 03. Oktober 2016 unter winnerling(at)phil.hhu(dot)de

Auf die Bedeutung von Bezugnahmen unterschiedlichster und allgemeiner Art hinzuweisen, scheint zunächst einmal reichlich trivial. Bedarf es wirklich noch eines Hinweises darauf, dass in der Konstitution von Wirklichkeiten, Wissensformen, Strukturen, Systemen, Gesellschaften und im Prinzip sämtlicher anderer Phänomene, mit denen sich Menschen beschäftigen können, Relationen unverzichtbar sind? Gibt es Allgemeineres, Selbstverständlicheres und Generelleres als Relationen zwischen Menschen, Dingen, Ideen, Zeiten?

Vielleicht ist es gerade diese Ubiquität, die dazu geführt hat, dass Relationen so selten explizit thematisiert und problematisiert werden. Man kann zur Bestätigung dieser Vermutung einen verhältnismäßig leichten Test machen und sich auf die Suche nach vorhandener Literatur zum Thema Identität machen – und dieselbe Suche zum Thema Relationalität durchführen.

In der jüngeren Vergangenheit haben Relationen sicherlich eine erhöhte Aufmerksamkeit erfahren, zum Beispiel in den theoretischen Angeboten von Niklas Luhmann oder Bruno Latour. Trotzdem scheint immer noch der Satz Gültigkeit für sich beanspruchen zu können, den Michel Serres im Jahr 1993 formulierte, dass uns eine Philosophie der Relationen fehlen würde.

Auch wenn die dahinterstehenden Fragen schon vielfach gestellt wurden, sind sie weder alt noch abgetan. Mit Relationen befassen sich unter verschiedenen anderen Arbeitsbegriffen alle kulturwissenschaftlichen Disziplinen. Es geht hierbei also um viel mehr als um eine philosophiehistorische oder ideengeschichtliche Betrachtung des Themas „Relationen“. Vielmehr ist die Frage, wie sich allgemein Realität(en) als relationale und prozessuale konstituier(t)en. Und da Prozesse sich nur in der und durch die Zeit abspielen können und verfolgen lassen, soll uns speziell interessieren, wie sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft relationieren (lassen) und wie daraus prozessual Geschichte/n emergier(t)en.

Diese klammeräffisch schwankende Beschreibung der zu bezeichnenden Fragestellung ist durchaus kein Zufall, sondern Methode. Obwohl über Beziehungen, Bezüge, Relationen, Vernetzungen, Kanten, Prozesse und Praktiken bereits viel gedacht und geschrieben wurde, fehlt es doch immer noch an einer integrierenden, übergreifenden Behandlung des Themas. Die Kulturwissenschaften wissen also zwar für einige Typen von Beziehungen, wie sie damit umgehen können, aber wie sich diese verschiedenen Typen und Ansätze wiederum produktiv untereinander in Beziehung setzen lassen könnten, ist noch kaum diskutiert.

Dieser Herausforderung will sich der geplante Workshop stellen. Wir hoffen auf kreative, provokative und am Ende produktive Diskussionen, die Beziehungen und Bedingtheiten aller Arten thematisieren.

Programm:

Donnerstag, 06. 10. 2016

13:45 – 14:00: Begrüßung, Einführung

14:00 – 14:45: Roger Häußling (Aachen): Zum Prozess des Relationierens

14:45 – 15:30: Thomas Schlereth (Potsdam): Nicht nur ‚und‘, sondern auch ‚und‘ — im Denken einer Konjunktion folgen

15:30 – 15:45: Pause

15:45 – 16:30: Peter Bexte (Köln): "Freiheit zum Und!" - Problematisierungen einer Basisrelation um 1920

16:30 – 17:15: Sarah Laufs (Düsseldorf): Zeiten der Gewalt. Pluritemporale Erfahrungen, Praktiken und Diskurse im Ersten Weltkrieg am Beispiel ehelicher Kriegskorrespondenzen

17:15 – 17:30: Pause

7:30 - 18:15: Marian Füssel (Göttingen): Die Welt als Spielfeld: Das relationale Denken als Schlüssel zur Analyse von Machtverhältnissen

Freitag, 07. 10. 2016

09:30 – 10:15: Nadja Nafe (Düsseldorf): durch alle Sinne vergegenwärtigt. Relation und Zeitlichkeit in John Bocks Pappenheimer (2013)

10:15 – 10:30: Pause

10:30 - 11:15: Anna Michaelis (Düsseldorf): Von der Übermacht des Unverfügbaren - Konstruktionen und Relationierungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der jüdischen Demographie und Soziologie um die Jahrhundertwende

11:15 – 12:00 Clément Dréano, Markus Rudolfi (Frankfurt): Blurring Times, Critical Times? The Temporal Interferences in Ethnography

12:00 – 14:00: Mittagspause

14:00 – 14:45: Nils Riecken (Berlin): (Auto)biographie als Zeit-Praxis: Subjektivität, Kritik und Macht

14:45 – 15:30: Amrei Buchholz (Hamburg): Erkennen im Prozess. Gelenkte Blicke in Alexander von Humboldts Atlas du Nouveau Continent

15:30 – 15:45: Pause

16:00 – 16:45: Sarah Schlachetzki (New York/Bern): 'Moderne' und ihre Relata. Zum Problem einer Kategorie

16:30-17:15: Helge Wendt (Berlin): Vermischung oder das Problem einer Globalgeschichte Europas

Samstag, 08. 10. 2016

09:30 – 10:15: Anna-Maria Bartsch (Providence/München): „Denken in Relationen“ — Anmerkungen zu einer vergessenen Strömung der Philosophie

10:15 – 11:00 David Jöckel (Jena): System und Feld. Relationalität bei Luhmann und Bourdieu

11:00 – 11:15: Pause

11:15 - 12:00: Abschlussdiskussion

Kontakt:

Tobias Winnerling

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Institut für Geschichtswissenschaften

Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit

Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf

Tel: 0211-81-14520

Fax: 0211-81-14849

Mail: winnerling(at)phil.hhu(dot)de

Weitere Informationen finden Sie auf der Tagungsseite unseres Lehrstuhls.