Bis zu 7 Promotionsstipendien in den Bereichen Rechtssoziologie, Demokratie und Staatlichkeit sowie Makrogewalt

Stellenausschreibung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS). Deadline: 1. Oktober 2019

Das Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) schreibt bis zu sieben Stipendien für Promotionsprojekte aus, die einer von drei HIS-Forschungsgruppen zugeordnet werden können: der Forschungsgruppe Rechtssoziologie (in Kooperation mit dem Lehrstuhl Rechtssoziologie an der Universität Bern) (drei Stipendien), der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit (zwei Stipendien), oder der Forschungsgruppe Makrogewalt (zwei Stipendien). Erwünscht sind Bewerbungen mit Forschungsvorhaben zu Regierungspraktiken, Rechtsbewusstsein und Widerstand an den Rändern des Staates, die sich in der Soziologie, der Geschichtswissenschaft, der Politikwissenschaft, der Rechtswissenschaft oder der Ethnologie verorten, dafür aber zugleich einen interdisziplinären Diskussionskontext suchen.

Das HIS ist eine private Forschungseinrichtung, in der Sozialwissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen gesellschaftspolitisch und historisch relevanten Fragestellungen nachgehen. Mit der Ausschreibung der Promotionsstipendien sollen die bestehenden Debatten am HIS empirisch ausgeweitet und theoretisch geschärft werden. Inhaltlich werden Projekte bevorzugt, die sich kritisch mit  Konzepten, Praktiken und Geschichte von Staat und Staatsgewalt, der Aushandlung von Rechtsstaat und Herrschaft sowie Protestbewegungen und Gewaltphänomenen auseinandersetzen. Dies schließt ausdrücklich sowohl Studien im Globalen Süden als auch im transatlantischen „Westen“ ein. Theoretisch orientiert sich die aktuelle Forschung am HIS unter anderem an handlungsbezogenen Herrschaftstheorien, dem „practical turn“ in Politikwissenschaft und Soziologie, der jüngeren soziologischen Gewaltforschung, rechtsethnographischen Studien des „law in action“ oder Debatten der politischen Anthropologie.  Das Institut bietet eine konstruktive Forschungs- und Gesprächsatmosphäre mit regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen und Förderungsmöglichkeiten für Veröffentlichungen.

Erfolgreiche Bewerber*innen zeichnen sich durch innovative Herangehensweisen aus, konzentrieren sich auf von der Forschung bisher unbeachtete Themen und/oder widmen sich bekannter Empirie mit neuen theoretischen Ansätzen. Bewerber*innen sind eingeladen, sich mit ihren Projekten in einer oder in mehreren der Forschungsgruppen zu verorten.

Forschungsgruppe Rechtssoziologie: „Praktiken, Aushandlungen und Fantasien des Rechts“ (3 Promotionsstipendien)

Die neu zu gründende und von Prof. Dr. Tobias Eule, Professor für Rechtssoziologie an der Universität Bern, geleitete Forschungsgruppe soll einen Raum bieten, in dem Praktiken und Ideen von Recht kritisch analysiert werden, um komplexe soziale Phänomene zu beleuchten. Recht soll damit nicht um seiner selbst willen untersucht werden, sondern als „Linse“ fungieren, um soziologische, also gesellschaftsanalytische und zeitdiagnostische Fragen zu beleuchten. Forschungsprojekte, die mittels empirischer Forschung makrostrukturelle und sozialtheoretische Themen aufgreifen, werden bevorzugt gefördert. Ein Vorteil der „Linse“ Recht auf soziale Phänomene ist dabei die anschauliche Darstellung von Komplexität, mit der simplifizierte Annahmen hinterfragt werden können. Rechtssoziologische Forschung kann zentrale Akteure, Mechanismen und Ideen aufdecken, die sonst unterbeleuchtet wären – wie etwa in Forschungen zu Aushandlungsprozessen politischer Reformen durch Verwaltungsakteure, zur Regulierung von Finanzmärkten oder zur Rolle von Informalität in der Kontrolle von Migration bereits geschehen.

Inhaltlich sind Projekte u.a. zu vermeintlich „rechtsfreien“ und „deregulierten“ Räumen im globalen Kapitalismus, zur „Aushebelung“ des Staats in dauerhaften Ausnahmezuständen, zu asymmetrischen Aushandlungen von Herrschaft und Widerstand von Menschen in prekären Lebenssituationen, zur Digitalisierung von Rechtspraktiken und Rechtsfeldern oder auch sozial- oder ideengeschichtliche Studien von Recht denkbar.

Die Stipendiat*innen werden im Regelfall von Prof. Dr. Tobias Eule (ko-)betreut. In Bern stehen dabei Einschreibungsmöglichkeiten sowohl in den Sozialwissenschaften als auch den Rechtswissenschaften zur Verfügung.

Weitergehende Informationen zur Forschungsgruppe Rechtssoziologie finden sich hier.

Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit: „Praktiken und Ideen von Staatlichkeit“ (2 Promotionsstipendien)

Die Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit untersucht die Geschichte von Herrschaftstechniken, Legitimationsmustern und Protestformen, in denen Staatlichkeit in Anspruch genommen oder adressiert wird. Statt dabei die Funktionen und Leistungen staatlicher Institutionen in den Mittelpunkt zu stellen, stehen für uns die Akteure, ihre Konflikte und Handlungsstrategien im Vordergrund. Von zentraler Bedeutung für die leitende Forschungsperspektive sind Ideen und Praktiken, in denen Staatlichkeit konstituiert, produziert oder in Frage gestellt wird. Die bereits laufenden Einzelprojekte konzentrieren sich auf die südlichen Ränder Europas und den Globalen Süden im 20. und 21. Jahrhundert, und wollen durch den Zugriff von der sogenannten Peripherie aus überkommene Vorstellungen des modernen konsolidierten, demokratischen Staates neu thematisieren. Im Fokus stehen u.a. rechtshistorische Fragen im Übergang von autoritären Regimen in die Demokratie, politökonomische Fragen in der Entwicklung von Planungsstaatlichkeit, die Entstehung moderner Fiskalregime sowie politischer Protest im Kontext der Europäisierung und Globalisierung von Staatlichkeit. Erwünscht sind vor allem Projekte, die an das Gruppenprofil anschließen oder die leitende Perspektive geographisch, thematisch und theoretisch ergänzen oder erweitern. Arbeiten aus historischer, ethnologischer und/oder soziologischer Perspektive, die sich vergleichend oder transfergeschichtlich auf den südeuropäischen Raum oder Verbindungen zum Globalen Süden beziehen, werden bevorzugt.

Weitergehende Informationen zur Forschungsgruppe finden sich hier.

Forschungsgruppe Makrogewalt: „Gewalt in ihrem gesellschaftlichen Kontext“ / „Protest und Gewalt“ (2 Promotionsstipendien)

In der Forschungsgruppe Makrogewalt befassen sich Sozialwissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen mit politisch und gesellschaftlich besonders relevanten Gewaltphänomenen. Dazu zählen sexuelle Gewalt, Gewalt im Kontext von Protestereignissen und Staatsgewalt ebenso wie Bürgerkriege. Die Gruppe verbindet ein gemeinsames Interesse an methodologischen und konzeptuellen Fragen, insbesondere Fragen der Ordnungsformen von Gewalt, ihrer situativen Dynamik und Prozessualität sowie den Möglichkeiten und Grenzen ihrer Erklärbarkeit.

Besonders erwünscht sind Projekte, die mit Blick auf Gewaltphänomene gesellschaftliche Transformationen, Phänomene der Macht oder kulturelle Deutungsmuster analysieren. Eines der vorgesehenen Stipendien soll sich dabei möglichst dem Zusammenhang von Gewalt, politischer Ordnung und Protest zuwenden. Es ist Teil eines Kooperationsprojektes zu Protest und Gewalt, das die Forschungsgruppe Makrogewalt in Zusammenarbeit mit der Scuola Normale Superiore (SNS) in Florenz durchführt. Das zweite der ausgeschriebenen Stipendien ist thematisch offener gehalten; die Forschungsgruppe ist sehr interessiert an innovativen und problemorientierten Vorschlägen, die sich kritisch mit relevanten Forschungsständen auseinandersetzen.

Weitergehende Informationen zur Forschungsgruppe Makrogewalt finden sich hier.

Stipendiat*innen der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit und der Forschungsgruppe Makrogewalt können an den verschiedenen Partnerinstitutionen des HIS bei ihrer Promotion betreut werden. Die bereits promovierten / habilitierten Kolleg*innen helfen gerne dabei, hier die passende Lösung zu finden. Darüber hinaus ist es möglich, ECTS durch Kooperationsveranstaltungen und interne Kolloquien, etwa an der SNS in Florenz, der Universität Bern oder an der Leuphana Universität Lüneburg, zu erwerben.

Die Stipendien haben eine Höhe von monatlich 1.400 Euro. Dabei handelt es sich um einen Grundbetrag. Hinzu kommt ggf. ein Kinderzuschlag, weitere Zuschläge sind möglich. Ausführliche Informationen dazu finden sich hier. Die Stipendien werden über 2 Jahre vergeben. Es besteht eine Option auf Verlängerung um bis zu 2 Jahre.

Stipendienfinanzierte Forschungsprojekte verfügen am HIS außerdem über ein den Bedürfnissen des jeweiligen Projekts angemessenes Budget für Reisen, Bücher und andere Forschungsmittel. Ein Arbeitsplatz wird bereitgestellt, eine verbindliche und regelmäßige Präsenz am HIS wird für die Dauer der Stipendienlaufzeit erwartet. Das HIS bietet dafür eine konstruktive und unterstützende Arbeitsatmosphäre, eine verbindliche Betreuung des Promotionsprojekts (falls gewünscht) und eine Begleitung beim Schreiben und Publizieren wissenschaftlicher Texte. Das Archiv des HIS, das zu verschiedenen Themen der Zeitgeschichte sammelt und dabei insbesondere zu Protestbewegungen, eröffnet Zugänge zu diversen Forschungsmaterialien.

Bewerbungsvoraussetzung ist ein überdurchschnittlich abgeschlossenes Masterstudium der Soziologie, Anthropologie, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft  oder eines verwandten Faches.

Folgende Bewerbungsunterlagen – wahlweise in Deutsch oder Englisch - sind, gebündelt in einem PDF-Dokument per Mail unter bewerbung(at)his-online(dot)de einzureichen:

  • Anschreiben, 
  • Lebenslauf, 
  • eine wissenschaftliche Arbeitsprobe (Abschlussarbeit, Hausarbeit),
  • Zeugnisse mit Einzelnotenübersicht und 
  • eine Erläuterung des Promotionsvorhabens (3 bis 4 Seiten).

Bewerbungsschluss ist der 01.10.2019. Die Förderung beginnt frühestens am 01.12.2019.

Inhaltliche Rückfragen können gerne an die bewerbung(at)his-online(dot)de gerichtet werden. 

Zur Stellenausschreibung (PDF)

For this call's English version please click here (PDF).