The Sociology of Migration: Current Developments and Future Trends

Internationale Konferenz der DGS-Sektion „Migration und ethnische Minderheiten“ und des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), Humboldt-Universität zu Berlin, 23.–24. Juni 2016

„Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde“. Dieses Zitat von Wolfgang Schäuble im Vortrag von SANDRO MEZZADRA (Bologna) sorgte für kurzzeitige Verblüffung im altehrwürdigen Senatssaal der Berliner Humboldt-Universität. Der in der Tradition des italienischen Marxismus stehende Migrationsforscher zeichnete anhand des omnipräsenten Begriffs der „Grenze“ viele aktuelle Entwicklungen und Trends in seinem Feld nach. Im Verlauf der zweitägigen Konferenz wurde immer wieder deutlich, wie eng die Themen der Migrationsforschung mit aktuellen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen verbunden sind.

Politisch betrachtet sind inzwischen viele Hoffnungen enttäuscht worden, die der “Sommer der Migration” 2015 geweckt hatte. In vielen europäischen Ländern haben sich Migrationskontrollen und Asylrechtsverschärfungen oftmals aus offen rechtspopulistischen Motiven, bisweilen aber auch unter dem Deckmantel der Humanität oder im Zuge der Europäisierung durchgesetzt. Positive Dynamiken in den Zivilgesellschaften und die Expertise der Migrationsforschung werden dahingegen sehr oft übersehen. Umso notwendiger ist folglich eine gut aufgestellte Migrationsforschung.

JANINA SÖHN (Göttingen) eröffnete die Konferenz mit einer kurzen Retrospektive auf die Entwicklung dieser Subdisziplin der Soziologie, die seit den 1980er-Jahren beständig an Bedeutung gewonnen hat, um sich in den 2000er-Jahren als Mainstream in der Forschungslandschaft zu etablieren. WOLFGANG KASCHUBA (Berlin) räumte als Direktor des noch jungen Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) in punkto Nachhaltigkeit allerdings ein, dass die Migrationsforschung insbesondere seit den großen Zuwanderungsbewegungen des vergangenen Sommers zwar deutlicher wahrgenommen, nach wie vor aber nicht ausreichend öffentlich gefördert werde.

Schon das erste Panel vermittelte einen Eindruck von der methodischen Vielfalt der auf der Konferenz vorgestellten Projekte. NINA CLARA TIESLER (Hannover) entwickelte anhand ihrer qualitativen Langzeitstudie zur gesellschaftlichen Positionierung der RückkehrerInnen aus den ehemaligen Kolonien in Portugal einerseits und zu portugiesischen EmigrantInnen andererseits das Konzept der Ethnoheterogenesis, mit dem sie einen heterogenen Vergesellschaftungsprozess beschreibt. So sei bei portugiesischen EmigrantInnen mit starker regionaler Identifikation zu beobachten, dass diese sich in der Diaspora als Teil einer homogenen Gruppe der Portugiesen begreifen. Besagte Homogenisierung werde bei ihrer Wiederkehr nach Portugal wiederum mit einer Heterogenisierung konfrontiert, da die HeimkehrerInnen sich nun auch mit ihrem ehemaligen Aufenthaltsort identifizieren und folglich z.B. als portugiesisch-deutsch oder portugiesisch-niederländisch definieren. Die Ethnoheterogenesis ist für Tiesler verknüpft mit Prozessen des community buildings, der Selbstwahrnehmung und des sozialen Wandels. CÉLINE TENEY (Bremen) verdeutlichte in ihrem Vortrag anhand eines IAB-SOEP-Samples, wie transnationale Praktiken Gefühle der Zugehörigkeit zu Europa beeinflussen. Zwar empfänden auch Nicht-EU-ImmigrantInnen Zugehörigkeit, dennoch sei emotionale Assimilation sehr wohl von legaler Inklusion, insbesondere von struktureller Assimilation abhängig. CHRISTIAN ULBRICHT (Bielefeld) diskutierte mit dem Publikum seine diskursanalytisch erarbeitete These, der zufolge die soziale Konstruktion des „legitimate migrant“ im deutschen Diskurs nicht mehr von kulturellen Differenzmarkierungen, sondern zunehmend von Klassenunterschieden bestimmt sei. In Bezug auf das vom Gastarbeiterregime geprägte Deutschland gelte Migration gerne dann als legitime Mobilität, wenn MigrantInnen aus Karrieregründen, nicht aber wegen Verbindungen zu bereits ansässigen ethnischen Gruppenmitgliedern immigrieren möchten. Auf diesem Weg gehe der Menschenrechtsdiskurs mit einer wirkmächtigeren ökonomischen Definition von legitimer Migration eine merkwürdige Verbindung ein.

Die zweite Panelsession wurde eröffnet von DARJA KLINGENBERG (Frankfurt am Main), die auf die Abwesenheit eines German Dream im Gegensatz zur populären Figur des American Dream hinwies. Aus deutscher Sicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ und aus russischer Sicht als „sausage migration“ (de-)klassifiziert, seien postsowjetische MigrantInnen an beiden Orten symbolischer und struktureller Diskriminierung ausgesetzt. Ließen sie sich nicht ethnisch als „Spätaussiedler“ oder „Russlanddeutscher“ kategorisieren, werde ihnen vorgeworfen, materialistisch zu denken. Der Wunsch nach besseren Lebensbedingungen werde nicht als legitimer Zuwanderungsgrund anerkannt, da er dem ethnischen Stereotyp des „Spätaussiedlers“, der nur aufgrund seiner deutschen Wurzeln zurückkehrt, widerspreche. Solche Vorstellungen seien durch Migrationspolitiken und das deutsche Staatsbürgerschaftsverständnis, das auf dem Abstammungsprinzip basiert, mit reproduziert worden.

Ein weiteres Schlaglicht auf Deutschlands postmigrantische Gesellschaft warf YASEMIN SOYTEMEL (Konstanz), die auf der Grundlage von Fokusgruppeninterviews eine Studie zur Bedeutung und Vereinbarkeit von Religion, Tradition und Karriere für junge türkisch-deutsche Frauen in Berlin durchgeführt hat. In der Diskussion um erfolgreiche Vorbilder waren sich die Interviewteilnehmerinnen uneinig darüber, ob das Kopftuch ein Karrierehemmnis oder selbstbewusster Ausdruck von Zugehörigkeit sei. Einige interpretieren es weniger als religiöses Symbol denn als Ausdruck eines anständigen Lebenswandels. Durch das Tragen könnten sie daher eine kollektive Identität konstruieren, ohne andere ethnische Gruppen auszuschließen. Zudem neigten jungen Frauen Soytemel zufolge dazu, das Kopftuch strategisch einzusetzen: Wer es trage, drücke Respekt vor Tradition und Zugehörigkeit aus und könne somit, von älteren Verwandten unbehelligt, leichter eigene Wege verfolgen.

Das Arbeitsmarktpanel präsentierte vor allem quantitative Studien. HANS SIEBERS (Tilburg) verdeutlichte anhand seiner Arbeit zur Benachteiligung von MigrantInnen auf dem holländischen Arbeitsmarkt zudem einige methodische Fallstricke der Migrationsforschung. U.a. verwies er auf die häufig mangelnde Übertragbarkeit von Ergebnissen zwischen einerseits Makro- und andererseits Meso- oder Mikrostudien. Er stellte heraus, dass der gegenwärtige holländische Nationalismus die Spannungen zwischen MigrantInnen und Nicht-MigrantInnen steigere, was er weniger auf kulturelle als auf ethnische Grenzziehungen zurückführte. Letzteres sei indes ein ernstzunehmendes gesamteuropäisches Problem. Siebers anschließendes Plädoyer gegen die beständige Denkkategorie des methodologischen Nationalismus1, mit dem sich die Migrationsforschung immer wieder neu auseinandersetzen müsse, konnte man auch als Kommentar zur gesamten Konferenz verstehen: Vorwiegend waren die Beiträge auf Deutschland bezogen (oder begrenzt), und obwohl auf Englisch kommuniziert wurde, konnte die „internationale“ Konferenz ihrem Namen wohl nicht ganz gerecht werden.

SABINE EBENSPERGER (Erlangen-Nürnberg) untersuchte die Anerkennung ausländischer Abschlüsse auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Dafür ließ sie 146 ManagerInnen fiktive ausländische JobkandidatInnen evaluieren. Es zeichnet sich ab, dass das deutsche „Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen“ die Chancen für eine adäquate Positionierung auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Dass Migrantinnen, insbesondere jene mit Kindern, aufgrund intersektionaler Diskriminierung noch stärker benachteiligt werden als einheimische Frauen, verdeutlichte CRISTINA SAMPER (Berlin) anhand einer Verweildaueranalyse, mit der sie ermittelt hatte, wie lange MigrantInnen nach der Zuwanderung nach Arbeit suchen. Einen mit qualitativer Forschung belegten Schlusspunkt setzte ADRIEN THOMAS (Luxemburg), der beschrieb, bis zu welchem Grad sich migrantische Arbeitskräfte in Gewerkschaften integrieren lassen. Das Bemühen der luxemburgischen Gewerkschaften, an die spezifischen Bedürfnisse migrantischer Arbeitskräfte angepasste Strukturen zu schaffen, schränke soziale Interaktion und Integration paradoxerweise ein, weshalb diese Strukturen tendenziell den demokratischen Einbezug der MigrantInnen verhinderten.

In seinem anschließenden Vortrag zu Borders and Migration thematisierte Sandro Mezzadra die aktuelle europäische Flüchtlingsdebatte. Die Grenze, die Mezzadra in Anlehnung an Karl Marx und Michel Foucault als Manifestation von Machtverhältnissen versteht, werde als Forschungsschwerpunkt zunehmend interessant. Dem Begriff wohne ein Bedürfnis nach Ab- und Eingrenzung inne, das von autonomen und schwer vorhersehbaren Migrationsbewegungen herausgefordert werde. Zwar sei Migration, vor allem auch Arbeitsmigration, in der Vergangenheit oft willkommen und verhältnismäßig unreguliert gewesen, doch heutzutage präge ein Grenzübertritt (oder dessen Versuch) die Biografie der Akteure maßgeblich. In Deutschland etwa verbuche man Zugewanderte unter dem administrativen Begriff “Migrationshintergrund”, verwalte sie zum Teil gemäß dem Asylbewerberleistungsgesetz und weise ihnen je nach Herkunftsländern einen bestimmten Status zu. Mezzadra sieht den gesamten gesellschaftlichen Raum und nicht etwa nur das territorialstaatliche Grenzgebiet von Grenzen durchkreuzt, räumt aber auch eine produktive Seite des border regime ein.2 Einerseits seien wirtschaftliche Interessen mit der sogenannten “Migrationsindustrie” verbunden, andererseits werde der Prozess der Europäisierung durch die ständige Transformation und periodische Krisenhaftigkeit des Grenzregimes begleitet. Seit Beginn der “Flüchtlingskrise” habe sich nun eine besondere Spannung zwischen den Renationalisierungstendenzen einiger Mitgliedsstaaten und der Ultra-Europäisierung der Migrationskontrollen andererseits entwickelt. Mezzadra plädierte dafür, dem Wunsch, Migration einfach zu stoppen, aus der Forschung, der Zivilgesellschaft und der Politik neue Formen des sozialen Austauschs und der Solidarität entgegenzusetzen.

In der darauf folgenden Podiumsdiskussion evaluierten HORTENSIA VÖLCKERS (Kulturstiftung des Bundes), MAXIMILIAN POPP (DER SPIEGEL) und SIMONE PETER (Bündnis 90 / Die Grünen) die Chancen und Herausforderungen von Migration. Völckers begrüßte migrantisches Wissen als Bereicherung im öffentlichen Raum und forderte mehr interkulturellen Austausch im Kultursektor. Popp, der persönliche Erfahrungen im europäischen Grenzgebiet gemacht hatte, sah im “EU-Türkei-Deal” eine Verlagerung des “Flüchtlingsproblems” aus dem Sichtfeld der EU. Auch die Situation geflüchteter Menschen in der Türkei habe sich durch das Abkommen verschlechtert; Repression und Zurückdrängung seien an der Tagesordnung. Peter kritisierte zusätzlich das neue Asylgesetz, das sie als Antwort der Regierung auf die Forderungen der AfD verstand.

Im vierten Panel wurden Forschungsarbeiten im Bereich Bildung und Migration vorgestellt, die sich mit Dynamiken sozialer Ungleichheit beschäftigen. SUSAN LEE (Köln) hat etwa den Einfluss muslimischer peer groups auf den Bildungserfolg in der Schule untersucht. In den peer groups erführen die SchülerInnen gegenseitige Unterstützung, was das Gefühl der Entfremdung innerhalb der Schule reduziert und sich positiv auf den Bildungserfolg ausgewirkt habe.

JASPER DAF TJADEN (Bamberg) präsentierte Zwischenergebnisse seiner Doktorarbeit, für die er erforscht, welche individuellen Präferenzen SchülerInnen im Alter von 15–16 Jahren mit Migrationshintergrund in der Schweiz und in Deutschland für ihren weiteren Bildungsweg nach Ende der Schulpflicht äußern. In der Regel sind SchülerInnen mit Migrationshintergrund in ihren Bildungsbestrebungen stark von den Eltern sowie deren Aspirationen beeinflusst und eher ehrgeizig. So ist es in Deutschland wie auch in der Schweiz wahrscheinlicher, dass sie zum Ende der Schulpflicht einen höheren Schulabschluss anstreben, als dass sie eine Berufsausbildung absolvieren.

Das letzte Panel beschäftigte sich mit den Chancen von Migration. ULRIKE PRÄGER (Urbana-Champaign) hat etwa die Integrationskraft des Musizierens untersucht. Ihre Interviewpartner, die aus Syrien, Nigeria und dem ehemaligen Sudetenland stammen, blicken auf sehr unterschiedliche Migrationserfahrungen zurück. Alle drei Gruppen jedoch verdanken der Musik ein neues Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland. Prägers Fokus liegt auf dem Adaptionsprozess, in dem neue musikalische Einflüsse angenommen und mit der eigenen Musik verbunden werden, sodass musikalische Neuschaffungen entstehen. Sie interessiert sich aber auch dafür, wie Medien ein bestimmtes, oft stereotypes Bild von ImmigrantInnen und ihrem musikalischen Engagement in Deutschland zeichnen.

EMINE BÜŞRA ÜNLÜÖNEN (Istanbul) berichtete von ihrer Studie zur gesellschaftlichen Positionierung von Geflüchteten, die häufig am Rande ihrer neuen Gesellschaft als klassenlos wahrgenommen würden. Sie zeigt am Beispiel von syrischen Geflüchteten aus der Mittelschicht in Istanbul, wie diese mithilfe ihres sozialen, kulturellen und ökonomischen Kapital versuchen, ihren ursprünglichen Status im Aufnahmeland wieder zu erreichen. Flüchtlinge zu sein, empfänden sie als entmündigend und ausgrenzend. Ziel ihrer InterviewpartnerInnen sei es, möglichst schnell wieder als Teil der Gesellschaft angesehen zu werden.

KATHERINE BRAUN (Hamburg) untersucht in ihrer Forschung die Ökonomisierung von Menschenrechten anhand von biopolitischen wie geopolitischen Kategorisierungen und Hierarchien. Eine Neubewertung von Migration und Willkommenskultur im Zusammenhang mit ökonomischen Interessen wies sie am Beispiel der bolivianischen sans papiers in Genf nach. Während eine Willkommenskultur sich an bestimmte Gruppen von irregulär Einwandernden richte, würden andere Gruppen kriminalisiert. Als Illegalisierte stünden Letztere daher Ausbeutung in Beschäftigungsverhältnissen wehrlos gegenüber. Je nach Herkunft und Geschlecht unterstelle man Einwandernden unterschiedliche Attribute und Identitäten, die die Teilhabe an Gesundheits- und Bildungssystem sowie den Grad der wirtschaftlichen Ausbeutung beeinflussen. Derartige Abgrenzungen hätten die Einwanderungsgruppen geprägt und deren Identitätskonstruktionen und Selbstzuschreibungen bezüglich ihrer Rolle in der Gesellschaft beeinflusst. Durch die Übernahme der Fremdzuschreibungen hätten sich Hierarchien unter den Einwanderergruppen gebildet.

ULRIKE HAMANN (Berlin) erforscht in ihrer qualitativen Studie, welche Motive und Herausforderungen mit der Freiwilligenarbeit für MigrantInnen verbunden sind. Zwar gelte Integration im gesellschaftlichen Diskurs nicht mehr als ein-direktional, sondern als Prozess der gegenseitigen Anerkennung von Unterschieden, doch kritisieren viele Freiwillige, dass die Integration oft von Misstrauen und Sanktion auf Seiten der Verwaltung behindert werde. Viele Freiwillige hatten Hamann zufolge nach Presseberichten über die prekäre Situation Geflüchteter ein großes Bedürfnis, direkt zu helfen und außerdem rechtsextremen Aktivitäten mit ihrem Engagement ein positives Signal entgegenzusetzen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion sprach ANETTE TREIBEL (Karlsruhe) über erste Ansätze der Migrationsforschung in der GastarbeiterInnen- und „Ausländerforschung“ in den 1960er-Jahren. Zunächst sei man in den 1980er-Jahren übereingekommen, von „Niederlassung“ statt Einwanderung zu sprechen. Aus den Internationalisierungstendenzen der 1990er-Jahre entwickelt sich dann die heutige Debatte. Migration habe sich als neues zentrales Paradigma etabliert; inzwischen steht die Verzahnung von Politik, Migrationsforschung und Engagement im Fokus der Öffentlichkeit.

INGRID TUCCI (Marseille) zeigte mit ihrem mixed methods approach, dass Zuwandernde sowohl als Individuen (qualitativ) als auch als Einheit (quantitativ) erforschbar seien. Dabei müsse man MigrantInnen stets als ImmigrantInnen mit Vorgeschichte verstehen. Sie fordert eine stärkere Reflexion über die Konstruktion von Grenzen sowie über die Machtverhältnisse zwischen Einheimischen und Zugewanderten in der politischen Debatte.

NAIKA FOROUTAN (Berlin) verwies darauf, dass in der postmigrantischen Gesellschaft ehemals privilegierte Gruppen und Randgruppen Positionen neu zu verhandeln hätten. Menschen mit Migrationshintergrund würden mittlerweile stärker ihre Rechte einfordern und seien zunehmend sichtbarer in der Gesellschaft. Dennoch werde Migration häufig als Irritation wahrgenommen und zum Sündenbock für gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme gemacht. Dabei seien die Probleme heutiger postmigrantischer Gesellschaften durch Ungleichheit, steigende Unsicherheit und Rassismus bedingt.

Die allgemeine Diskussion drehte sich um Migration als Prozess und die Frage, woran gemessen werden kann, ob Integration erfolgreich verlaufen ist. Man schlug etwa vor, Gesellschaft nicht als statische und homogene Einheit anzusehen, in welche sich Einzelne anpassen und eingliedern müssen, sondern stattdessen als responsives Konstrukt, das sich durch die Einflüsse verschiedener Kulturen verändere. Nur wenn der Migrationshintergrund keine Auswirkungen mehr habe auf Entscheidungen, Präferenzen, und Möglichkeiten Einzelner, könne von einer erfolgreichen Integration gesprochen werden.

Im Laufe der Konferenz wurden zahlreiche Ansätze der aktuellen Migrationsforschung vorgestellt; nicht wenige der Redner stellten dabei einen Bezug zur aktuellen europäischen Flüchtlingsfrage her. Eine nächste Aufgabe wird es sein, die gewonnenen Erkenntnisse sowohl politisch als auch gesellschaftlich zu verbreiten und sich als interdisziplinärer Forschungsbereich weiter zu etablieren.

Konferenzübersicht:

Janina Söhn (Göttingen) / Wolfgang Kaschuba (Berlin), Opening Remarks

Panel Session #1: Macro-group Structures and Membership in (Trans-)Nationally Constituted Societies

Chair: Sina Arnold

Nina Clara Tiesler (Hannover), Ethnoheterogenesis: An Alternative Model to Analyse Societal Change and Membership in (Trans-)Nationally Constituted Societies

Céline Teney (Bremen) / Laurie Hanquinet (York) / Katharina Bürkin (Bremen), Feeling European: An Exploration of Ethnic Disparities among Immigrants

Christian Ulbricht (Bielefeld), From Culture to Class? The Social Construction of the Legitimate Migrant in the German Discourse on Immigration and Membership

Panel Session #2: Positioning and Belonging in (Trans-)Nationally Constituted Societies

Chair: Gökçe Yurdakul

Darja Klingenberg (Frankfurt am Main), To Germany for a Better Life! Migrant Middle Classes and the Ambivalences of Material Betterment among Post-Soviet Migrants in Germany

Agata A. Lisiak (Berlin), At Home in the City? Migrant Mothers, Urban Households, and Social Support

Yasemin Soytemel (Konstanz), Between Mother Theresa and Angelina Jolie: Collective Self-Descriptions of Turkish-German Teenagers in Berlin

Panel Session #3: Labour market: Between Inclusion and Discrimination

Chair: Janina Söhn

Hans Siebers (Tilburg), How to Understand Ethno-migrant Inequality at Work? New Directions for Research on Migrants’ Labour Market Exclusion

Sabine Ebensperger / Felix Stumpf (Erlangen-Nürnberg), Skilled, but Disregarded? A factorial Survey on the Acceptance of Immigrants’ Officially Recognized Foreign Vocational Certificates in German Firms

Michaela Kreyenfeld / Cristina Samper (Berlin), Female Employment after Migration: Evidence from the Recent Immigrant Sample of the German Socio-Economic Panel

Adrien Thomas (Luxembourg), The Inclusion of Migrant Workers in Trade Unions: Organizational Dilemmas and Democratic Participation

Berlin Lecture

Wolfgang Kaschuba (Berlin), Opening

Sandro Mezzadra (Bologna), The Current Refugee Movements as Catalyst and Challenge for Migration Studies

Panel discussion

Chair: Manuela Bojadzijev

Discussants:

Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes)

Maximilian Popp (DER SPIEGEL)

Simone Peter (Bündnis 90/Die Grünen

Panel Session #4: Education and Migration: Dynamics of Social Inequality

Chair: Birgit zur Nieden

Oktay Aktan (Dortmund), The Particular Role of Teachers with Migration Background in German School System

Jasper Dag Tjaden (Bamberg), Migrants’ Educational Choices in Upper Secondary Education in Switzerland and Germany

Susan Lee (Cologne), The Influence of Religiosity and Peers on School Performance among Muslim Students in Germany

Panel Session #5: Refugees, Forced and Undocumented Migration – Contemporary Challenges for Societies and the Sociology of Migration

Chair: Serhat Karakayalı

Ulrike Präger (Urbana-Champaign), Musical Integration and the Creation of New Belongings

Emine Büşra Ünlüönen (Istanbul), The Lived Experiences of Middle Class Syrians in Istanbul

Katherine Braun (Hamburg), Economization of Human Rights: Biopolitical and Geopolitical Recategorizations in Geneva: An outlook on the Pitfalls of Current ‘Cultures of Welcome’

Ulrike Hamann (Berlin), Refugees welcome! Motifs and Challenges of Urban Networks of Solidarity in Germany

Round Table: Changing Perspectives in the Sociology of Migration: Some Reflections on the last 30 years

Chair: Mathias Bös

Discussants:

Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Gießen)

Naika Foroutan (Berlin)

Annette Treibel (Karlsruhe)

Ingrid Tucci (Aix-Marseille)

Fußnoten

1 Andreas Wimmer / Nina Glick-Schiller, Methodological nationalism and beyond: nation-state building, migration and the social sciences, in: Global Networks 2 (2002), 4, S. 301–334.

2 Nicholas De Genova / Sandro Mezzadra /John Pickles u.a., New Keywords: Migration and Borders, in: Cultural Studies 29 (2015), 1, S. 55–87.

 

 

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Christina Müller.