Zwischen Abstiegsangst und Zufriedenheitshoch – Was wissen wir über die Gefühlslage der Menschen?

Jahrestagung

Im Feuilleton und populären Zeitdiagnosen ist es derzeit en vogue, von einer „Gesellschaft der Angst“ zu sprechen. Angesichts der wirtschaftlichen Globalisierung und des technologischen Wandels erscheinen viele Arbeitsplätze unsicherer. Die Mittelschicht, so einige Diagnosen, fürchtet sich vor dem sozialen Abstieg, und die Rente erscheint vielen nicht mehr garantiert. Terroranschläge beeinträchtigen unser Sicherheitsgefühl, und die Migration speist Sorgen um den sozialen Zusammenhalt ebenso wie Hochwasser und Stürme die Angst vor dem Klimawandel.

In dieser Gemengelage trauten die Menschen auch den Politikern nicht mehr zu, den Herausforderungen Herr zu werden. So plausibel sie klingen, empirisch stehen diese Diagnosen oft auf „dünnem Eis“. Derzeit wissen wir keineswegs systematisch, welche Ängste und Sorgen für welche Bevölkerungsgruppen mit welchen Konsequenzen angestiegen sind. Zudem steht die Diagnose zunehmender Ängste in einem eigentümlichen Spannungsverhältnis sowohl zur positiven Entwicklung der deutschen Gesellschaft in zumindest einigen Bereichen (man denke nur an die hohe Beschäftigung oder die in vielen Sparten gesunkene Kriminalität) als auch dem derzeitigen Allzeithoch der Lebenszufriedenheit.

Mit dieser Jahrestagung möchte die DGS-Sektion „Soziale Indikatoren“ die Diagnosen einer angstbestimmten Gesellschaft einer kritischen, empirisch informierten Prüfung unterziehen. Dafür sind aktuelle Forschungsergebnisse zur Gefühlslage der Menschen wie zur objektiven Entwicklungen von Sicherheit und Unsicherheit gewünscht. Zu diskutierende Fragen sind u.a.:

  • Wie lassen sich Ängste und Sorgen konzeptionell fassen, und an welche soziologischen Theorien schließen diese an? Wie lassen sich Ängste und Sorgen empirisch erfassen?
  • Worüber machen sich die Menschen in Deutschland (und anderswo) Sorgen, wovor haben sie Angst? Haben sich diese über die Zeit verändert? Welche soziale Strukturierung ist erkennbar?
  • Sind Gegenwartsgesellschaften sicherer oder unsicherer geworden? Welcher – womöglich auch paradoxe – Zusammenhang besteht zu den Ängsten und Sorgen der Menschen?
  • Wie beeinflusst die Gefühlslage der Menschen ihr individuelles Verhalten (z.B. Parteipräferenzen, Konsumverhalten, Familienplanung), und wie greifen z. B. Interessenorganisationen und Parteien die Ängste und Sorgen der Bürger auf?

Verantwortlich für Tagungsbeiträge und Organisation sind:

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