Sozialwissenschaften im Kalten Krieg: Mathematisierung, Demokratisierung und Politikberatung

Ein Forschungsbericht

Der[1] Kalte Krieg als Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und der Sowjetunion und deren Satelliten zwischen 1947 und 1989-1991 wird in der Forschungsliteratur als Systemantagonismus bezeichnet.[2] Jüngere Arbeiten zeigen, dass sich die antagonistische Weltordnung nicht nur auf politische oder militärische Belange reduzieren lässt, sondern auch in kulturellen und wissenschaftlichen Aspekten ihren Niederschlag fand.[3] Während in den vergangenen zwanzig Jahren der Fokus der Wissenschaftsgeschichte und -soziologie vor allem auf der Politisierung der Wissenschaften lag, also den enger werdenden Kopplungen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik[4], wird in jüngeren Studien das Politische des Kalten Kriegs als ein das wissenschaftliche Wissen in Ost und West konstituierendes Element betrachtet. Der Kalte Krieg, so Bernd Greiner, war auch „ein Kampf um Ideen und eine Konfrontation antagonistischer Weltanschauungen“.[5] Überzeugung durch glaubwürdiges Wissen war das Gebot der Stunde in diesem Krieg der intellektuellen Haltungen, Methoden und Theorien. Es verwundert daher nicht, dass in keiner Phase der Geschichte der neuzeitlichen Wissenschaften der akademische und außerakademische Wissenschaftsbetrieb in einem solchen Ausmaß ausgebaut wurde wie in den Hochphasen des Kalten Kriegs.[6] Mehr als in jeder anderen historischen Zeitspanne basierten die politischen Diskurse und Praktiken im Kalten Krieg auf dem Einbau wissenschaftlich-technischen Wissens in politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen.[7] Paul Forman und andere Wissenschaftshistorikerinnen und Wissenschaftshistoriker sprechen für die Physik in den Vereinigten Staaten von einem militärisch-technisch-wissenschaftlichen Komplex.[8]

Zu denjenigen Wissenschaften, die im Kalten Krieg besonders starken Auftrieb erfuhren, gehörten nebst Physik, Biochemie, Informatik, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Psychologie die Sozialwissenschaften, worunter in diesem Forschungsbericht empirische Sozialforschung, eher theoretisch ausgerichtete Soziologie, Sozialphilosophie, -psychologie und -anthropologie subsumiert werden.[9] Ökonomie, Politik- und Entwicklungswissenschaft sowie Humangeografie weisen thematische, methodische und theoretische Überschneidungen mit den genannten Sozialwissenschaften auf, weshalb sie im vorliegenden Überblick ebenfalls behandelt werden.[10] Die Wissenschaften vom Sozialen, so die gängige Darstellung in der Forschungsliteratur, formierten sich im Zuge der Französischen und der Industriellen Revolution als „dritte Kultur“[11] und erforschten als angewandte Wissenschaften konkrete zeitgenössische Problemlagen der modernen Gesellschaft. In den 1920er-Jahren wurden zahlreiche Institute für Sozialforschung in Europa und den Vereinigten Staaten gegründet, um den gesellschaftlichen Krisenerscheinungen nach dem Ersten Weltkrieg entgegenzuwirken.[12] Die aktuelle Forschungsliteratur geht allerdings davon aus, dass erst im Zweiten Weltkrieg und dann intensiver noch im Kalten Krieg Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler den Rang gefragter Expertinnen und Experten für politische und militärische Entscheidungen erlangten und maßgeblich zur globalen Entwicklungshilfe beitrugen. Das von diesen Wissenschaftler/innen generierte Wissen war ein wichtiger Baustein nicht nur für die Konstitution des demokratisch-liberalen Selbstverständnisses in den westlichen Ländern, sondern auch für die globale demokratische Mission des Westens im Kalten Krieg.[13] Wie jüngere Arbeiten zum Thema zeigen, wurden nach Stalins Tod 1953 auch die Sozialwissenschaften hinter dem Eisernen Vorhang ausgebaut und das von ihnen generierte Wissen für politische, wissenschaftspolitische und ökonomische Planungsaufgaben verwendet.[14]

Christian Forstner schreibt in einem jüngst erschienenen Artikel zur Geschichte der Natur- und Technikwissenschaften im Kalten Krieg, dass die „Untersuchung des militärisch-industriellen Komplexes in der Wissenschaft, Big Science und die Ideologisierung der Wissenschaft“ die „drei Säulen der traditionellen Wissenschaftsgeschichte zum Kalten Krieg“ bilden.[15] Neuere Arbeiten zur Geschichte der Natur- und Technikwissenschaften im Kalten Krieg fokussieren mittlerweile auch „transnationale Wissensströme ebenso wie neuere Formen zivilen Engagements von Wissenschaftlern“.[16] Die Forschungsparadigmen der Historiografie der Sozialwissenschaften im Kalten Krieg sind dagegen anders gelagert, wenn auch konstatiert werden kann, dass ähnlich wie in der Geschichtsschreibung der Natur- und Technikwissenschaften jüngere Arbeiten sozialwissenschaftliches Wissen als soziale Konstruktion behandeln, Praktiken und Diskurse der Sozialwissenschaftler im Wechselverhältnis zu ihrer jeweiligen politisch-sozialen Lage untersuchen[17] und mitunter auch transnationale Perspektiven einnehmen.

Die Historiografie der Sozialwissenschaften war und ist mehrheitlich entweder Fach- oder Intellektuellengeschichte. Zahlreiche ältere soziologiehistorische Arbeiten stellen eine Mischung aus historischer Darstellung, Einführung in die Sozialwissenschaften zum Zweck eines Verständnisses der Fachgenese und affirmativer Reproduktion bestimmter Denkrichtungen dar, die jeweils als kanonisch und deren Exponenten als „Klassiker“ angesehen werden.[18] Zu nennen sind zum Beispiel die „Frankfurter Schule“, wobei sich vor allem bei den Schülern der dritten Generation ein lebhaftes Interesse an der Geschichte ihrer Vorväter entwickelt hat[19], oder die „Weberianer“.[20] In den letzten Jahren hat die Geschichte der Sozialwissenschaften größere Aufmerksamkeit erfahren, wobei in der jüngeren Forschungsliteratur vermehrt Institutionalisierungsprozesse, Diskurse und Praktiken in den Blick genommen werden.[21] Das Feld der Historiografie der Sozialwissenschaften ist allerdings ausgesprochen heterogen und setzt sich aus Ideen-, Neuzeit- und Wissenschaftshistorikerinnen sowie Wissens-, Kultur- und Wissenschaftssoziologen zusammen. Eine Verständigung auf bestimmte methodische und theoretische Standards der historischen Analyse, wie sie sich in der Geschichte der Natur- und Technikwissenschaften mittlerweile etabliert hat, ist in der Geschichte der Sozialwissenschaften bisher nicht erfolgt. Entsprechend unterschiedlich sind die Arbeiten dieser Forscherinnen und Forscher. Christian Fleck zum Beispiel sieht die Soziologiegeschichte als wichtigen Teil der Soziologie und meint, „dass die Soziologen vergangene Perioden ihrer eigenen Disziplin besser beurteilen können“ als Historiker, gleichwohl solche Soziologiegeschichten oft nicht auf der Höhe wissenschaftshistorischen Arbeitens stünden und eine genuin soziologische Soziologiegeschichte bisher kaum in Angriff genommen worden sei.[22] Lothar Peter meint dagegen, dass ohne wissenschaftshistorische Perspektive ein Verständnis für die Geschichte der Soziologie defizitär bleibe.[23] Dass diese Forschungsliteratur oftmals die Zeit nach 1945 in den Blick nimmt, liegt daran, dass sich die Sozialwissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erst zu einem dominanten Feld entwickelt haben.

Wie in der Geschichte der Natur- und Technikwissenschaften im Kalten Krieg[24] erfolgte eine Intensivierung der Geschichtsschreibung der Sozialwissenschaften nach 1945 kurz vor und dann vor allem nach dem Ende des Systemantagonismus. In ihrer Einleitung zur Geschichte der Geschichtsschreibung der Sozialwissenschaften nach 1945 konstatieren Roger E. Backhouse und Philippe Fontaine, dass in der Historiografie der Sozialwissenschaften nach 1945 zunächst der oben beschriebene fachgeschichtliche Ansatz vorgeherrscht hatte, wobei die Mehrheit der Arbeiten dieser Autorinnen und Autoren zum Ziel hatte, die eigene theoretische Position zu legitimieren.[25] Seit etwa den frühen 1990er-Jahren verfolgten historiografische Arbeiten der Sozialwissenschaften im Kalten Krieg mehr wissenschaftshistorische Ansätze, die nicht nur versuchten, disziplinäre Verengungen zu überwinden, sondern die auch den Blick von Europa und den Vereinigten Staaten auf Länder der sogenannten „Dritten Welt“ erweiterten. Für das Jahr 2000 stellen die beiden Autoren das Erreichen einer kritischen Masse an historiografischer Literatur fest, was sie mit dem rasanten Anstieg der Cold War Studies in Verbindung bringen.[26] Erst in jüngster Zeit wird vermehrt darauf hingewiesen, dass der Aufstieg der Sozialwissenschaften nach 1945 mit dem Kalten Krieg als soziopolitischer Kontext inhärent verbunden war.[27]

Der vorliegende Forschungsbericht behandelt Themen der seit etwa 2008 erschienenen Literatur zur Geschichte der Sozialwissenschaften in Ost und West während des Kalten Kriegs. Der Anstieg an Publikationen zeugt von einem wachsenden Interesse der Wissenschafts-, Intellektuellen- und Fachgeschichte an diesem Thema. Mittlerweile besteht eine Organisation, die Society for the History of Recent Social Science (HISRESS), die sich ausschließlich der Geschichte der Sozialwissenschaften nach 1945 widmet und vornehmlich Themen des Kalten Kriegs behandelt.[28] Der Kalte Krieg hatte von Beginn an eine globale Dimension, weshalb die Sozialwissenschaften Lateinamerikas, Afrikas, Asiens und Australiens ebenfalls aufgegriffen werden müssten, aufgrund der Materialfülle jedoch nur am Rande behandelt werden können. Der Überblick konzentriert sich daher auf die Sozialwissenschaften in den Vereinigten Staaten und Westeuropa, der Sowjetunion und ihrer Satelliten. Die Sozialwissenschaften in Skandinavien werden aufgrund der Materialmenge weitgehend weggelassen, genauso wie diejenigen Südeuropas, auch weil besonders zum letztgenannten Feld nur wenige Forschungsarbeiten auf Englisch, Deutsch oder Französisch existieren. Zahlreiche Arbeiten zur Geschichte der Sozialwissenschaften in den östlichen Staaten während des Kalten Kriegs sind auf Russisch, Polnisch, Tschechisch oder in anderen Sprachen veröffentlicht worden, deren der Autor nicht mächtig ist. Es werden daher nur diejenigen Arbeiten aufgenommen, die auf Deutsch, Französisch oder Englisch erschienen sind, was zweifellos eine Asymmetrie zwischen Ost und West erzeugt. Dass viele Arbeiten aus Osteuropa bisher nicht ins Englische oder in andere Sprachen übersetzt wurden, stellt ein großes Defizit dar.

Der Bericht ist nach vier thematischen Komplexen gegliedert, die in der Forschungsliteratur häufig behandelt werden. Diese vier Themenkomplexe werden sowohl für die Sozialwissenschaften im Westen als auch für diejenigen im Osten diskutiert, gleichwohl die Themen nicht symmetrisch gelagert sind; einzelne Themen gelten mehr für den Westen, andere wiederum sind spezifischer für den Osten, einige Themen sind mehr für die Frühphase des Kalten Kriegs charakteristisch, andere hingegen eher für die spätere Zeit ab etwa den mittleren 1960er-Jahren. Überschneidungen zwischen den Abschnitten lassen sich nicht ganz vermeiden, da einige der angeführten Arbeiten mehrere Themen behandeln, genauso wenig wie, dass der erste Abschnitt über die Anwendungskontexte bedeutend länger ist als die anderen Abschnitte, da hierzu bei weitem die meiste Forschungsliteratur existiert.

Abschnitt 1) thematisiert die verschiedenen Anwendungskontexte sozialwissenschaftlichen Wissens, zum Beispiel die Rolle von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern als Politikberaterinnen und Politikberater oder ihr Engagement in der Industrieforschung. Für den Westen stellte der Zweite Weltkrieg den „take-off“-Moment – ein zeitgenössischer Begriff, den der Modernisierungstheoretiker Walt Whitman Rostow der Luftfahrt entliehen hatte, um einen maßgebenden Innovationsschub zu beschreiben[29] – für diese Entwicklung dar, in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang setzte ein intensiverer Einbau sozialwissenschaftlichen Wissens in politische, wissenschaftspolitische und ökonomische Planung erst nach 1953 und dann verstärkt nach der offiziellen Distanzierung von Stalins Politik ein, die auf dem 20. Parteikongress 1956 von Nikita Chruschtschow verkündet wurde. Unter diesem Punkt wird auch die Frage nach den Geldgebern für sozialwissenschaftliche Forschung behandelt.

Abschnitt 2) thematisiert die mit dem Einsatz von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern für die US-amerikanische Kriegsanstrengung verbundene Wandlung sozialwissenschaftlicher Praxis von einer eher solitären zu einer unter einheitswissenschaftlichen Gesichtspunkten organisierten inter- und transdisziplinären Forschung. In den Vereinigten Staaten stellte Inter- und Transdisziplinarität als Forderung von Seiten der Forschungsförderorganisationen sowie als durch die Akteure umgesetzte Praxis eine wirkungsmächtige Ressource für den institutionellen Ausbau der Sozialwissenschaften dar. Diese Entwicklung begann bereits vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg, der sozialwissenschaftliche Kriegseinsatz erwies sich dann allerdings als Katalysator.[30] Analog zu den Naturwissenschaften wird demnach die Frage nach dem Entstehen einer in Think Tanks organisierten inter- und transdisziplinären „Big Social Science“ diskutiert.

In Abschnitt 3) wird die von Paul Erickson und anderen aufgeworfene Frage nach der spezifischen Rationalität der westlichen Wissenschaften im Kalten Krieg dahingehend thematisiert[31], ob auch für die Sozialwissenschaften von einer auf vornehmlich nomologischen Erkenntnisweisen und der Fokussierung auf Methoden und Forschungsinstrumente basierenden „Cold War Social Science“ gesprochen werden kann, wie dies Mark Solovey und Hamilton Cravens schon früher thematisiert haben.[32] Darunter fallen insbesondere die empirische Sozialforschung mit ihren quantitativ-statistischen Methoden, die verhaltensbiologischen und experimentell-psychologischen Ansätze des Behaviorismus sowie kybernetische Verfahren. Dieser Abschnitt behandelt auch die Frage, ob die so veranschlagte „Cold War Social Science“ bloß ein US-amerikanisches, aufgrund der engen, auf die politischen Konstellationen des Kalten Kriegs zurückzuführenden Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Westdeutschland möglicherweise auch ein bundesdeutsches Phänomen war, oder ob eine ähnliche sozialwissenschaftliche Rationalität zum Beispiel auch in Frankreich festgestellt werden kann. Im Falle Frankreichs fokussiert dieser Abschnitt des Forschungsberichts auf den Strukturalismus und nimmt im Anschluss die wissenschaftshistorischen Entwicklungen des späten Kalten Kriegs in den Blick, als sich poststrukturalistische und postmoderne Ansätze vom strukturalistischen und modernisierungstheoretischen Paradigma zu distanzieren begannen. Diese Bewegung wirkte wiederum zurück auf andere Länder, so die Vereinigten Staaten und England, und war, wie erste wissenschaftshistorische Arbeiten zum Thema zeigen, entscheidend für die Entwicklung der Science Studies, in denen mitunter auch feministische Perspektiven eine wichtige Rolle spielten.

Abschnitt 4) referiert die jüngeren Arbeiten zu den Sozialwissenschaften im Kalten Krieg als Verflechtungsgeschichte zwischen „Ostblock“ und „Westblock“ sowie zwischen nördlicher und südlicher Hemisphäre respektive zwischen „Erster“ und „Dritter Welt“. Während ältere Studien die antagonistische Weltordnung im Kalten Krieg tendenziell replizierten, indem sie von einem Unwissen über die sozialwissenschaftlichen Forschungen im jeweils anderen Block ausgingen, zeigen jüngere Forschungsarbeiten, dass eine gegenseitige Wahrnehmung sehr wohl stattfand.

1) Anwendungskontexte sozialwissenschaftlichen Wissens
Sozialwissenschaftliches Wissen fand im Kalten Krieg Anwendung in wissenschafts-, bevölkerungs- und wirtschaftspolitischen Planungsprozessen und Entscheidungen, in geheimdienstlichen Aktivitäten oder wurde von der Werbeindustrie mehr oder weniger direkt genutzt. Darüber hinaus fanden Methoden der Sozialpsychologie Anwendungen bei Meinungsumfragen, so zum Wahlverhalten, sowie zu psychoanalytisch-therapeutischen Zwecken wie etwa der Erforschung des Sexualverhaltens durchschnittlicher Amerikaner und Amerikanerinnen oder traumatischer Erfahrungen bestimmter Bevölkerungsgruppen. Die Lage der Forschung zu diesem Themenkomplex ist ausgesprochen ungleich; für den Westen, insbesondere für die Vereinigten Staaten, England und die Bundesrepublik, liegen weit mehr Studien als etwa zu Frankreich und zur Sowjetunion sowie den anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang vor. Für letztere muss daher auch auf Literatur zurückgegriffen werden, die vor 2008 publiziert wurde. Darüber hinaus folgen zahlreiche Arbeiten westlicher Autorinnen und Autoren zur Ökonomie in der Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern einem westlich orientierten, ideologisch aufgeladenen Narrativ; die in den 1990er-Jahren in hoher Zahl erschienenen Werke zu diesem Thema sind aus Perspektive des Zusammenbruchs des „Ostblocks“ heraus entstanden und stellen die Dysfunktionalität und ideologische Irrationalität des kommunistischen Ökonomiesystems ins Zentrum ihrer Analysen.[33]

Dass sozialwissenschaftliches Wissen für Staatsfunktionen wie etwa die medizinische Versorgung ganzer Bevölkerungsgruppen schon mit der Aufklärung, vor allem aber seit der Französischen Revolution einen per se anwendungsorientierten Charakter hatte, darauf hat Peter Wagner in einem Beitrag von 2007 verwiesen.[34] Im Kalten Krieg jedoch diffundierte sozialwissenschaftliches Wissen in vielerlei gesellschaftliche Anwendungsbereiche. Zahlreiche neuere Studien zur den Sozialwissenschaften in den Vereinigten Staaten während des Kalten Kriegs zeigen überzeugend, dass der Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg 1941 den „take off“-Moment für den vom Staat und von philanthropischen Stiftungen geförderten institutionellen Ausbau der Sozialwissenschaften in den 1950er- und 1960er-Jahren darstellte. Hierfür war die Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens bei außen- und wirtschaftspolitischen sowie geheimdienstlichen Entscheidungen maßgebend. Dies gilt für die Soziologie, Sozialpsychologie, Sozialanthropologie, Politikwissenschaft und Ökonomie gleichermaßen.[35] Eine der bekanntesten Sozialanthropologinnen, die sich als sozialwissenschaftliche Expertin für den US-amerikanischen Kriegseinsatz engagierte, war Margaret Mead, wie Peter Mandler in seiner Intellektuellenbiografie Meads von 2013 zeigt.[36] Die Forschungsliteratur hebt hervor, dass hierbei deutsche Emigranten jüdischen Hintergrunds oder politisch linker Gesinnung eine herausragende Rolle spielten.[37] Tim B. Müller zeigt in seiner viel beachteten Studie zum Einsatz Herbert Marcuses im Research and Analysis Branch (R&A) im direkt dem Joint Chiefs of Staff unterstellten Office of Strategic Services (OSS), der Vorgängerorganisation der Central Intelligence Agency (CIA), dass die Forschungsarbeit Marcuses während des Zweiten Weltkriegs auch für seine Arbeiten im Kalten Krieg wegweisend waren.[38] Auch andere Emigranten im Umfeld des Instituts für Sozialforschung (IfS), das 1933 in Frankfurt am Main geschlossen und 1934 an der Columbia University neu eröffnet wurde[39], arbeiteten für US-amerikanische Regierungsstellen, so Franz Neumann und Otto Kirchheimer. Ihre Berichte sind jüngst von Raffaele Laudani ediert worden, nachdem bereits 1982 Alfons Söllner im ersten Band der „Archäologie der Demokratie in Deutschland“ einige dieser Berichte in deutscher Übersetzung herausgegeben hatte.[40]

Wie Laudani schreibt, war das Verhältnis zwischen europäischen Sozialwissenschaftlern und US-Militärs durchaus gespannt, denn die Behörden entschieden sich oftmals gegen ihre Vorschläge und Empfehlungen.[41] Auch für die Zeit nach 1945 zeigen David Engerman für die Sowjetologie und die Osteuropastudien und David H. Price für die Sozialanthropologie, dass ein erfolgreiches Ineinandergreifen von wissenschaftlicher Expertise und politischer Entscheidung im Kalten Krieg nur dann funktionierte, wenn die Sozialwissenschaftler „aimed to serve both Mars and Minerva, both the national security state and academic life“.[42] Price spricht in dieser Hinsicht von einem „dual use“ sozialwissenschaftlichen Wissens; Sozialanthropologen, die erfolgreich beide Ebenen bedienen konnten, wussten sowohl in ihrer engeren Wissenschaftlergemeinschaft als auch in ihrer Rolle als politikberatende Experten sozialanthropologisches Wissen anzuwenden.[43]

Die Mitarbeiter im R&A generierten Wissen im Rahmen dreier Bereiche: umfassende Regionalstudien, Studien zu speziellen regionalen Problemen und Untersuchungen außenpolitischer und kriegswichtiger Zielsetzungen.[44] Laut Engerman war diese Art sozialwissenschaftlichen Wissens ausschlaggebend für den Ausbau der Area Studies, sozialwissenschaftliche Forschungsunternehmen, die bestimmte Regionen strukturell erforschten. Im frühen Kalten Krieg bauten wissenschaftspolitische Behörden in Zusammenarbeit mit Sozial- und Politikwissenschaftlern zunächst die Russian oder Soviet Studies als wichtigen Bereich der Area Studies institutionell aus. Wie beim sozialwissenschaftlichen Kriegseinsatz ging es bei dieser Art von Forschung um die Beantwortung konkreter Fragen: Sozialwissenschaftliche Forschungseinrichtungen sollten Experten ausbilden, die in Regierungsstellen arbeiten und politisches Handeln wissenschaftlich informieren.[45] Als Arbeitgeber für Sozialwissenschaftler nennen Engerman und Price die CIA, das Außenministerium der Vereinigten Staaten und den militärischen Geheimdienst im Verteidigungsministerium.[46] Zu den wichtigsten Projekten, die unter finanzieller Förderung politischer, geheimdienstlicher und militärischer Stellen entstanden, gehörten das von der U.S. Air Force finanzierte „Refugee Interview Project“ (1950-1951), bei dem Soziologen, Sozialpsychologen und -anthropologen zusammenarbeiteten und zur später im politischen Feld weitgehend geteilten Einsicht kamen, dass es sich bei der Sowjetunion um eine stabile, modern-industrielle Gesellschaft handle, die keineswegs in naher Zukunft zusammenbrechen werde[47], oder das „Project Camelot“, das 1964 von führenden Stellen der U.S. Army mit dem Ziel aus der Taufe gehoben wurde, sozialwissenschaftliche Instrumente im Sinne eines Frühwarnsystems sozialer und politischer Krisen in bestimmten Ländern zu entwickeln. An diesem Projekt waren sozialwissenschaftliche Experten der Universitäten Harvard und Princeton sowie der Columbia University, des Massachusetts Institute of Technology (MIT), des Social Science Research Councils (SSRC) und der Ford Foundation sowie der Russel Sage Foundation beteiligt.[48] Die beiden Studien von Price und Engerman sind von hoher wissenschaftshistorischer Qualität und stellen analog zu den oben erwähnten Arbeiten zum militärisch-technisch-naturwissenschaftlichen Komplex die engen Verstrickungen US-amerikanischer Sozialanthropologen in Politik und Militär kritisch dar, ohne dabei in Skandalerzählungen zu verfallen. Dies zeigen die enthusiastischen Rezensionen der beiden Arbeiten, so unter anderem von Tim B. Müller zu Engerman und Peter Mandler zu Prince.[49] Hier zu erwähnen ist auch ein von Joy Rohde verfasstes Buch von 2013, das nicht nur die Verstrickungen US-amerikanischer Sozialwissenschaftler in militärische Operationen nochmals schärfer herausarbeitet, als dies Price und Engerman geleistet haben, sondern auch aufzeigt, dass die Verflechtung zwischen Militär und Sozialwissenschaften in den Vereinigten Staaten teilweise bis heute anhält, gleichwohl dies von zahlreichen Akteuren aus den eigenen Reihen kritisiert wird.[50]

Die Forschungsliteratur ist sich darüber einig, dass die militärisch-politische Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens mit einer antikommunistischen Einstellung der entsprechenden Akteure einherging. Diese Entwicklung zeichnete sich schon seit dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 ab, als sich zahlreiche linke Intellektuelle und Sozialwissenschaftlerinnen, darunter nicht wenige Emigranten, vom Kommunismus abwandten.[51] Wie Anson Rabinbach darlegt, verschmolzen ideologische Leitmuster wie Antifaschismus und Antikommunismus, die für den sozialwissenschaftlichen Kriegseinsatz die maßgebende Orientierung darstellten, im frühen Kalten Krieg zum Begriff des ‚Totalitarismus‘, der sich zu einem Kampfbegriff des Westens gegen den Osten entwickelte.[52] Zentrale Vertreter der Totalitarismustheorie fanden sich insbesondere unter Emigrantinnen und Emigranten. Zu nennen sind hier Hannah Arendt, Franz Borkenau, Carl J. Friedrich und Zbigniew Brzeziński, Hans Maier, Sigmund Neumann, Karl Popper und Eric Voegelin, die ihre je eigenen und teilweise auch stark divergierenden Vorstellungen von ‚Totalitarismus‘ vertraten. Arendt hatte zum Beispiel schon früh Friedrichs und Brzezińskis Totalitarismusvorstellung dahingehend kritisiert, dass sich dahinter mehr ein Antikommunismus der beginnenden McCarthy-Ära verstecken würde als ein Antifaschismus, wie Rabinbach in einem 2017 erschienenen Aufsatz hervorhebt.[53] Dieses Thema ist relativ gut erforscht, zur Mehrzahl der genannten Akteure liegen mittlerweile sowohl ideen- und intellektuellenhistorische Arbeiten als auch Einführungen in ihr Werk vor.[54] Als Konzepte, die gegen den ‚Totalitarismus‘ gerichtet waren, fungierten Demokratie, Liberalismus sowie intellektuelle und wissenschaftliche Freiheit. Intellektuelle Freiheit und darauf basierende Kreativität und Offenheit gegenüber neuen Ideen werden in der Forschungsliteratur daher als charakteristische ideologisch-politische Elemente der US-amerikanischen Sozialwissenschaften im Kalten Krieg gesehen, so etwa in dem viel beachteten Buch „The Open Mind“ von Jamie Cohen-Cole.[55]

Der institutionelle und personelle Ausbau der Sozialwissenschaften in den Vereinigten Staaten und die verstärkte Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens auf politische, militärische, geheimdienstliche Bereiche hing stark mit dem Anstieg der finanziellen Unterstützung der Sozialwissenschaften durch die großen philanthropischen Stiftungen zusammen.[56] Auch zu diesem Thema sind in den letzten Jahren zahlreiche kritische Arbeiten erschienen, die sowohl institutionenhistorische und diskursanalytische als auch herrschaftskritische Ansätze verfolgen. Die Arbeiten zu den Steuerungsmöglichkeiten sozialwissenschaftlicher Forschung durch die bedeutenden US-amerikanischen Förderinstitutionen wie die Rockefeller und die Ford Foundation sowie die Carnegie Corporation – die „Big 3“ –, zeigen, dass mit der zunehmenden Unterstützung bestimmter Wissenschaftsbereiche wie Area Studies, Sozialpsychologie oder Wirtschaftswissenschaft Ziele der US-amerikanischen Außenpolitik verbunden waren.[57] Nils Gilman arbeitet in seiner Studie von 2003 zusätzlich heraus, dass die Förderung bestimmter Institute für Sozialwissenschaften in den 1950er- und 1960er-Jahren mit der Verbreitung der stark westlich zentrierten Modernisierungstheorie und damit der Festsetzung westlicher Normen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in anderen Ländern in einem engen Zusammenhang stand.[58]

Die Arbeiten zu diesem Thema legen dar, dass die Sozialwissenschaften zu denjenigen Forschungsbereichen gehörten, die von den drei großen philanthropischen US-Stiftungen am stärksten gefördert wurden, wobei vor allem die Ford Foundation ihre Ausgaben für sozialwissenschaftliche Forschung ab den 1950er-Jahren stark anhob.[59] Dies hatte einerseits mit der universellen Anwendbarkeit sozialwissenschaftlicher Theorien angloamerikanischer Provenienz wie der Handlungstheorie, dem Strukturfunktionalismus, dem Behaviorismus, der System- oder der Modernisierungstheorie und den Methoden der empirischen Sozialforschung zu tun, andererseits mit der von den Akteuren betriebenen Lancierung der Sozialwissenschaften als „Demokratisierungswissenschaften“.[60] Diese Zuschreibung geht auf die Ära des New Deal zurück, erhielt während des Zweiten Weltkriegs schärfere Konturen und etablierte sich dann vollends in der Frühphase des Kalten Kriegs.[61] Weiter gilt, dass „moderne, reformorientierte Sozialwissenschaften eine wesentliche Stärke der westlichen Moderne waren – ein entscheidendes Instrument ihrer Selbstreflexion, Selbstkritik, Selbstkorrektur und damit Selbsterhaltung“, wie Tim B. Müller schreibt.[62] Eine Charakteristik dieser Wissenschaftspolitik bestand darin, dass auf der einen Seite die Stiftungsvertreter das gesellschaftskritische Potential der Sozialwissenschaften erkannten, diese Einsicht sie auf der anderen Seite jedoch nicht daran zweifeln ließ, dass Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler als Vermittlerinnen und Vermittler demokratischer Werte agierten.[63] Weiterentwicklung und Anwendung neuer sozialwissenschaftlicher Instrumente, so die aus der Forschungsliteratur hervorgehende Grundthese zu diesem Thema, gingen Hand in Hand mit einer demokratischen Überzeugungspolitik. Die Sozialwissenschaften waren also auch deshalb ein wichtiger Bereich der Wissenschaftspolitik der US-amerikanischen Regierung und der großen philanthropischen Stiftungen, weil sie das Selbstbild des Westens als wissenschaftlich basiert und reflektiert untermauerten und damit Teil des wissenschaftlichen Antikommunismus waren. Sie entwickelten Argumente für Kapitalismus, liberale Demokratie, Wohlfahrts- und Sozialstaat, die die „staatssozialistische Modernisierung durch zentrale Planung“ der Sowjetunion untergraben sollten.[64]

Die Forschungsliteratur konstatiert einhellig die Dominanz US-amerikanischer Methoden und Theorien in den Sozialwissenschaften der westlichen Länder im frühen Kalten Krieg, die auf der engen Verschränkung angewandter sozialwissenschaftlicher Forschung mit Militär, Geheimdienst, Außenpolitik und Philanthropie beruhte. Ein zu diesem Thema entscheidendes, allerdings allgemein auf die US-amerikanische Wissenschaftspolitik im frühen Kalten Krieg fokussiertes und breit rezipiertes Buch ist John Kriges „American Hegemony and the Postwar Reconstruction of Science in Europe“ von 2006.[65] Krige zeigt, dass in den Natur- und Technikwissenschaften nach 1945, und hier besonders bezogen auf die Grundlagenforschung, in enger Verflechtung mit dem European Recovery Program (ERP) respektive dem Marshall-Plan auf ökonomischer Ebene „officials in the U.S. administration, and officers in organizations like the Ford and Rockefeller foundations did more than simply ‚share‘ science or ‚promote‘ American values abroad; they tried to reconfigure the European scientific landscape, and to build an Atlantic community with common practices and values under U.S. leadership.“[66] Für die Sozialwissenschaften war in diesem Zusammenhang die Anwendung sozialempirischer und sozialpsychologischer Methoden für die Reeducation- und Demokratisierungspolitik der US-amerikanischen Besatzer in Westdeutschland nach 1945 ausschlaggebend.

Die Geschichte der Sozialwissenschaften in Westdeutschland unmittelbar nach 1945 und in der Bundesrepublik ist vergleichsweise gut erforscht – die „German question“ nahm bereits im frühen Kalten Krieg auch in wissenschaftspolitischer Hinsicht eine zentrale Stellung ein, immerhin fungierte das Land als Speerspitze Westeuropas gegen den sowjetkommunistisch dominierten Osten.[67] Allerdings bestehen teils starke Differenzen in der Beurteilung der Entwicklung der Sozialwissenschaften im Westdeutschland der zweiten Nachkriegszeit. Ein Teil der Forschungsliteratur zum Thema hebt die Dominanz der US-amerikanischen Besatzer und Sozialwissenschaftler sowie zurückgekehrter Emigranten bei der sozialwissenschaftlichen „intellektuellen Gründung“ der Bundesrepublik hervor. So behandelt Uta Gerhardt in ihren Arbeiten die Beteiligung zahlreicher Sozialforscher in der Wissenschafts- und Kulturpolitik der US-amerikanischen Militärbesatzung, wobei Talcott Parsons am prominentesten zu nennen ist.[68] Sozialempirisches Wissen sollte aus Sicht US-amerikanischer Offiziere den Demokratisierungsmaßnahmen in der US-amerikanischen Besatzungszone den Weg ebnen. Hier zu nennen ist die vom Soziologen Nels Anderson geleitete Darmstadt-Studie (1948-1954), für die eigens ein Institut gegründet wurde.[69] Beratend stand den Darmstädter Forschungen zeitweise auch Theodor W. Adorno zur Seite, der zusammen mit Max Horkheimer und Friedrich Pollock aus dem kalifornischen Exil nach Frankfurt am Main, wo 1951 das IfS neu eröffnet werden sollte, zurückgekehrt war. Die aus den Vereinigten Staaten remigrierten Sozialwissenschaftler des Kreises um Horkheimer gelten generell in der Forschungsliteratur als herausragende Akteure bei der sozialwissenschaftlichen Demokratisierung der Bundesrepublik.[70] Uneinig ist sich die Forschungsliteratur in der Beurteilung des epistemischen Programms des Horkheimer-Kreises nach 1945. Während Alex Demirović in seiner viel beachteten Studie „Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule“ die These vertritt, dass Horkheimer und Adorno als Marxisten eine Außenseiterposition in der Bundesrepublik einnahmen, meinen Albrecht und andere zeigen zu können, dass sich vor allem Horkheimer dem antikommunistischen sozialwissenschaftlichen Demokratisierungsdiskurs der jungen Bundesrepublik anpasste.[71] Die noch nicht als Buch publizierte, aber digital zugängliche Dissertation von Johannes Platz zeigt deutlich, dass sich die Sozialwissenschaftler am IfS tatkräftig in sozialpsychologischen und industriesoziologischen Forschungen in der frühen Bundesrepublik engagierten.[72]

In der Forschungsliteratur besteht keine Einigkeit darüber, ob für die Entwicklung der Sozialwissenschaften Westdeutschlands im Kalten Krieg von einer methodologischen und theoretischen „Amerikanisierung“ gesprochen werden kann oder ob weitgehend Kontinuitäten zwischen Weimarer Republik, NS-Regime und frühem Kalten Krieg bestanden. Ein Teil der Arbeiten zur Geschichte der Sozialwissenschaften in Westdeutschland nach 1945 folgt M. Rainer Lepsius‘ Darstellung von 1979 und geht davon aus, dass sich eine ernstzunehmende Sozialwissenschaft in Westdeutschland erst nach 1945 an Universitäten und außeruniversitären Forschungsinstituten entwickelte und etablierte.[73] Einig ist sich die Forschungsliteratur darin, dass die Zeit zwischen 1950 und etwa 1960/1965 generell als „Aufbaujahrzehnt“ oder „Gründungsphase“ der Sozialwissenschaften in Westdeutschland gilt, woran die empirische Sozialforschung großen Anteil hatte.[74] Mit Blick auf die Sozialempirie hebt die Forschungsliteratur Transferprozesse vor allem auf methodologischer Ebene zwischen der US-amerikanischen empirischen Sozialforschung und westdeutscher sozialempirischer Praxis hervor. Remigranten wie Horkheimer, Adorno oder René König, der seine Exilzeit in der Schweiz verbracht hatte und nach seiner Rückkehr nach Köln den Einbau US-amerikanischer Methoden und Ansätze in die empirische Sozialforschung Westdeutschlands forcierte, brachten aus ihren Emigrationsländern neue Interviewtechniken, Skalierungs- und Quantifizierungsverfahren mit und ermöglichten damit den Anschluss der westdeutschen Sozialforschung an den internationalen und vor allem US-amerikanischen Forschungsstand in den Sozialwissenschaften.[75] Zugleich vertraten sie demokratisch-liberale Werthaltungen und engagierten sich als kritische Intellektuelle in öffentlichen Debatten, so das gängige Narrativ.

Eine Gruppe von Soziologiehistorikerinnen und Soziologiehistorikern betont dagegen, dass Statistiker, Ökonomen, Demografen, Meinungsforscher und solche Wissenschaftler, die sich als Vertreter einer „Deutschen Soziologie“ gesehen hatten, in enger Verbindung mit der SS, dem SD oder dem Amt Rosenberg teils umfangreiche Forschungen während des NS-Regimes betrieben hatten.[76] Nach 1945 wurden viele dieser Sozialwissenschaftler zunächst entlassen, bevor ab etwa 1950 die Mehrzahl von ihnen wieder Stellen erhielt und nun der Demokratisierungspolitik alliierter Militärbeamter und westdeutscher Politiker zuarbeitete. Die jüngsten Forschungsarbeiten zu diesem Themenkomplex sprechen von einem Ineinandergreifen von Ansätzen, die in den 1920er-Jahren und dann im NS-Regime entwickelt und angewandt wurden, mit sozialempirischen Methoden aus den Vereinigten Staaten, was am Beispiel der Forschungspraxis der Sozialforschungsstelle Dortmund (SFS) veranschaulicht werden kann.[77]

Die jüngere Forschungsliteratur nennt als wichtigste Anwendungsfelder sozialwissenschaftlicher Forschung in der Bundesrepublik die Demoskopie, wie sie etwa das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) unter Leitung Elisabeth Noelle-Neumanns mit politikberatender Funktion praktizierte[78], und Industrie und Planung. Institute wie die SFS oder das IfS führten in den 1950er- und 1960er-Jahren zahlreiche Forschungen im Auftrag von Ministerialbehörden und der Privatindustrie durch, um den sozialen Wandel im Industriearbeitermilieu und die Einstellungen der Arbeiter zu zeitgenössischen Lebensformen zu untersuchen. Sozialwissenschaftliche Institute betrieben auch soziologische Stadtuntersuchungen und erforschten im Stile der US-amerikanischen Area Studies die Verkehrs- und Siedlungsstrukturen bestimmter Gebiete, um den Behörden Wissen für die Infrastrukturplanung an die Hand zu geben. In den frühen 1950er-Jahren rückte zudem das Problem der Integration der Ostvertriebenen in die bundesrepublikanische Gesellschaft in den sozialwissenschaftlichen Fokus.[79] Diese Themen sind mittlerweile relativ gut erforscht, wie sich an den in der Fachgemeinschaft sehr positiv aufgenommenen Arbeiten von Jens Adamski und Ulrike Kändler sehen lässt.[80]

Zusammenfassend zeigt die Forschungsliteratur, dass sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland von den frühen 1920er-Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs anwendungsorientierte, empirische Sozialforschung vermehrt gefördert und weiterentwickelt wurde. Der politische Kontext war auf der einen Seite des Atlantiks der New Deal, auf der anderen Seite demokratische Reformkonzepte der Weimarer Republik und danach die demografisch-politische Neuordnung Europas durch das NS-Regime. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Institute marktorientierter Meinungs- und politischer Umfrageforschung. Zu diesem Thema ist insbesondere die ideologiekritische Studie Sarah E. Igos hervorzuheben, die in den Vereinigten Staaten breit rezipiert und sogar in der „New York Times“ besprochen wurde.[81] Jüngere Arbeiten zeigen überzeugend, dass die Akteure nicht isoliert voneinander dachten und arbeiteten, vielmehr bestanden gerade in der Weimarer Zeit zahlreiche, teils intensive Kontakte zwischen US-amerikanischen und westdeutschen Sozialwissenschaftlern. Besonders entscheidend war dieser Verflechtungsmechanismus für die Anwendung staatswissenschaftlichen respektive politikwissenschaftlichen Wissens nach 1945, wie die Arbeiten Sean A. Forners, Udi Greenbergs und Noah B. Strotes darlegen. Vor allem Forner und Greenberg arbeiten in ihren weitgehend positiv, wenn auch nicht unkritisch besprochenen Studien[82] heraus, dass transatlantische Kontakte nach 1945 für die Demokratisierungspolitik und die gleichzeitige Etablierung der Sozial- und Politikwissenschaften in Westdeutschland ausschlaggebend waren.[83] Dies gilt auch für die Wirtschaftswissenschaft, insbesondere für die Volkswirtschaftslehre, die sich in Westdeutschland nach 1945 infolge der Aufnahme angelsächsischer Modelle wie des Keynesianismus‘ als akademisches Fach etablierte.[84] Alexander Nützenadel betont hierbei den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der Volkswirtschaftslehre und der Verwissenschaftlichung der bundesrepublikanischen Wirtschaftspolitik. Die von Nützenadel behandelten wirtschaftswissenschaftlichen Experten leisteten mit der Etablierung des Prinzips der ‚Sozialen Marktwirtschaft‘ einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zur Stabilisierung der Bundesrepublik als demokratische, westlich orientierte Gesellschaft.[85]

Die geschilderten Tendenzen in der Forschungsliteratur gelten auch für Frankreich, dem Mutterland der Soziologie[86], wenn sie auch etwas anders nuanciert waren. Johan Heilbron hat in seinem 2015 veröffentlichten Buch „French Sociology“ eine breite Untersuchung der Soziologie Frankreichs vom frühen 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart unternommen und sich dabei sowohl auf quantitativ erhobene biografische, archivalische und literarische Quellen gestützt als auch Interviews mit Zeitzeugen geführt. Letzteres führt allerdings dazu, dass sich Heilbron zu nah an den Meinungen einflussreicher Akteure der französischen Soziologie wie etwa Pierre Bourdieu bewegt. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Heilbron die von Bourdieu und anderen vorgebrachte Sichtweise wiederholt, die Soziologen hätten sich als Subordinierte im intellektuellen und akademischen Feld Frankreichs nach 1945 gegen die dominierenden Existenzphilosophen, allen voran Jean-Paul Sartre, durchsetzen müssen.[87] Das mag zutreffen, doch eine distanzierte methodische Herangehensweise hätte womöglich zeigen können, dass es sich bei solchen Äußerungen um Positionsbezüge und damit Selbstlegitimationen handelt. Überzeugend arbeitet Heilbron heraus, dass die französische Soziologie trotz international ausgesprochen einflussreicher Figuren wie Comte, Émile Durkheim und René Worms ebenfalls erst nach 1945 einen massiven Aufschwung erfuhr. 1920 gab es an französischen Universitäten lediglich vier Lehrstühle für Soziologie. Mit dem beginnenden Kalten Krieg wurde die Disziplin zunächst an den außeruniversitären Forschungsinstitutionen, so am 1946 gegründeten Centre d’études sociologiques, am Centre national de la recherche scientifique (CNRS, 1939) und ab 1960 am Centre d’études sociologiques (CES), später dann auch an den Universitäten, massiv ausgebaut. Im Frankreich der 1950er-Jahre musste sich die Soziologie zwischen der dominierenden linkskritischen Existenzphilosophie einerseits, den rein anwendungsorientiert empirischen und staatlichen Ressortforschungsinstitutionen andererseits positionieren.[88]

Zu den einflussreichsten französischen Sozialwissenschaftlern der zweiten europäischen Nachkriegszeit gehören Raymond Aron, Georges Davy und Georges Gurvitch in der Soziologie und Claude Lévi-Strauss in der Sozialanthropologie. Wie Heilbron zeigt, hat insbesondere Gurvitch die Anwendungsorientierung der französischen Soziologie nach 1945 forciert. Heilbron legt hierbei ein besonderes Gewicht auf die transnationalen Verflechtungen in der Soziologie Frankreichs. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Gurvitch an der University in Exile in New York zusammen mit Lévi-Strauss und einem Dutzend anderer französischer Sozialwissenschaftler gearbeitet und dabei nicht nur ein amerikanisch-französisches Netzwerk, zu dessen amerikanischen Partnern Jacob Levy Moreno, Pitirim Sorokin, Robert K. Merton, Paul F. Lazarsfeld und Talcott Parsons zählten, etabliert, sondern auch einen Ansatz entwickelt, der den jungen Marx, Durkheim und Marcel Mauss mit der US-amerikanischen empirischen Sozialforschung verband.[89] Hierbei bestanden auch intensive Kontakte zu deutschen Akteuren, insbesondere zwischen Aron und dem Horkheimer-Kreis, was für die kontinentaleuropäische Nachkriegssoziologie wichtig werden sollten, wie Martin Jay in seiner frühen Studie zur Geschichte des IfS gezeigt hat.[90] Anders als in Westdeutschland im frühen Kalten Krieg, versuchten Soziologen wie Gurvitch den Hegemonieanspruch der US-amerikanischen empirischen Sozialforschung zu brechen, etwa mit der Gründung der Association internationale des sociologues de langue française (AISLF) 1958.[91] Und im Unterschied zu Westdeutschland entwickelten französische Sozialwissenschaftler auch eigene Theorieansätze, wobei der Strukturalismus[92] Lévi-Strauss‘, der ein wichtiges Exportgut französischer sozialwissenschaftlicher Theorie werden sollte, besonders hervorzuheben ist.[93] Zur Person Lévi-Strauss‘ und zum sozialanthropologischen Strukturalismus sind einige jüngere intellektuellenhistorische Arbeiten in deutscher, englischer und französischer Sprache erschienen, wobei biografische Ansätze überwiegen.[94] Im Unterschied zur Literatur über die Entwicklung der US-amerikanischen, britischen und westdeutschen Sozialwissenschaften nach 1945, scheint der Kalte Krieg als themen- und thesenleitender historischer Analyseschlüssel in der historiografischen Forschungsliteratur zu den französischen Sozialwissenschaften der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts keine sehr zentrale Rolle zu spielen. Das liegt möglicherweise daran, dass Frankreich in der bisherigen Historiografie – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, Großbritannien und den deutschen Staaten – als nicht sehr dominant auftretende Macht im Kalten Krieg behandelt worden ist. Angesichts dessen, dass zum Beispiel für den heute international meist zitierten französischen Soziologen Pierre Bourdieu der Militärdienst von 1958 bis 1960 in Algerien für seine späteren Konzepte ausschlaggebend war, wären hier kritische Studien allerdings vonnöten.

Eine Reihe von jüngeren Arbeiten hebt die nationale Sicherheitspolitik als weiteren Anwendungskontext sozialwissenschaftlichen Wissens im Kalten Krieg hervor. Nationale Sicherheit konnte den Zivil- und Bevölkerungsschutz in Gestalt von Evakuierungsplänen oder Planung und Bau von Atombunkern, den Katastrophenschutz, zu dem auch natürliche Katastrophen gezählt wurden, oder Antiterrormaßnahmen umfassen.[95] Hier zeigt sich wiederum die in der Forschungsliteratur allgemein geteilte Ansicht, dass die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Sphäre im Kalten Krieg auch in den Sozialwissenschaften stark erodierten.[96] Silvia Berger Ziauddin thematisiert den massiven Ausbau des Bunkersystems in der Schweiz in den 1960er-Jahren und betont den rituell-symbolischen Charakter des Bunkers als medialer Ort für die Schweizer Politik und Bevölkerung.[97] In eine ähnliche Richtung geht Marie Cronquist mit einem Aufsatz über die Evakuierung als Ritual des Wohlfahrtsstaats der schwedischen Kultur des Kalten Kriegs.[98] Cécile Stephanie Stehrenberger untersucht in ihren jüngst erschienenen Aufsätzen die Rolle praktischen Wissens für die sozialwissenschaftliche Katastrophenforschung. Sie zeigt, dass die Generierung praktischen Regulierungswissens in der Katastrophenforschung nur teilweise gelang, denn dieses Ziel konfligierte mit den Vorstellungen einzelner Sozialwissenschaftler, die theoretischem Wissen einen höheren Wert zuschrieben als administrativen Handlungsanleitungen. Einen weiteren Grund für den prekären Status des sozialwissenschaftlichen Katastrophenwissens sieht sie darin, dass es nur ansatzweise in die Praxis umgesetzt werden konnte.[99]

Elizabeth Ann Weinberg hat 1974 eine grundlegende Studie zur Entwicklung der Soziologie in der Sowjetunion veröffentlicht, die sich ausschließlich auf publiziertes Quellenmaterial stützt.[100] 2004 wurde Weinbergs Buch neu aufgelegt, was die Qualität ihres Werks unterstreicht. Laut Weinberg bestand in der nach der Oktoberrevolution 1917 erfolgten Ausrichtung der russischen Soziologie auf die historisch-materialistische Weltauffassung ein grundsätzlicher Gegensatz zum Westen; nicht mehr eine als „bürgerlich“ apostrophierte Soziologie und Psychologie, sondern marxistische Theorie und sozialistische Entwicklung sollten gelehrt und die Forschungen russischer Sozialwissenschaftler danach ausgerichtet werden. Wie alle anderen Wissenschaften waren auch die Sozialwissenschaften in der Sowjetunion ausschließlich staatlich organisiert, und zwar in wissenschaftlichen Forschungsinstituten, Akademien und Universitäten. Private Wissenschaftsförderung, die schon in der Zarenzeit kaum bestanden hatte, war nach 1917 nicht mehr möglich.[101] Mit der kommunistischen Herrschaft gingen Zensurmaßnahmen einher, wie sie etwa der Petrograder Soziologe Pitirim Sorokin erfuhr, der 1922 aus der Sowjetunion verbannt wurde. 1923 emigrierte Sorokin in die Vereinigten Staaten, wo er zuerst an der University of Minnesota, dann in Harvard Karriere machte.[102]

Die Frage nach der Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens fällt für die Sowjetunion der 1920er- und 1930er-Jahre anders aus als für Westeuropa und die Vereinigten Staaten. Durch die Einverleibung der Sozialwissenschaften in die als per se wissenschaftlich gedachte marxistisch-leninistische Weltanschauung trug sozialwissenschaftliche Forschung zur Optimierung der sozialistischen Gesellschaft bei. Im Unterschied zum Westen implizierte die marxistisch-leninistische Soziologie von Anfang an einen von den Akteuren offen artikulierten erziehungspolitischen Auftrag. Daher erstaunt nicht, dass sich in der Forschungsliteratur nur wenige konkrete Fälle von Anwendung sozialwissenschaftlichen Wissens für politische Entscheidungen finden, denn Studenten der historisch-materialistischen Philosophie wurden größtenteils als Lehrer ausgebildet, um später die offizielle Staatsphilosophie zu vermitteln.[103] Bei dieser stark pädagogisch ausgerichteten Sozialphilosophie ging es um die Bearbeitung theoretischer Fragen, die im Rahmen der gesetzesorientierten Gesellschaftslehre des Marxismus-Leninismus aufgeworfen wurden; empirische Sozialforschung wie etwa die Erhebung statistischer Daten oder die Anwendung von Fragebogen- und Interviewtechniken wurde dagegen vernachlässigt. Weinberg meint, dass zwischen den mittleren 1930er-Jahren und der Mitte der 1950er-Jahre Soziologie als eigenständiges Fach in der sowjetischen Wissenschaftslandschaft nicht mehr existierte.[104] Ähnliches gilt für Psychologie und Psychoanalyse: die wissenschaftliche Beschäftigung mit „bürgerlichen“ Konzepten wie Freuds Psychoanalyse oder der Gestaltpsychologie konnte politische Repression und den Verlust der akademischen Position nach sich ziehen.[105] In eine ähnliche Richtung zielt ein 1988 erschienener Aufsatz von Liah Greenfield, in dem die Autorin darlegt, dass Soziologie in der Sowjetunion eine reine Sozialtechnologie im staatstragenden Sinne gewesen sei, die auf funktionalistische Instrumentalisierung der Soziologie für den Staatskommunismus abzielte.[106]

Dass der Zweite Weltkrieg einen ähnlichen „take off“-Effekt auf die Sozialwissenschaften in der Sowjetunion gehabt hätte wie im Westen, geht aus der Forschungsliteratur nicht hervor. Vielmehr gelten Stalins Tod 1953 und die auf dem 20. Parteikongress 1956 offiziell verkündete Distanzierung der sowjetischen Politik vom Stalinismus als ausschlaggebende Momente für die Renaissance der Soziologie und das Aufleben der empirischen Sozialforschung in der Sowjetunion.[107] Der siebte Weltkongress der internationalen Soziologengesellschaft in Varna, Bulgarien, vom 14.-19. September 1970 stellte, so Martine Mespoulet, einen symbolischen Moment für die Soziologen der Staaten hinter dem Eisernen Vorhang dar; erklärtes Ziel war einerseits, an den internationalen Forschungsstand anzuschließen, andererseits den Kollegen der westlich-kapitalistischen Ländern das Niveau theoretischer Arbeiten zu demonstrieren, das bis dahin in sozialistischen Ländern erreicht worden war.[108] Dies ändert in der Gesamtschau wenig an der Richtigkeit des von Nicholas DeWitt bereits 1955 festgestellten Befunds, dass die Sowjetunion im Vergleich zu den Vereinigten Staaten nur ein Zehntel der Studierenden in Sozialwissenschaften ausbildete.[109]

Dieses Narrativ wird in jüngst erschienenen Arbeiten zu anderen osteuropäischen Staaten unter sowjetischer Vorherrschaft wiederholt. So wurden die in der Zwischenkriegszeit eingerichteten Lehrstühle für Soziologie in Polen mit der Regierung Władysław Gomułkas ab 1948 wieder abgeschafft, und auch in Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei wurde die Soziologie unter sowjetischer Einflusssphäre unterdrückt. Einzig in Titos Jugoslawien, das stärkeren Widerstand gegen die sowjetischen Hegemonialansprüche zeigte, konnten sich die Sozialwissenschaften freier entfalten.[110] Die Beiträge von Małgorzata Mazurek zu Polen und Ioana Cîrstocea zu Rumänien in einem von Martine Mespoulet 2007 herausgegebenen Themenheft zeigen, dass ab etwa 1956 und dann vor allem in den 1960er-Jahren ein neuerlicher Anstieg soziologischer Forschung zu verzeichnen ist.[111] Bezogen auf die Soziologie der Arbeit und der Produktion existierten in Polen zum Beispiel auch Konvergenzen mit der US-amerikanischen Industriesoziologie, insbesondere bei der Anwendung dieses Wissens für die von Ost und West angestrebte Optimierung von Arbeits- und Produktionsprozessen. Mit der Renaissance der Soziologie in der Sowjetunion, die Mespoulet zwischen 1958 und 1972 ansetzt, ist ein Anstieg der empirischen Sozialforschung, etwa der Meinungsforschung, und eine thematische Öffnung zu verzeichnen, was auch zur Gründung von Instituten innerhalb der Akademie der Wissenschaften oder an den Universitäten führte. Diese Entwicklung stand im Zusammenhang mit der Einsicht der Parteifunktionäre, dass sozialwissenschaftliches Wissen zum besseren Funktionieren des sozialistischen Staats verwendet werden konnte. Diese Öffnung zog aber gleichzeitig auch das Misstrauen der Politiker auf sich, weshalb die soziologischen Akteure zwischen Parteikontrolle, empirischen Forschungsergebnissen und dem hegemonialen intellektuellen Anspruch des historischen Materialismus manövrieren mussten.[112] Dieser Befund scheint für alle Länder des „Ostblocks“ zu gelten; auch in Polen konnten sozialwissenschaftliche Zielsetzungen, Forschungsergebnisse und Parteiideologie nicht unter ein Gesamtkonzept gebracht werden.[113]

Einige Aufsätze eines von Paul Betts und Stephen A. Smith herausgegebenen Sammelbands behandeln die Renaissance der Religionssoziologie und Sozialpsychologie in der Sowjetunion, Polen, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und der DDR ab den mittleren 1950er-Jahren. Die beiden Fächer waren nach 1953 wieder relevant, weil den kommunistischen Funktionären bewusst wurde, dass ihre Säkularisierungspolitik nicht die von ihnen beabsichtigten Erfolge gezeitigt hatte. Religiöse Weltauffassungen und Praktiken waren tief in den Bevölkerungen der osteuropäischen Länder verankert, weshalb die sozialen Bedingungen und sozialpsychologischen Dispositionen von Religion erforscht und Möglichkeiten für ihre Integration in den sozialistischen Gesellschaftsentwurf gesucht werden sollten. Soziologisches und sozialpsychologisches Wissen über Religion war auch deshalb notwendig, weil religiöse Institutionen die Schwächen des Kommunismus für sich nutzten, wie dies die Forschungen am Zentrum für Soziologie in Bukarest darlegten.[114] In diesem Zusammenhang ist zudem ein Aufsatz Victoria Smolin-Rothrocks von 2014 über die soziologische Religionsforschung zu erwähnen, in dem die Autorin eine ähnliche Entwicklung für die Sowjetunion skizziert.[115] Ab den 1960er- und 1970er-Jahren begann das marxistisch-leninistische Interpretationsdogma in den Sozialwissenschaften osteuropäischer Staaten aufzubrechen, was die Rezeption von US-amerikanischen Ansätzen erleichterte. In diesem Kontext stand auch der Anstieg der empirischen Sozialforschung ab den 1960er-Jahren.[116] Die Forschungen zur Geschichte der Sozialwissenschaften in Osteuropa im Kalten Krieg stehen noch am Anfang, weitere Arbeiten, insbesondere wissenshistorischer Art, sind dringend notwendig.

Thomas Mergel stellt in einem Artikel zur Geschichte soziologischer Forschung über soziale Ungleichheit in der DDR fest, dass das von den Sozialwissenschaftlern generierte Wissen nur einem eingeweihten Kreis politischer Funktionäre zugänglich war und als streng vertraulich behandelt wurde. In der Anfangszeit der DDR galt die Soziologie aufgrund ihres gesellschaftskritischen Potentials als politisch unzuverlässige Wissenschaft, die hinter der marxistisch-leninistischen Philosophie zurückstehen musste. Sozialwissenschaftliche Anwendungsbereiche in der DDR waren bis in die 1960er-Jahre regimekonforme Ermittlungen des konsumtiven Bedarfs der Bevölkerung und industriesoziologische Untersuchungen, die Aufschlüsse über Rationalisierungsmaßnahmen oder Arbeitszufriedenheit erbrachten. Erst mit der Entstalinisierung verbesserten sich, so Mergel, die Bedingungen für soziologische Forschung. DDR-Funktionäre erkannten, dass soziologisches Wissen über etwa Bedürfnisse und Wertvorstellung der Bevölkerung zum reibungsloseren Funktionieren des Sozialismus beitragen konnte. Die DDR-Soziologie der 1960er-Jahre zog aus dieser Anwendung ihre Legitimation, blieb jedoch, wie Mergel betont, eine marginalisierte Wissenschaft.[117] Auch zu den Sozialwissenschaften in der DDR im Allgemeinen, zur Soziologie im Speziellen, liegen bisher zu wenige Detailstudien vor.

Gleichwohl die Wirtschaftswissenschaft in der Sowjetunion hinter der Politischen Wissenschaft und der Philosophie zurückstand[118], war die Umsetzung der Planwirtschaft zentrales Anliegen der Partei. Funktionäre und Wissenschaftler verknüpften die sozioökonomische eng mit der angestrebten technologischen Entwicklung, weshalb die Wirtschaftswissenschaft eine gewisse Prominenz genoss. In der Forschungsliteratur zur Geschichte der Wirtschaftswissenschaft in der Sowjetunion wird wiederholt konstatiert, dass die seit den frühen 1980er-Jahren intensivierte Technologisierung der Gesellschaft, insbesondere die rasant fortschreitende Digitaltechnologie, die starren zentralstaatlichen Planungsstrukturen derart herausgefordert hatte, dass der Sowjetstaat nicht mehr mithalten konnte.[119] Ein Forschungsbericht aus den Jahr 1990 stellt fest, dass die Sowjetunion zwar große Mengen an Geld in die Wirtschaftswissenschaft investiert hatte, die bürokratische, hierarchische und zentralistische Wissenschaftsorganisation und Planung der Wirtschaft jedoch Uniformität und Isolation mit sich brachte, was mit den seit den 1980er-Jahren massiv spürbaren ökonomischen und politischen Krisen hinterfragt wurde. Die Öffnung zum Westen hin mit Gorbatschows Programmen von Glasnost und Perestroika kam, so die Quintessenz des Berichts, zu spät.[120]

Im Gegensatz zur Soziologie wurde die Wirtschaftswissenschaft, insbesondere die Agrarwissenschaft, auch während der Herrschaft Stalins an Universitäten und Akademien gefördert, obwohl sie im Vergleich zu den Naturwissenschaften eine eher randständige Position einnahm. Nur acht von dreiunddreißig Universitäten besaßen Mitte der 1950er-Jahre eine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. Einig ist sich die Forschung darin, dass Stalins Herrschaft eine Abwanderung der wirtschaftswissenschaftlichen Intelligenz bewirkte, von der sich die Sowjetunion kaum mehr erholte.[121] So meint Peter C. Caldwell in einem Aufsatz, die „Geschichte der sozialistischen Wirtschaftswissenschaft unter Stalin ist eine von Repression und Mord auf der einen, Unterwürfigkeit und leeren Abstraktionen auf der anderen Seite“.[122] Loyale Wirtschaftsprofessoren in der Sowjetunion hatten laut Caldwell „in erster Linie eine propagandistische Funktion“. Die Praktiken der Planung und Betriebsführung waren „solche der Kontrolle und Herrschaft, nicht theoretisch geleitete, bewusst angestrebte Resultate der sozialistischen Planwirtschaft“.[123] Bisher weitgehend unbeleuchtet bleibt die Frage, in welchem Verhältnis die sozialistische Ökonomie zum sowjetischen Militärapparat stand. Allgemein müsste die Frage stärker ins Zentrum gerückt werden, ob auch für den „Ostblock“ von einem militärisch-technisch-wissenschaftlichen Komplex im Kalten Krieg gesprochen werden kann, zumal der Koreakrieg nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für die Sowjetunion der Auslöser eines wachsenden Einflusses des Militärapparats auf die Politik war, wie ein 2012 erschienener Aufsatz von Matthias Uhl zeigt.[124]

Die Forschungsliteratur konstatiert, dass auch in Ungarn und der DDR bis zu Stalins Tod kein eigenständiges Institut für Wirtschaftswissenschaft existierte, und auch die offizielle Statistik entstand in beiden Staaten erst ab 1952/1953.[125] Nicht zuletzt aufgrund wachsender Unzufriedenheit über den Konsumgütermangel in den sozialistischen Ländern, allen voran in der DDR, stieg die Zahl der Arbeiten zur sozialistischen Ökonomie ab diesem Zeitpunkt jedoch explosionsartig an. Vor allem ab den 1960er-Jahren mussten grundlegende Probleme angegangen werden wie etwa die Herausforderung komplexer Technologien, der wachsende Energiebedarf und die im Zuge der globalen Verflechtung angestiegene Dringlichkeit, sich mit den kapitalistischen Ökonomien auseinanderzusetzen.[126] Für Ungarn stellt Caldwell allerdings fest, dass nach der Lockerung der Repressionen durch die Parteifunktionäre einzig der Ökonom János Kornai ein Werk geschrieben hatte, das die sozialistische Planwirtschaft in Frage stellte: „Kornai ist somit die Ausnahme von der Regel, dass die Wirtschaftswissenschaftler im sowjetischen Herrschaftsbereich des Kalten Krieges kaum einen langfristigen Einfluss auf die allgemeine Entwicklung ihrer Disziplin hatten.“[127]

Sergei Alymov behandelt in einem Aufsatz von 2011 die Sozialanthropologie und Ethnografie in der Sowjetunion als weitere Felder angewandter sozialwissenschaftlicher Praxis. Seit den 1920er- und 1930er-Jahren untersuchten Sozialanthropologen zum Beispiel den bäuerlichen Alltag in den Kolchosen. Solche Studien gerieten in den 1950er-Jahren in die Kritik, weil sie allzu stark die Beständigkeit von Tradition und die verpasste Modernisierung der russischen Bauern ins Zentrum rückten, statt die sozialistische Kultur zu rühmen. Die modernisierende Wirkung von „Kulturnost“, also die auch auf dem Land betriebene sowjetische Kultur- und Bildungspolitik, sollte durch die ethnografische Forschung bestätigt werden. Die sowjetischen Ethnografen standen demnach zwischen zwei Polen: einerseits den Wünschen der kommunistischen Funktionären entgegenzukommen, indem sie die Effekte ihrer Kultur- und Bildungspolitik bei den Kolchosen positiv darstellten, andererseits durch ihr im Feld erhobenes Wissen auf dessen Defizite hinzuweisen.[128] Alymov legt dar, dass auch in der Ethnografie nach dem Tod Stalins ein Anstieg der Forschungen zu verzeichnen ist, zudem griff der sowjetische Staat wieder vermehrt auf ethnologische Expertisen zurück und ließ den Ethnologen mehr Freiraum für kritische Äußerungen gegenüber staatlichen Maßnahmen.[129]

2) Sozialwissenschaftliche Forschung als inter- und transdisziplinäre Praxis
Jamie Cohen-Cole hat in seinem viel beachteten Buch „The Open Mind“ herausgearbeitet, dass sich im Wissenschaftsfeld der Vereinigten Staaten während des New Deals die Ansicht verbreitete, Multimethodologie, disziplinäre Diversität und interdisziplinäre Verflechtung würden kreatives Denken fördern und seien mit demokratischer politischer Haltung verbunden. Im Rahmen des US-amerikanischen Kriegseinsatzes intensivierten sich interdisziplinäre Praxis sozialwissenschaftlicher Forschung und transdisziplinäre Zusammenarbeit mit Regierungsstellen und dem Militär. Im frühen Kalten Krieg wurden Inter- und Transdisziplinarität schließlich zum Gebot der Stunde, da diese Formen sozialwissenschaftlicher Praxis Innovation versprach.[130] David A. Hollinger zeigt, dass Inter- und Transdisziplinarität mit früheren einheitswissenschaftlichen Konzepten in einen historisch-epistemologischen Zusammenhang gesetzt werden müssen. In den 1920er- und 1930er-Jahren sollte etwa der Logische Positivismus Wiener Prägung einen Gegenpol zur ausgreifenden Fachspezialisierung in den Wissenschaften darstellen und gleichzeitig eine sozialdemokratische Haltung untermauern. Mit der Emigration vieler Vertreter dieses einheitswissenschaftlichen Entwurfs vermengte sich der Logische Positivismus mit den von Cohen-Cole beschriebenen inter- und transdisziplinären Ansätzen in den USA. Zu nennen ist hier an erster Stelle John Deweys pragmatische Sozialphilosophie.[131] Auch Hunter Heyck hat in seinem Buch „Age of Systems“ von 2015 dargelegt, dass in den 1940er-Jahren eine neue Generation von Sozialwissenschaftlern die Disziplinenlandschaft durch eine Neuordnung von Konzepten, Methoden, Forschungsinstrumenten, Praktiken und institutionellen Gefügen umwandelte. Diese disziplinäre Neustrukturierung sollte für die US-amerikanischen Sozialwissenschaften für die von Heyck als Ära der „High Modern Social Science“ bezeichneten Zeit von 1955 bis etwa 1970 charakteristisch sein.[132]

Der Zusammenhang zwischen epistemologischen Konzepten, ob einheitswissenschaftlich oder inter- und transdisziplinär, und demokratischer Haltung zeigte sich auch an den Forschungsprojekten, wie sie das Department für Sozialwissenschaften der UNESCO auf inter- und transnationaler Ebene durchführte, wie die 2016 abgeschlossene Dissertation von Martina Mösslinger darlegt.[133] Insofern spiegeln sich in den Sozialwissenschaften die neuen Praxisformen des US-amerikanischen Wissenschaftsfeldes im Kalten Krieg. Diese Praxisformen zeichneten sich durch ihre enge Verbindung mit Technik, Wirtschaft, Politik und Militär aus, was Kooperationen und inter- und transdisziplinäre, projektförmig organisierte Forschungen im Rahmen von Think Tanks und der sogenannten „Großforschung“ („Big Science“) nach sich zog.[134] Engerman spricht in diesem Zusammenhang von einer sich im frühen Kalten Krieg entwickelnden „Big Social Science“[135], ein Thema, das in der jüngsten Zeit vermehrt Aufmerksamkeit erfahren hat.

Zu dieser inter- und transdisziplinär organisierten „Big Social Science“, die Expertisen für außenpolitische und militärische Zwecke generierte, werden in der Forschungsliteratur folgende Institute gezählt: das Department of Social Relations an der Harvard University (DSR), an dessen Gründung unter anderem Talcott Parsons beteiligt war und an dem bedeutende US-amerikanische Soziologen wie Robert K. Merton arbeiteten[136], das MIT unter Federführung von Ithiel de Sola Price und dort vor allem das Center for International Studies (CENIS)[137], das von Paul Lazarsfeld gegründete Bureau of Applied Research an der Columbia University, das Institute for International Social Programs an der Princeton University unter Hadley Cantril[138] oder das 1954 von der Ford Foundation gegründete Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences an der Stanford University (CASBS).[139] Die bekanntesten, von Sozialwissenschaftlern dominierten Think Tanks in den Vereinigten Staaten waren das von der US-Army finanzierte Special Operations Research Office (SORO) und das Center for Research in Social Systems (CRESS), beide an der American University in Washington, D.C. angesiedelt[140], sowie die RAND (Research and Development) Corporation. Letztere ist die am besten erforschte Denkfabrik. Die RAND Corporation entstand 1948 als Non-Profit-Organisation mit Geldern der Ford Foundation aus dem Project RAND, das von der US-amerikanischen Luftwaffe finanziert worden war. Politikwissenschaftler, Linguisten, Ökonomen und Soziologen arbeiteten dort an interdisziplinären Systemanalysen, die als Grundlage von Prognosen für politisches Handeln dienten.[141] So arbeiteten zum Beispiel Sozialanthropologen an Analysen von Strukturen traditioneller thailändischer oder vietnamesischer Dörfer, untersuchten Kulturen im Himalaya und die soziale Organisation Japans.[142] Auch in der Bundesrepublik bildeten die Sozialwissenschaften den Überbau für inter- und transdisziplinäre Bestrebungen, was sich zum Beispiel an der Konzeption der Reformuniversität Bielefeld Ende der 1960er-Jahre durch den Soziologen Helmut Schelsky zeigt, der dort ein Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) gründete.[143]

Eine einheitswissenschaftliche, technokratisches Steuerungswissen versprechende und historiografisch relativ gut erforschte epistemische Modellierung, die im Kalten Krieg populär wurde, war die Kybernetik. Der US-amerikanische Mathematiker Norbert Wiener gilt als ihr Begründer, in der Forschungsliteratur werden die von der Josiah Macy Jr. Foundation finanzierten und von 1946 bis 1953 in New York und Princeton abgehaltenen Konferenzen über zirkuläre Kausalität und Feedback-Mechanismen als Gründungsmomente der Kybernetik aufgefasst. Anschluss fanden kybernetische Modelle an die Theorie sozialer Systeme, die Spieltheorie und den Behaviorismus.[144] Mit schillernden Begriffen wie ‚Information‘, ‚Kommunikation‘, ‚Rückkoppelung‘ und ‚Steuerung‘ entwickelten Kybernetiker ein Beschreibungsvokabular des technisch-wissenschaftlichen Zeitalters, so Michael Hagner, und strebten eine Neupositionierung des Menschen zwischen Technik, Information und sozialem System an.[145] Hagner betont für die Entwicklung der Kybernetik in Westdeutschland, dass hierbei ältere Konzepte der Philosophischen Anthropologie, wie sie Helmuth Plessner oder Arnold Gehlen entworfen hatten, aktualisiert und mit angloamerikanischen Ansätzen wie dem Strukturfunktionalismus amalgamiert wurden, was sich an Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme zeigen lässt.[146] Die Verschaltung sozialwissenschaftlicher Praxis und kybernetisch-gouvernementaler Steuerung wird auch daran deutlich, dass der Kybernetiker Wolfgang Deutsch 1977 Institutsdirektor am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung wurde.[147]

Auf sowjetischer Seite war der Marxismus-Leninismus in dem Sinne ein einheitswissenschaftliches Konzept, als dass alle Wissenschaften nach der Interpretationslogik des Basis/Überbau-Schemas und der Idee von Menschheitsgeschichte als Geschichte von Klassenkämpfen ausgerichtet werden sollten. An dieser Stelle muss konstatiert werden, dass detaillierte und wissenschaftshistorisch distanzierte Untersuchungen zur historischen Epistemologie des Marxismus-Leninismus über die üblichen ideologiekritischen Ansätze hinaus weitgehend fehlen. Die bisherige Forschungsliteratur stellt mehr oder weniger einheitlich fest, dass während der Herrschaft Stalins sozialwissenschaftliche Forschung nur noch im Rahmen des marxistisch-leninistischen Modells existierte, gleichwohl es sich bei den Forschungskonzepten sowjetischer und osteuropäischer Sozialwissenschaftler oft mehr um eine Namensänderung denn um einen tiefgehenden inhaltlichen Wandel handelte.[148] Mitte der 1950er-Jahre, unter anderem aufgrund des von Chruschtschow eingeleiteten „Tauwetters“, wurde auch in der Sowjetunion die Kybernetik zu einer wichtigen, weil Orientierungswissen bietenden Metawissenschaft, die „das gesamte Feld der Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften ins Feld der wissenschaftlich-mathematischen Objektivität zu überführen“ versprach, so Slava Gerovitch, der in seiner sprachgeschichtlichen Arbeit die Kybernetisierung wissenschaftlicher Diskurse als „Cyberspeak“ auffasst.[149] Kybernetisches Steuerungswissen griff in der Sowjetunion und in den Ländern ihres Einflussgebiets wie etwa Litauen tief in die staatliche Organisation und Planung ein. Eglė Rindzevičiute spricht gar von einer kybernetisch orientierten managerialen Planungsmentalität, die sich in den Ländern Osteuropas in den 1960er-Jahren etablierte.[150] Auch Gerovitch betont, dass im Osten die Kybernetik zu einer Regierungswissenschaft wurde, da sich Funktionäre von kybernetischen Modellen optimales Planungs- und Kontrollwissen versprachen.[151] Geoffrey C. Bowker hat Gerovitchs Buch „From Newspeak to Cyberspeak” von 2002 enthusiastisch rezensiert, merkt aber an, dass der Autor zu stark verallgemeinert, was darauf zurückzuführen sei, dass für die Sowjetunion und ihre Satelliten noch zu wenige Detailstudien vorliegen.[152]

Einheitswissenschaftliche und interdisziplinäre sozialwissenschaftliche Forschungskonzeptionen zerfielen im Westen, so Backhouse und Fontaine, ab spätestens den 1970er-Jahren und wurden von verstärkt disziplinär ausgerichteten Forschungspraktiken abgelöst. In der Wirtschaftswissenschaft zeigte sich diese Entwicklung an der Konjunktur individualistischer Perspektiven wie etwa des Marktliberalismus, der gesellschaftshistorische Kontexte ausblendet und stattdessen den einzelnen Akteur ins Zentrum stellt.[153] Für die Soviet Studies bestätigt Engerman diese Entwicklung: Die im frühen Kalten Krieg präferierte interdisziplinäre Forschungspraxis war ein kurzfristiges Phänomen und zerbrach an den disziplinären Identitäten der an der Formierung der Soviet Studies beteiligten Fächer. Die disziplinäre Organisationslogik der Universitäten und Akademien erwies sich als stärker und dauerhafter als interdisziplinäre Kooperationsformen.[154] Diese Entwicklung weist darauf hin, dass die Forderung nach Inter- und Transdisziplinarität, die von ganz unterschiedlichen, letztlich unvereinbaren gesellschaftlichen Positionen heraus formuliert wurde, nur in den ersten zwei Jahrzehnten des Kalten Kriegs Bestand hatte und ab den späten 1960er-Jahren allmählich aufgegeben wurde.

3) „Cold War Social Science“: Nomologisierung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisverfahren, Primat empirischer Sozialforschung und Theorieentwicklung
Schon Corinna Unger hat in einem 2006 erschienenen Aufsatz von einer „Cold War Science“ gesprochen.[155] In ihrem viel beachteten Buch haben Erickson und andere[156] darüber hinaus die These aufgestellt, dass sich in vielen Wissenschaften der Vereinigten Staaten von der Frühphase des Kalten Kriegs bis etwa Mitte der 1960er-Jahre eine spezifische „Cold War Rationality“ herausbildete. Folgende Merkmale kennzeichneten diese Rationalität des Kalten Kriegs: Menschliche Vernunft und subjektives Denken sollten durch eine mathematisierte und technische Rationalität ersetzt werden. John von Neumanns und Oskar Morgensterns Spieltheorie, der Behaviorismus und kybernetische Denkmodelle sind drei Beispiele hierfür. Damit im Zusammenhang stand, dass die „Cold War Rationality“ Methoden gegenüber Theorien allgemein den Vorzug gab. Erkenntnissysteme sollten empirisch abgesichert sein und auf mathematisch-logisch nachvollziehbaren Gedankengängen basieren. Damit konnten auch Theorien wie die Modernisierungstheorie dergestalt untermauert werden, dass ihre normativen Prämissen auf logisch ableitbaren, empirischen Erkenntnissen aufbauten.[157] Neuere Forschungen haben gezeigt, dass diese behavioristisch-gesetzesartige Verankerung der Modernisierungstheorie ihre in der angloamerikanischen Erfahrung der Gesellschaftsentwicklung liegenden Ursprünge verschleierten.[158]

Schon vor der Veröffentlichung des analytischen Konzepts der „Cold War Rationality“ warfen Solovey und Cravens in einem Sammelband von 2012[159] die Frage auf, ob für die Sozialwissenschaften von einer „Cold War Social Science“ gesprochen werden kann. Die These einer inhärenten Verbindung zwischen einer spezifischen Form sozialwissenschaftlicher Forschung und dem Systemantagonismus des Kalten Kriegs ist dabei heftig umstritten; dies zeigt sich daran, dass sowohl Mark Solovey als auch einer der Beiträger des Sammelbands, David Engerman, den analytischen Mehrwert einer Subsumierung der Sozialwissenschaften während des Kalten Kriegs unter das Label „Cold War Social Science“ stark in Zweifel ziehen.[160] Auch Michael D. Gordin hat in einem Interview von 2016 davor gewarnt, spezifische Wissenschaftskulturen zu eng mit den soziopolitischen und historischen Kontexten des Kalten Kriegs zu verschnüren, weil das analytische Konzept „Cold War Social Science“ eine Verengung der historiografischen Perspektive nach sich ziehen könnte, wodurch die Sozialwissenschaften im „Ostblock“ jeweils an diesem Interpretationsmuster gemessen würden.[161] So ist denn der Vorschlag einer „Cold War Rationality“ von Erickson und anderen, an dem auch Gordin beteiligt war, in der wissenschaftshistorischen und sozialwissenschaftlichen Fachgemeinschaft stark kritisiert worden, unter anderem von Joseph Agassi, der sowohl eine ungenaue Definition dessen, was sich die Autorinnen und Autoren unter ‚Rationalität’ vorstellen, anprangerte als auch kritisierte, dass die Verbindung einer spezifischen Rationalität mit „dem Kalten Krieg“ unklar bleibe, weil nicht deutlich wird, ob der Kalte Krieg als rein zeitliche Periodisierung aufgefasst wird oder als Epoche, die erst durch bestimmte Themen und Diskurse als solche erkennbar wird.[162] Gilman stellt in einem Rezensionsaufsatz von 2016 zudem heraus, dass die Behauptung eines inneren Zusammenhangs zwischen der antagonistischen Weltordnung und einer spezifischen Art von Sozialwissenschaften zu deterministisch angelegt sei und heute kaum mehr aufrechterhalten werden könne, zumal die Epochengrenzen des Kalten Kriegs 1945 und 1989-91 viel zu grob gefasst sind. Laut Gilman gehen viele der als spezifisch für den Kalten Krieg angesehenen sozialwissenschaftlichen Praktiken auf frühere Epochen zurück, etwa die 1920er- und 1930er-Jahre.[163] Ganz allgemein für das intellektuelle Feld der westlichen Welt im Kalten Krieg betont Gilman, dass sich bindende und homogenisierende Elemente vor allem in „the Long Fifties“ zeigten.[164]

Die teils heftige Kritik am Konzept einer „Cold War Rationality“ ist zwar berechtigt, dennoch beweist dieses Konzept für bestimmte Bereiche der Sozialwissenschaften seine Gültigkeit. Wie die „Cold War Rationality“ war auch die „Cold War Social Science“ von einer Mathematisierung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisverfahren geprägt. Sozialwissenschaftliches Wissen sollte sich auf diese Weise besser für politische oder wirtschaftliche Entscheidungen und Prognosen verwenden lassen. Weitere Merkmale der „Cold War Social Science“ waren der Primat empirischer Sozialforschung, der Einbau behavioristischer Modelle in sozialwissenschaftliche Erkenntnisverfahren und die Dominanz von Methoden über Theorien.

An der Geschichte der Wirtschaftswissenschaft im Kalten Krieg zeigen sich einige Merkmale der „Cold War Social Science“. Die Forschungsliteratur zum Thema ist sich darin einig, dass nach 1945 eine Mathematisierung der Wirtschaftswissenschaft stattgefunden hat. Roy E. Weintraub konstatiert, dass sich der Einbau mathematischer Modelle in die Wirtschaftswissenschaft während des Zweiten Weltkriegs intensivierte, was in der Trennung zwischen Wirtschaftswissenschaftlern mit einem Fokus auf mathematische Modelle und den klassischen Volkswirten resultierte.[165] In den 1950er-Jahren traten die „Formalisten“ ihren Siegeszug an, in den 1960er-Jahren schließlich hatte sich die Wirtschaftswissenschaft vollends gewandelt, sie „had become a science of building, calibrating, tuning, testing, and utilizing models constructed out of mathematical and statistical-economic-materials.“[166] Roger E. Backhouse und Mauro Bojanovsky weisen allerdings auch auf den forcierten Einbau theoretischer Modelle in die makroökonomische Praxis nach 1945 hin, was der analytische Ansatz der „Cold War Social Science“ bislang zu wenig berücksichtigt hat. Am Beispiel des ‚Allgemeinen Gleichgewichtsmodells‘ zeigen die beiden Autoren, dass sich ökonomisches Denken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in abstrakte Höhen verstieg: „formal axiomatic methods were used to analyze equilibrium in models with arbitrary numbers of agents and very general assumptions about technology and consumers‘ preferences“.[167] Die in den vergangenen Jahren zahlreich erschienenen Arbeiten zum Thema zeugen vom anhaltenden Interesse an der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft im Kalten Krieg, was unter anderem auf das Bedürfnis zurückzuführen ist, aktuelle ökonomische Krisenerscheinungen historisch-genealogisch zurückzuverfolgen.

Erweiterungsbedürftig ist die Vorstellung einer „Cold War Social Science“ demnach vor allem in Bezug auf die Dominanz von Methoden über Theorien, die so aus der Forschungsliteratur nicht bestätigt wird. Dass bereits 1951 der von den beiden US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons und Edward A. Shils herausgegebene wegweisende Sammelband „Toward a General Theory of Action“ mit dem Untertitel „Theoretical Foundations of the Social Sciences“ erschien[168], deutet darauf hin, dass soziologische Theorie schon zu Beginn des Kalten Kriegs wichtiger Bestandteil der „Cold War Social Science“ war. Ziel dieses von der Carnegie Corporation in New York finanzierten Projekts war laut Joel Isaac die Ausarbeitung und Formulierung eines abgesicherten Kategoriensystems für die Analyse sozialen Handelns, hinter dem vorgeblich beobachtbare, behavioristisch untermauerte „general laws of social relations“ standen.[169] In diese argumentative Richtung schlägt auch ein Beitrag von Christian Dayé von 2016, der nicht nur die Dominanz sozialempirischer Methodologie über eher qualitativ gebildete Theorie anzweifelt, sondern auch die in der Forschungsliteratur häufig anzutreffende Annahme in Frage stellt, die Sozialwissenschaften der 1950er- und 1960er-Jahre seien mehrheitlich einer positivistischen Erkenntnisweise gefolgt.[170]

Arbeit an der Theorie leisteten nicht nur US-amerikanische Sozialwissenschaftler, sondern auch westdeutsche Akteure. Helmut Schelsky, der sich in den 1950er-Jahren mit sozialempirischen Studien zur Wandlung westdeutscher Familienstrukturen und zur Jugend profilierte und zu dem in jüngster Zeit einige intellektuellenhistorische Arbeiten und Einführungen in sein Werk erschienen sind, hatte bereits Ende der 1940er-Jahre den Strukturfunktionalismus Bronislaw Malinowskis und Margaret Meads sowie die Arbeiten James Burnhams, Peter F. Druckers und William F. Ogburns in seine Soziologie als „Wirklichkeitswissenschaft“ eingebaut.[171] Die Rezeption des angelsächsischen Strukturfunktionalismus und der Systemtheorie Parsons‘ in die soziologische Theoriebildung der Bundesrepublik war dann auch Voraussetzung für die Entwicklung der Theorie sozialer Systeme Niklas Luhmanns, die juristische, strukturfunktionalistische und kybernetisch informierte Modelle mit genuin deutschen Ansätzen Max Webers und der Philosophischen Anthropologie verschaltete.

Gegen Parsons, Schelsky und Luhmann wurden in Deutschland Technokratievorwürfe erhoben, die mehrheitlich von Vertretern der „Frankfurter Schule“ kamen. Systemtheorie und Strukturfunktionalismus stießen ab den späten 1950er-Jahren verstärkt auf Kritik, so von Theodor W. Adorno, der solchen Theoriemodellen politische Willfährigkeit attestierte.[172] Seine Kritik spitzte sich im sogenannten „Positivismusstreit“ zu, einer Debatte, die zunächst zwischen Adorno und Karl Popper ausgetragen wurde und ab 1961 ihren Lauf nahm.[173] Der an Luhmann gerichtete Technokratievorwurf wurde 1969-1971 unter dem Stichwort „Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet die Systemforschung?“ diskutiert, wofür die Aktualisierung der kritischen Theorie durch die 68-Bewegung katalysierende Wirkung hatte.[174] Der „Positivismusstreit“ ist soziologiehistorisch gut aufgearbeitet, wobei insbesondere Hans-Joachim Dahms‘ 1994 erschienene Studie positiv hervorzuheben ist, weil er die Kontroverse historisch-genealogisch herleitet und auf diese Weise die den Streit umgebenden intellektuellen, politisch-ideologischen und sozialen Zusammenhänge aufzeigt. Für die Habermas-Luhmann-Debatte steht eine solch detaillierte Studie noch aus.

Dass ab den 1960er-Jahren offenbar Kontroversen um Theorien und das richtige Orientierungswissen für die westlichen Gesellschaften massiert auftraten, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die „Cold War Social Science“ bloß für die Frühphase des Kalten Kriegs das richtige Beschreibungsmodell ist. Überhaupt gehen Gilman und Dayé in Bezug auf die „Cold War Social Science“ eher davon aus, dass ein solches Analysekonzept, wenn überhaupt, weniger auf einer epistemologischen oder methodologischen Ebene anzusiedeln ist, sondern das Bindende und Homogenisierende der Sozialwissenschaften im Kalten Krieg eher kulturellen und politisch-ideologischen Ursprungs (Antikommunismus in unterschiedlich starken Varianten und ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis in der Gesellschaft) war.[175]

Die zunehmende Re-Politisierung der Sozialwissenschaften im Zuge von „68“, an der Sozialphilosophen wie Herbert Marcuse einen wesentlichen Anteil hatten, bildete eine Gegenbewegung zu der von Parsons, Schelsky und anderen betriebenen „Neutralisierung“ und Objektivierung sozialwissenschaftlichen Wissens durch Theoriearbeit. Die Geschichte der sozialwissenschaftlichen, insbesondere der soziologischen Theorieentwicklung ist bisher noch relativ unterforscht. Philipp Felschs auch in den populären Medien breit besprochenes Buch der „Der lange Sommer der Theorie“[176] ist ein erster Vorstoß in dieses Richtung und zeichnet sich dadurch aus, dass er Gesellschafts- und Zeitgeschichte mit Wissenschaftsgeschichte auf anschauliche Weise verbindet. Ansonsten gilt Thomas Mergels jüngst getroffene Feststellung, dass der Theorientransfer zwischen angloamerikanischen Ländern und den Ländern des europäischen Festlands weitgehend unerforscht ist.[177] Mit der Theoriearbeit waren wissenschaftliche wie politische Konflikte verbunden. Die Entwicklung der in den Studentenunruhen kondensierten Kritik an den damals herrschenden intellektuellen Meinungssystemen, insbesondere an der „Cold War Rationality“ und der „Cold War Social Science“, setzte in den frühen 1960er-Jahren ein und stand in der Bundesrepublik auch im Zusammenhang mit vergangenheitspolitischen Debatten, etwa der in den späten 1990er-Jahren vorgebrachten Kritik an der Totalitarismustheorie, die, so die Kritiker, die Verbrechen des Stalinismus mit denen des Nationalsozialismus gleichsetzen würde. Diese Kritik an der Totalitarismustheorie bildete auch den Hintergrund des „Historikerstreits“ von 1986, der durch Ernst Noltes Parallelisierung des „Rassenmords“ der Nationalsozialisten mit dem „Klassenmord“ unter Stalins Herrschaft ausgelöst wurde.[178]

Zur Entwicklung kritischer sozialwissenschaftlicher Ansätze sind in den letzten Jahren einige intellektuellengeschichtliche und fachhistorische Arbeiten erschienen. Zu nennen sind etwa die Wissenschaftsforschung oder Science Studies, die feministische Wissenschaftstheorie sowie postmoderne Weiterführungen poststrukturalistischer Ansätze. Die Arbeiten setzen für gewöhnlich mit der Historisierung Thomas S. Kuhns ein, der 1962 „The Structure of Scientific Revolutions“ publizierte, ein Werk, das als richtungsweisend für die Entwicklung der kritischen Wissenschaftsforschung angesehen wird.[179] 2012 sind in der Zeitschrift „Modern Intellectual History“ einige von Peter E. Gordon edierte kritische Aufsätze zu Kuhn, seiner intellektuellen Entwicklung und zur Rezeption seines Ansatzes erschienen.[180] Im Anschluss an Kuhn und in Absetzung von einer älteren, fortschrittsgläubigen Wissenschaftsgeschichte, die ähnlich eurozentrisch bestimmt war wie die Modernisierungstheorie, entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren mehrere programmartige Entwürfe dieser neuen, mehrheitlich soziologisch orientierten Wissenschaftsforschung, so etwa die „Edinburgher Schule“ von David Bloor, Barry Barnes, Harry Collins, Donald A. MacKenzie und John Henry mit ihrem „Strong Programme“ oder die ethnomethodologisch orientierten Laborstudien, für die Bruno Latour und Karin Knorr Cetina als wichtige Vertreter genannt werden können. Die entscheidende intellektuelle Position der neuen Wissenschaftsforschung war die Einsicht, dass wissenschaftliches Wissen eine soziale Konstruktion ist und nicht Resultat eines fortschreitenden Rationalisierungsprozesses, wie dies die „Cold War Rationality“ veranschlagte. Ein 2016 erschienener Sammelband über „Science Studies during the Cold War and Beyond“ versammelt Aufsätze, die die Wissenschaftsforschung und ihre Akteure historisieren.[181] Der Sammelband ist deshalb hervorzuheben, weil darin eine globale Perspektive über die Systemgrenzen hinaus eingenommen wird und daher auch Akteure aus Lateinamerika und China thematisiert werden.[182] In diesen Zusammenhang gehört auch die feministische Wissenschaftstheorie, die in den 1960er- und 1970er-Jahren eine marxistisch orientierte Herrschaftskritik formulierte, indem sie Wissenschaft und Technik als Instrumente männlicher Hegemoniebestrebungen ansah. Ende der 1980er-Jahre und vor dem Hintergrund des Second-Wave-Feminism verband sich die feministische Wissenschaftskritik durch Arbeiten von Autorinnen wie Evelyn Fox Keller, Londa Schiebinger, Donna Haraway und Sandra Harding mit der kritischen Wissenschaftsforschung, die sich dezidiert gegen eurozentrische Fortschrittsnarrative des frühen Kalten Kriegs wandte und dafür Ansätze wie ‚situiertes Wissen‘ und ‚feministischer Empirismus‘ entwickelte.[183] Wissenschaftshistorische Arbeiten zu diesen sehr jungen Themen existieren kaum, was mitunter daran liegt, dass die Mehrzahl der Akteure noch aktive Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler sind.

In der Forschungsliteratur werden die 1960er-Jahre als Aufbruchsjahrzehnt gesehen, auf das ein Jahrzehnt der Öffnung folgte, in dem Begriffe wie ‚Neutralität‘ und ‚Objektivität‘ kritisch auf ihre jeweilige herrschaftspolitische Situierung geprüft wurden. In diesem Zusammenhang stand auch die internationale Rezeption Norbert Elias‘ und Pierre Bourdieus, die als Reaktion auf den Kalten Krieg angesehen werden kann. Im Fall von Elias ist aufgrund seines Emigrantenschicksals von einer stark verspäteten Rezeption zu sprechen; rezeptionshistorisch ist Elias ein „Spätzünder“.[184] Marc Joly hat in seinem 2012 erschienen Buch für Frankreich eindrücklich dargestellt, dass es nach der Übersetzung von „Über den Prozess der Zivilisation“ (1939 erstmals erschienen) 1973 ins Französische einen „moment éliasien“ gab, im Zuge dessen insbesondere Historiker aus dem Umfeld der „Annales-Schule“ die Prozesssoziologie Elias‘ in ihre eigenen Ansätze aufnahmen.[185] Sowohl für Frankreich als auch für Deutschland gilt, dass insbesondere die 68er-Generation nebst Marx und Freud Elias für sich entdeckte, der aus ihrer Sicht eine Alternative zu den damals vorherrschenden konservativeren Ansätzen in Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft darstellte und zugleich half, die Denkfronten des Kalten Kriegs zu überwinden.[186] Im angelsächsischen Raum fand Elias‘ theoretischer Ansatz seit etwa den 1980er-Jahre breite Aufnahme. Dasselbe gilt für den jüngeren Bourdieu. Catherine Colliot-Thélène, Etienne François und Gunter Gebauer schreiben in der Einleitung zu ihrem Sammelband „Pierre Bourdieu. Deutsch-französische Perspektiven“ von 2005, dass kein „französischer Sozialwissenschaftler […] so schnell und so umfassend in Deutschland bekannt gemacht worden [ist] wie er, und dies ohne den Umweg über die USA“.[187] Auch in den angelsächsischen Ländern stieg die Bourdieu-Rezeption von 1980 bis 2007 rasant an, auch dort stand dieser Anstieg im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Kultursoziologie.[188] Die Mehrzahl der zu Elias und Bourdieu erschienenen Arbeiten sind biografisch-intellektuellengeschichtlicher Art oder Rezeptionsgeschichten und Einführungen in ihr Werk.[189] Die Bourdieu-Rezeption, wie auch diejenige Michel Foucaults, zeigt für die Sozialwissenschaften deutlich, dass sich im Laufe der 1970er-Jahre eine Distanzierung vom Strukturalismus und Systemdenken und eine Hinwendung zur poststrukturalistischen Kultursoziologie vollzog, die ins weitere Feld der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ausstrahlte und mit dem Begriff ‚Cultural Turn‘ bezeichnet wird. Weiterführend wäre die These zu verfolgen, ob diese in den 1970er- und 1980er-Jahren entstehenden Denkrichtungen nicht bereits das Ende des Kalten Kriegs vorweggenommen haben.

Cohen-Cole behandelt zwei weitere theoretische Ansätze, die Spieltheorie und die Kleingruppenforschung („Small Group Studies“), die in den US-amerikanischen Sozialwissenschaften im Kalten Krieg einer epistemischen Nomologisierung den Weg bereiteten und dabei halfen, „to erase distinctions between different forms and scales of social life.“[190] Die von Neumann und Morgenstern in die Wirtschaftswissenschaft eingeführte, sozialpsychologischen Überlegungen entsprungene Spieltheorie sollte das Verhalten des homo oeconomicus beschreiben und Prognosen für strategisches Handeln in wirtschaftlichen und militärisch-politischen Entscheidungssituationen und Konflikten erstellen.[191] Spieltheoretische Modelle wurden insbesondere in Think Tanks wie der RAND Corporation, des Institute for Defense Analyses (IDA), dem Office of Naval Research (ONR), der Weapons Systems Evaluation Group (WSEG) und ab 1962 des Center for Naval Analysis (CNA) angewandt.[192] Die von Psychologen, Soziologen und Politikwissenschaftlern betriebene Untersuchung kleiner Gruppen setzte die Untersuchungsobjekte in laborähnliche, von der realen Welt abgekoppelte Situationen. Die experimentelle Sozialpsychologie formulierte damit einen an den Naturwissenschaften orientierten universalen Geltungsanspruch des von ihr generierten Wissens.[193] Beide Ansätze zeichneten sich durch ähnliche Elemente aus: Erstens das hohe Abstraktionsniveau, auf dem ihre theoretischen Prämissen gelagert waren, zweitens die Herauslösung ihrer Untersuchungsgegenstände aus deren realweltlichen Kontexten.

Für die Länder östlich des Eisernen Vorhangs kann die „Cold War Social Science“ als Analysekonzept zwar nicht dieselbe Gültigkeit beanspruchen wie für die Vereinigten Staaten und Westeuropa, Ähnlichkeiten finden sich jedoch auch dort. Ein Beispiel ist wiederum die Spieltheorie, die auch in der Sowjetunion und anderen Ländern Osteuropas angewandt wurde. Harald Hagemann, Vadim Kufenko und Danila Raskov zeigen, dass spieltheoretische Überlegungen in der Sowjetunion ausgesprochen populär waren und bereits ab Mitte der 1950er-Jahre rezipiert wurden. Einer der ersten Wissenschaftler, die spieltheoretische Modellierungen entwickelten, war der russische Mathematiker Nikolay Vorob’ev.[194] Wie in den Vereinigten Staaten gab es auch im „Ostblock“ Think Tanks, die allerdings durchgehend staatlich organisiert waren, wie das in Leningrad 1961 eingerichtete Leiningradskoe Otdelenie Matematicheskogo Instituta (LOMI), die Fakultät für angewandte Mathematik und Kontrollprozesse an der Staatsuniversität in Leningrad, die ab 1969 ihre Arbeit aufnahm, und das 1976 gegründete Institut für Systemanalysen an der Russischen Akademie der Wissenschaften (ISA); sie waren die Hauptorte spieltheoretischer Theoriebildung und Simulation. Auch wenn keine vollständige Klarheit über das Ausmaß der Anwendung der Spieltheorie für militärisch-strategische Aufgaben besteht, kann doch festgehalten werden, dass spieltheoretische Modellierungen in die mathematische Entscheidungsvorbereitung und in die Medizin einflossen.[195] Darüber hinaus standen zahlreiche Spieltheoretiker im Dienst militärischer Einrichtungen wie etwa der Militärisch-Industriellen Kommission der UdSSR (VPK). Im Westen wie im Osten fungierte die Spieltheorie zudem als „tool for modeling strategic decision-making in international relations.“[196] Diese Arbeiten bergen erste Hinweise auf die oben aufgeworfene Frage nach der Existenz eines militärisch-technisch-wissenschaftlichen Komplexes auch in der Sowjetunion. Weitere Forschungen müssten hierzu größere Klarheit schaffen.

4) Geschichte der Sozialwissenschaften im Kalten Krieg als Verflechtungsgeschichte: Ost und West, Nord und Süd
Mit der neueren wissenshistorischen Perspektive um die Konzepte des zirkulierenden und nomadisierenden Wissens, des Wissenstransits und der kulturellen Übersetzung von Wissen[197] rücken auch Verflechtungsverhältnisse von Akteuren und Transferprozesse von Wissen über den Eisernen Vorhang hinweg stärker ins Blickfeld der Historiografie der Sozialwissenschaften im Kalten Krieg. Auch dieses Thema ist für die Natur- und Technikwissenschaften im Kalten Krieg besser erforscht als für die Sozialwissenschaften.[198] Die Forschungsliteratur zeigt, dass in den Natur- und Technikwissenschaften Verflechtungen auf mehreren Ebenen stattfanden: 1. Naturwissenschaftler in Ost und West nahmen die in Zeitschriften publizierten Arbeiten der jeweils anderen Seite zur Kenntnis. Zu diesem Zweck wurden eigens Institute zur Auswertung von Fachzeitschriften gegründet, Übersetzungsdienste hatten Konjunktur. Ein von der sowjetischen Akademie der Wissenschaften 1952 gegründetes Institut zählte 1960 20.000 Mitarbeiter, die Übersetzungen von Beiträgen aus 11.000 ausländischen Fachzeitschriften anfertigten.[199] In den Vereinigten Staaten stiegen die Ausgaben für Übersetzungen erst mit dem Sputnik-Schock 1957 an.[200] 2. Konferenzen, Austauschprogramme, Technikmessen und Ausstellungen waren wichtige Orte transnationaler Begegnungen, wobei die UNESCO eine zentrale Rolle spielte.[201] 3. Christopher D. Hollings führt weiter die persönlichen Kontakte und Freundschaften über den Eisernen Vorhang hinweg an, die einen transnationalen Wissenschaftsaustausch und Wissenstransfer ermöglichten.[202] Klaus Gestwa und Stefan Rohdewald konstatieren, dass solche Kontakte und Treffen zu einem Abbau des Misstrauens geführt hatten: „Das Eis der ideologischen Erstarrung taute zuerst in den akademischen Gelehrtenmilieus auf.“[203]

Für die Sozialwissenschaften im Kalten Krieg existieren nur wenige Verflechtungsgeschichten zwischen Ost und West, auch Zirkulationsprozesse sozialwissenschaftlichen Wissens sind bisher nur ansatzweise untersucht worden. Hervorzuheben ist ein von Johan Heilbron, Nicolas Guilhot und Laurent Jeanpierre 2008 publizierter Aufsatz, der programmatisch eine solche Verflechtungsperspektive für die zukünftige Historiografie der Sozialwissenschaften fordert, allerdings nicht explizit auf den Kalten Krieg fokussiert.[204] Einige jüngere Arbeiten haben in der Zwischenzeit eine transnationale Perspektive eingenommen, wobei angemerkt werden muss, dass der Forschungsstand zu den einzelnen Ländern ausgesprochen unterschiedlich ist. Antoni Sułek und Igor Czernecki untersuchen in ihren 2010 und 2013 erschienenen Aufsätzen die Kontakte polnischer Soziologen mit Sozialwissenschaftlern der Vereinigten Staaten seit dem späten 19. Jahrhundert, so etwa zwischen Ludwik Krzywicki und der Chicago School.[205] Die beiden Weltkriege unterbrachen die polnisch-amerikanischen Beziehungen in den Sozialwissenschaften und Stalins Herrschaft unterband dann bis in die mittleren 1950er-Jahre jegliche Wiederaufnahme von Kontakten. In den späten 1950er-Jahren nahmen zahlreiche polnische Sozialwissenschaftler an von der UNESCO organisierten internationalen Kongressen teil. Paul Lazarsfeld begann sich in dieser Zeit für die polnische Soziologie zu interessieren und reiste mit Unterstützung der Ford Foundation 1957 und 1958 nach Polen, um soziologische Institute zu besuchen und neue Kontakte zu polnischen Soziologen zu knüpfen. Die Ford Foundation richtete eine Zweigstelle in Polen ein, schickte soziologische Bücher von amerikanischen Autoren nach Polen und bot polnischen Soziologen Stipendien an, um die Vereinigten Staaten zu besuchen. Diese Wissenschaftspolitik stand im Zeichen der Bekämpfung leninistisch-marxistischer Ideologie, und auch Lazarsfeld sah die Mehrzahl der polnischen Soziologen als Sozialdemokraten, die vor dem Zugriff kommunistischer Parteipolitik geschützt werden sollten. Die Kulturpolitik der Ford Foundation hatte allerdings nicht lange Bestand, denn ab 1963 schlug die polnische Regierung einen anderen Kurs ein und schränkte die Einreisemöglichkeiten von Amerikanern wieder stark ein.[206] Stefan Nowak, ein Schüler Stanisław Ossowskis, erwies sich beim amerikanisch-polnischen Transfer sozialwissenschaftlichen Wissens als Schlüsselfigur. Nowak importierte Lazarsfelds Survey-Methoden nach Polen und publizierte 1958 „the first modern sociological survey in Poland“, wobei der von Paul Lazarsfeld und Morris Rosenberg herausgegebene Sammelband „Language of Social Research“ (1955) für diese Studie ausschlaggebend war.[207] Nowak wurde zu einem maßgebenden Popularisierer US-amerikanischer Methoden der empirischen Sozialforschung in Polen.[208] Sułek zeigt überzeugend, dass die polnischen Soziologen nicht nur „merely leaners coming from a faraway country but sometimes also intellectual partners” waren; sie brachten ihren US-amerikanischen Kollegen sogar auch historisch-materialistische Theorie näher.[209]

Monika Black legt in einem Aufsatz dar[210], dass west- und ostdeutsche Mediziner, Kriminologen, Ethnografen und Soziologen im Kampf gegen Aberglauben und pseudomedizinische Praktiken in den 1950er- und 1960er-Jahren zusammenarbeiteten. Am Beispiel des westdeutschen Johann Kruse und des in der DDR agierenden Otto Prokop zeigt Black, dass Kruse auf Konferenzen in die DDR eingeladen wurde. Als Folge der engen Zusammenarbeit zwischen Kruse und Prokop entstanden sehr ähnliche sozialpsychologische Konzepte auf beiden Seiten des geteilten Deutschlands, um den Aberglauben in der Bevölkerung zu bekämpfen.

2016 ist ein von Ivan Boldyrev und Olessia Kirtchik herausgegebenes Themenheft erschienen, das nicht nur die Sozialwissenschaften im Kalten Krieg zwischen Ost und West symmetrisch behandelt, sondern dezidiert die Netzwerke und Kontakte der Akteure über den Eisernen Vorhang hinweg thematisiert. In ihrem einleitenden Artikel stellen sie fest, dass eine grundlegende Aufgabe einer transnationalen Geschichte der Sozialwissenschaften zunächst darin besteht, das Isolationsnarrativ sozialwissenschaftlicher Forschung in den Staaten des „Ostblocks“ aufzugeben, es zu „entorientalisieren“ und entnationalisieren, was mit der seit einigen Jahren erfolgten Öffnung der entsprechenden Archive möglich geworden ist.[211] Benno Nietzel zeigt für die Kommunikationsforschung, dass diese Disziplin in Ost und West aufgrund des unterschiedlichen Verhältnisses von Kommunikationsforschung und Propaganda und Massenkommunikation letztlich inkompatibel blieb, gleichwohl zunächst Ähnlichkeiten aufgrund von Kooperationen bestanden. In eine ähnliche Richtung geht Jens Gieseke mit seinem Beitrag zur Meinungsforschung in der DDR und der BRD: Während die Meinungsforschung in Westdeutschland öffentliches Wissen generierte, blieb sie im Osten, wie die Soziologie auch sonst, geheimes Regierungswissen. Zudem bescherte die Meinungsforschung dem SED-Regime unangenehme Befunde, was ein Grund für ihren prekären Status in der DDR war.[212] Ioana Popa behandelt transnationale Netzwerke zwischen Ost und West am Beispiel des Programms für Regionalstudien verschiedener Weltregionen, das Mitte der 1950er-Jahre im Rahmen der sechsten Sektion der École Pratique des Hautes Études (EPHE) in Paris gegründet wurde, während Simo Mikkonen Finnland als Mediationsort westlichen und sowjetischen Wissenstransfers herausstellt, gleichwohl dieser Transfer in den Natur- und Technikwissenschaften ausgeprägter war als in den Sozialwissenschaften. Matthias Duller behandelt das International Institute for Applied Systems Analysis (IIAS) in Österreich, das, initiiert von den Regierungen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, speziell für den Zweck akademischer Kooperation zwischen Ost und West geschaffen wurde und an dem Forscherinnen und Forscher aus zwölf Ländern von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs arbeiteten. Zum IIAS hat auch Eglė Rindzevičiute in ihrem neuesten Buch von 2016 gearbeitet. Sie arbeitet heraus, dass sich ab den 1970er-Jahren Vernetzungen zwischen Ost und West durch methodologische Konvergenzen ergaben, insbesondere durch naturwissenschaftlich orientierte Modelle systemtheoretischer Regulierung, Global Governance und Computertechnologie.[213] Alle erwähnten Arbeiten stellen Momente der Konvergenz, der Übersetzung und Homologien in den Vordergrund und betonen die vermittelnde und vernetzende Rolle innereuropäischer Akteure, zeigen aber auch die fortwährend bestehenden Reibungsflächen zwischen politisch-ideologischen und wissenschaftlichen Zielsetzungen.[214]

Vielfältige Kontakte und eine weit reichende Wissenszirkulation lassen sich auch für die Kybernetik und die Spieltheorie anführen, ein Thema, das relativ gut erforscht ist, gleichwohl die Kybernetik als Orientierung stiftendes einheitswissenschaftliches Konzept weit über die Sozialwissenschaften im engeren Sinne hinausging. Sowjetische Spieltheoretiker hatten in der öffentlichen Staatsbibliothek der Akademie der Wissenschaften Zugang zu den neuesten Büchern und Zeitschriftenaufsätzen, ab den späten 1960er-Jahren trafen sie sich mit ihren westlichen Kollegen auf Konferenzen. Die erste Konferenz fand 1968 statt, die zweite 1971 in Litauen, an der auch Oskar Morgenstern einen Vortrag hielt.[215] Auch für das Thema der Verflechtung sozialwissenschaftlicher Akteure und der Zirkulation sozialwissenschaftlichen Wissens ist sich die Forschungsliteratur darin einig, dass durch die Herrschaft Stalins, während der Kontakte zum Westen kaum möglich waren, die osteuropäischen, vor allem aber die sowjetischen, gegenüber den westlichen Sozialwissenschaften so massiv ins Hintertreffen geraten waren, dass der dadurch verursachte Rückstand in den Jahrzehnten nach Stalins Tod nicht mehr aufgeholt werden konnte. Diese Sichtweise gilt es durch künftige Forschungen zu hinterfragen, denn die zahlreichen Arbeiten zur Geschichte der Wissenschaften in autokratischen Systemen, vor allem aber im NS-Regime, haben gezeigt, dass Spitzenforschung in Diktaturen sehr wohl möglich ist.[216]

Verflechtungen zwischen sozialwissenschaftlichen Akteuren und Institutionen und Zirkulationsbewegungen sozialwissenschaftlichen Wissens gab es nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und Süd. Odd Arne Westad hält fest, dass der US-amerikanische und der sowjetische Interventionismus die Staaten der „Dritten Welt“ – ein Terminus, der ab den mittleren 1950er-Jahren Eingang in die Diskurse des Kalten Kriegs fand – in der einen oder anderen Weise zu ihren Verbündeten oder Gegnern machte. „Dritte Welt“ bezeichnete diejenigen Länder Lateinamerikas, Afrikas und Asiens, die vormals in kolonialer oder halbkolonialer Abhängigkeit zu Europa, den Vereinigten Staaten und Russland standen.[217] Allerdings darf bei der Verflechtung zwischen nördlicher und südlicher Hemisphäre nicht der Eindruck einer relativen Symmetrie erweckt werden. Ein 2013 von George Steinmetz herausgegebener Sammelband thematisiert unter anderem den Zusammenhang zwischen Soziologie und postkolonialem Erbe respektive die Rolle der Sozialwissenschaften im kolonialen Imperialismus. Steinmetz macht in seinem historiografiegeschichtlichen Aufsatz deutlich, dass die Zirkulation von Wissen je nach Herrschaftsgefälle und Aufgabenstellung ausgesprochen ungleich sein konnte, sodass mehr von einem Ausbeutungsregime gesprochen werden muss denn von einem gleichwertigen Austausch, was sich am Beispiel der Modernisierungstheorie besonders gut zeigen lässt.[218]

Price behandelt in seiner Untersuchung der US-amerikanischen Sozialanthropologie im Kalten Krieg zahlreiche US-amerikanische Ethnologinnen und Ethnologen, die unter anderem mit Unterstützung der RAND Corporation Studien von Dorfstrukturen in Lateinamerika und Asien durchführten. Hinter diesen Studien stand nicht zuletzt das Ziel, Wissen über Sozialstrukturen zu generieren, das die CIA für die Bekämpfung und Niederschlagung von Aufständen verwenden konnte.[219] Inspiriert von modernisierungstheoretischen Prämissen und von Erfahrungen im „Social Engineering“ aus der Zeit des New Deal trugen westliche Sozialwissenschaftler auf diese Weise zur Etablierung der Entwicklungswissenschaft bei, die makroökonomisches, sozialmedizinisches oder strukturfunktionalistisches Wissen in Prozesse globaler Entwicklungshilfe einbauen sollte.[220] In seiner durchaus kritisch besprochenen Zürcher Habilitationsschrift stellt Daniel Speich Chassé diese entwicklungswissenschaftlichen und -politischen Diskurse in den Zusammenhang mit dem von Weltbank, Währungsfonds und anderen Organisationen vorgetragenen zentralen Thema der „globalen Ungleichheit“.[221] Globale Ungleichheit verbindet Speich Chassé mit dem zahlenmäßigen Vergleich von Volkswirtschaften nach ihrem Bruttosozialprodukt und zeigt, dass diese aus der quantifizierenden Makroökonomie stammende analytische Kategorie, die globale Statistik und die darauf bauende gesamtwirtschaftliche Abstraktion also, weltwirtschaftliche Ungleichheit nicht einfach nur darstellte, sondern auch zu deren Konstruktion beitrug.

In ihrem umfassenden und mittlerweile zum State of the Art gehörenden Band über die „Modern Social Sciences“ von 2008 versammeln Porter und Ross einige Aufsätze zu den Sozialwissenschaften Lateinamerikas, den Ländern des afrikanischen Kontinents, Indiens, Chinas und Japans.[222] Für Lateinamerika, Afrika und Indien kann festgehalten werden, dass die Historiografie grundsätzlich dem Narrativ folgt, sozialwissenschaftliches Wissen sei von Europa, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten in die betreffenden Länder transferiert worden. Danach gelangten während der Kolonialzeit sozialwissenschaftliche Theorien und Methoden in die Länder der „Dritten Welt“, wurden von den dort ansässigen Eliten aufgenommen, deren Vertreter in der Regel an Universitäten Großbritanniens oder der Vereinigten Staaten studierten, um ab den 1950er- und 1960er-Jahren, als die betreffenden Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten, sozialwissenschaftliches Wissen für politisch-emanzipative Bestrebungen zu funktionalisieren. Sozialwissenschaften, oft marxistisch orientiert, gelten in diesem Narrativ als tendenziell herrschaftskritisch. In Marokko zum Beispiel wurden die Sozialwissenschaften ab den frühen 1970er-Jahren im Kontext des Westsaharakonflikts aus den Universitäten verbannt.[223] Einig sind sich diese Arbeiten einerseits darin, dass in den 1950er- und 1960er-Jahren die Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle beim Ausbau des Bildungssystems in den afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern spielten. Bestes Beispiel hierfür ist Norbert Elias, der von 1962 bis 1964 an der University of Ghana in Legon, Accra, lehrte, wo er das Department of Sociology aufbauen half.[224] Andererseits wird die Dominanz des angloamerikanischen Strukturfunktionalismus in den 1950er-Jahren hervorgehoben, der spätestens in den 1970er-Jahren von der Entwicklungsökonomie abgelöst wurde.

Anders verhält sich die Situation in China und Japan. Die Sozialwissenschaften in China haben eine kurze Geschichte, da sie in der Volksrepublik von 1952 bis Ende der 1970er-Jahre offiziell nicht existierten. Sie galten als regimekritisch und bürgerlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre nur in Taiwan und Hong Kong praktiziert. Sozialwissenschaftler aus Taiwan oder Hong Kong studierten oft an US-amerikanischen oder englischen Hochschulen, weshalb die Dominanz angloamerikanischer Ansätze in den 1970er-Jahren wenig erstaunt. Ab den späten 1980er- und den frühen 1990er-Jahren erfuhr dann vor allem die empirische Sozialforschung starken Aufwind.[225] Nochmals anderes erzählen die wenigen Arbeiten zur Geschichte der Sozialwissenschaften für Japan. Japan war der erste Staat Asiens, der eine Modernisierung im westlichen Sinne vorantrieb. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fanden Arbeiten westlicher Soziologen Eingang in die japanische Wissenskultur, wobei vor allem administrative Techniken und Herrschaftswissen im Sinne der Staatslehre rezipiert wurden. Im Kalten Krieg beschäftigten sich japanische Sozialwissenschaftler mit der ökonomischen Modernisierungstheorie, im späten Kalten Krieg wurde diese modernisierungstheoretische Fokussierung durch neuere kultursoziologische Ansätze abgelöst.[226]

Forschungsdesiderata und Ausblick
Im Anschluss an die Verflechtungsgeschichten sozialwissenschaftlicher Akteure und Zirkulationsprozesse von Methoden und Theorien zwischen Ost und West sowie Nord und Süd ist festzuhalten, dass nur wenige Studien sozialwissenschaftliche Konzepte, Ideen oder bestimmte Diskurse ins Zentrum stellen und diese dann in transnationaler Perspektive analysieren, und zwar nicht nur innereuropäisch oder zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, sondern auf globaler Ebene. Ein von Jenny Andersson und Eglė Rindzevičiute herausgegebener Sammelband zum Konzept der Zukunft, das Futurologie, Umwelt- und Entwicklungswissenschaft, Makroökonomie, apokalyptisches Denken oder Prognostik gleichermaßen berührt und dabei transnationale Wissenschaftsgeschichte mit globaler Wissensgeschichte verbindet, kann hier als Vorbild dienen.[227] Eine solche Perspektive konsequent einzuhalten, stellt eine große Herausforderung an die Organisation der Forschungspraxis dar, denn sie erfordert die Beherrschung mehrerer Sprachen, die Fähigkeit der Übersetzung und Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern aus anderen Wissenschaftskulturen und bedarf der fortwährenden Diskussion, um zu verhindern, unbeabsichtigt in westlich zentrierte Narrative zu fallen. Zukünftige Studien müssten also nicht nur den Wissenstransfer von West nach Ost und von Nord nach Süd aufzeigen, sondern mit postkolonial-kritischer Perspektive den umgekehrten Weg sozialwissenschaftlichen Wissens und die daraus resultierenden Transformationsprozesse darstellen.[228] Hierbei würde zweifelsohne die Frage im Zentrum stehen, ob die Sozialwissenschaften als westliches epistemisches Konzept gelten sollen oder ob es nicht sinnvoller wäre, nach epistemisch-strukturellen Ähnlichkeiten oder Verwandtschaften in den Wissenskulturen nichtwestlicher Länder zu fragen, um von Westen nach Osten, Norden nach Süden verlaufende Transfernarrative aufzubrechen. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die Rolle der Sozialwissenschaften bei der Entwicklung von Global Science, etwa Umwelt- und Bevölkerungswissenschaften, noch zu wenig untersucht wurde, genauso wie die Wissensflüsse innerhalb des globalen Südens unterbelichtet sind.[229]

Ein weiterer bisher wenig erforschter Problemkreis ist die Frage nach der Gewichtung von liberal-kapitalistischen und kommunistisch-sozialistischen Ideologemen im sozialwissenschaftlichen Wissen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Die Forschungsliteratur zur Sowjetunion und zu den osteuropäischen Ländern geht einhellig davon aus, dass soziologische „Beschreibungen der sozialistischen Gesellschaft […] immer schon politisch vorgeformt [waren]“ und sich deshalb einem „sich theoretisch gebenden, tatsächlich aber politisch vindizierten Geltungsmodus zu unterwerfen“ hatten.[230] Auf der anderen Seite existieren zwar ideologiekritische Arbeiten zur Wissensproduktion in liberal-kapitalistischen Gesellschaften und zum Verhältnis von nachkolonialem Hegemonieanspruch und demokratischer Missionierung. In vielen Arbeiten wird aber deutlich, dass die Öffnung der Sozialwissenschaften im „Ostblock“ mit der Schwächung des Marxismus-Leninismus als wissenschaftliche Weltanschauung einerseits, der Aufnahme der empirischen Sozialforschung andererseits korreliert wird. Dass die empirische Sozialforschung selbst Ideologeme beinhaltete, wird kaum thematisiert, genauso wenig wie der historische Materialismus epistemisch für voll genommen wird. Die Beiträge eines von Ilona Pálné Kovács und Dagmar Kutsar herausgegebenen Sammelbands stellen die Vorstellung von einem „catching up“, einem Aufholen der Sozialwissenschaften in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang nach dessen Fall auf den Stand der westlichen Sozialwissenschaften zu Recht in Frage.[231] Sarah Igo hat in diesem Zusammenhang mit ihrer ideologiekritischen Studie zur statistisch-quantitativen Konstruktion von Durchschnittswerten in der US-amerikanischen Gesellschaft einen Anfang gemacht.[232]

Daran schließen Arbeiten an, die sozialwissenschaftliche Praktiken und neuere Ansätze der kulturwissenschaftlichen Mediengeschichte des Kalten Kriegs stärker berücksichtigen. Ähnlich wie Igo hat Kerstin Brückweh die Materialität von Fragebögen und Interviewtechniken kritisch analysiert und sie wissenshistorisch in die soziokulturellen und politischen Entstehungskontexte gesetzt. „Umfragen“, so Brückweh, spiegelten „nicht wirklich die Meinung der Befragten“, sondern generierten „vielmehr aufgrund vorgegebener Fragen Meinungen“.[233] Mit einer historisch-epistemologischen Herangehensweise untersuchen auch die Beiträge eines von Charles Camic, Neil Gross und Michèle Lamont herausgegebenen Sammelbands die Praxis der Wissensgenerierung in den Sozialwissenschaften.[234] Spezifisch sozialwissenschaftliche Aufschreibsysteme, ein Ansatz, der in den letzten Jahren in der Historiografie natur- und technikwissenschaftlicher Praktiken zunehmend wichtiger geworden ist, thematisiert Rebecca Lemov in ihrem 2015 erschienenen Buch über die sozialwissenschaftliche Katalogisierungspraxis bei Datenbanken.[235] Diese Ansätze werden in Zukunft weiterzuführen sein und müssen insbesondere auf die Denksysteme des Kalten Kriegs bezogen werden.

Ein weiteres Desiderat besteht schließlich darin, dass die Geschichte der Sozialwissenschaften in den 1950er- und 1960er-Jahren relativ gut erforscht ist, die Erforschung der Sozialwissenschaften in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten dagegen erst in den Anfängen steckt. Diese ungleiche Forschungslage ist zweifellos damit verbunden, dass zahlreiche Akteure, die in den 1970er- und 1980er-Jahren wichtige Impulsgeberinnen und Impulsgeber für die Sozialwissenschaften waren, entweder noch leben oder sogar noch aktive Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler sind und eine Historisierung ihrer selbst deshalb kaum möglich ist. Zukünftige Forschungen müssen sich mit dieser Problematik auseinandersetzen und einen Weg finden, wie trotz des Vetorechts der Akteure kritische Geschichten der Sozialwissenschaften in den Spätphasen des Kalten Kriegs geschrieben werden können.

Damit soll noch ein letzter Punkt angesprochen werden: die in der Forschungsliteratur bisher nicht geklärte Frage, ob das Konzept der „Cold War Social Science“ analytisch tragfähig ist. Ist der Kalte Krieg als eine historische Epoche anzusehen, die durch spezifische sozialwissenschaftliche Themen und Diskurse gekennzeichnet war, oder wäre er besser nur als eine rein zeitliche Epochenbezeichnung aufzufassen? Falls letzteres zutrifft, sollte von einer „Geschichte der Sozialwissenschaften von 1947 bis 1989/91“ gesprochen werden. Weitere Forschungen könnten detaillierter zeigen, welchen Einfluss verschiedene Aspekte der politisch-ideologischen, ökonomischen und sozialen Konstellationen des Kalten Kriegs auf die Generierung sozialwissenschaftlichen Wissens hatten.

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Fußnoten

Anmerkungen:
[1] Der Autor dankt Ruben Hackler und Torsten Kahlert für die ausgezeichnete Betreuung bei H-Soz-Kult sowie drei anonymen und wohlwollenden Gutachterinnen und Gutachtern, deren Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge und Kritik ausgesprochen hilfreich waren.
[2] Vgl. John Lewis Gaddis, Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte, München 2007; Bernd Stöver, Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991, München 2007; Odd Arne Westad, The Cold War and the International History of the Twentieth Century, in: Melvyn P. Leffler / Ders. (Hrsg.), The Cambridge History of the Cold War, Bd. 1: Origins, Cambridge 2010, S. 1-19, hier: S. 3-4.
[3] So Patrick Bernhard / Holger Nehring (Hrsg.), Den Kalten Krieg denken. Beiträge zur sozialen Ideengeschichte seit 1945 (Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung, Bd. 19), Essen 2014; David Eugster / Sibylle Marti (Hrsg.), Das Imaginäre des Kalten Krieges. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Ost-West-Konfliktes (Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung, Bd. 21), Essen 2015.
[4] Vgl. Peter Weingart, Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft, Göttingen 2001; Ders. / Martin Carrier / Wolfgang Krohn, Nachrichten aus der Wissensgesellschaft. Analysen zur Veränderung der Wissenschaft, Weilerswist 2007. Vgl. Lutz Raphael, Die Verwissenschaftlichung des Sozialen als methodische und konzeptionelle Herausforderung für eine Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft 22,2 (1996), S. 165-193.
[5] Bernd Greiner, Macht und Geist im Kalten Krieg. Bilanz und Ausblick, in: Ders. / Tim B. Müller / Claudia Weber (Hrsg.), Macht und Geist im Kalten Krieg (Studien zum Kalten Krieg, Bd. 5), Hamburg 2011, S. 7-27, hier: S. 9.
[6] Greiner, Macht und Geist im Kalten Krieg, S. 9. Vgl. Christopher Simpson (Hrsg.), Universities and Empires. Money and Politics in the Social Sciences during the Cold War, New York 1998.
[7] Naomi Oreskes / John Krige (Hrsg.), Science and Technology in the Global Cold War, Cambridge, Mass. 2014.
[8] Vgl. Paul Forman, Behind Quantum Electronics. National Security as Basis for Physical Research in the United States, 1940-1960, in: Historical Studies in the Physical and Biological Sciences 18,1 (1987), S. 149-229; Rebecca S. Lowen, Creating the Cold War University. The Transformation of Stanford, Berkeley 1997.
[9] Einen Überblick über die Forschungsliteratur zur Geschichte der Sozialwissenschaften im Westen bis 2010 gibt David C. Engerman, Social Science in the Cold War, in: Isis 101,2 (2010), S. 393-400.
[10] Roger E. Backhouse und Philippe Fontaine verstehen unter ‚Social Sciences‘ Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialanthropologie und Humangeografie, Theodore M. Porter und Dorothy Ross fügen noch die Statistik hinzu. Vgl. Roger E. Backhouse / Philippe Fontaine, Introduction (a), in: Dies. (Hrsg.), History of the Social Sciences since 1945, Cambridge 2010, S. 1-15, hier: S. 3-5; Theodore M. Porter / Dorothy Ross (Hrsg.), The Cambridge History of Science, Bd. 7: The Modern Social Sciences, Cambridge 2008. Vgl. dazu Roberto Sala, Die Karriere eines erfolgreichen Konstrukts. Die Genese der „Sozialwissenschaften“ in Deutschland und den USA, in: Christiane Reinecke / Thomas Mergel (Hrsg.), Das Soziale ordnen. Sozialwissenschaften und gesellschaftliche Ungleichheit im 20. Jahrhundert (Eigene und fremde Welten. Repräsentationen sozialer Ordnung im Wandel, Bd. 27), Frankfurt am Main 2012, S. 253-280, hier: S. 261-262. Eine nochmals andere Definition findet sich in Mark Solovey, Cold War Social Science. Specter, Reality, or Useful Concept?, in: Ders. / Hamilton Cravens (Hrsg.), Cold War Social Science. Knowledge Production, Liberal Democracy, and Human Nature, New York 2012, S. 1-22, hier: S. 6-7.
[11] Wolf Lepenies, Die drei Kulturen. Soziologie zwischen Literatur und Wissenschaft, München 1985; Bernhard Schäfers, Sozialgeschichte der Soziologie. Die Entwicklung der soziologischen Theorie seit der Doppelrevolution, Wiesbaden 2016, S. 15-24.
[12] Katharina Neef, Die Entstehung der Soziologie aus der Sozialreform. Eine Fachgeschichte, Frankfurt am Main 2012.
[13] Solovey / Cravens (Hrsg.), Cold War Social Science.
[14] Ulf Brunnbauer / Claudia Kraft / Martin Schulze Wessel (Hrsg.), Sociology and Ethnography in East-Central and South-East Europe. Scientific Self-Description in State Socialist Countries (Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum, Bd. 31), München 2011.
[15] Christian Forstner, Art. „Kalter Krieg“, in: Marianne Sommer / Staffan Müller-Wille / Carsten Reinhardt (Hrsg.), Handbuch Wissenschaftsgeschichte, Stuttgart 2017, S. 312-324, hier: S. 318.
[16] Ebd., S. 312.
[17] So Christiane Reinecke / Thomas Mergel, Das Soziale vorstellen, darstellen, herstellen: Sozialwissenschaften und gesellschaftliche Ungleichheit im 20. Jahrhundert, in: Dies. (Hrsg.), Das Soziale ordnen, S. 7-30, hier: S. 11-12.
[18] Vgl. Raymond Boudon / Mohamed Cherkaoui / Jeffrey Alexander (Hrsg.), The Classical Traditional Sociology. The European Tradition, 4 Bde., London 1997; Alex Callinicos, Social Theory. A Historical Introduction, Cambridge 1999; Wolf Lepenies (Hrsg.), Geschichte der Soziologie, 4 Bde., Frankfurt am Main 1981; George Ritzer, Classical Sociological Theory, 5. Aufl., Boston 2007; Alan Swingewood, A Short History of Sociological Thought, 3. Aufl., Houndmills 2000; Jonathan H. Turner / Leonard Beeghley / Charles H. Powers, The Emergence of Sociological Theory, 5. Aufl., Stamford, Conn., 2002.
[19] Vgl. stellvertretend die gegensätzlichen Positionen von Alex Demirović, Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule, Frankfurt am Main 1999 und Clemens Albrecht u. a., Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik. Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule, Frankfurt am Main 1999.
[20] Vgl. zum Beispiel Uta Gerhardt, Soziologie im zwanzigsten Jahrhundert. Studien zu ihrer Geschichte in Deutschland, Stuttgart 2009.
[21] Vgl. Christian Dayé / Stephan Moebius (Hrsg.), Soziologiegeschichte. Wege und Ziele, Berlin 2015.
[22] Christian Fleck, Skizze einer Methodologie der Geschichte der Soziologie, in: Dayé / Moebius (Hrsg.), Soziologiegeschichte, S. 34-111, hier: S. 42, 87-88.
[23] Lothar Peter, Warum und wie betreibt man Soziologiegeschichte?, in: Dayé / Moebius (Hrsg.), Soziologiegeschichte, S. 112-146, hier: S. 122.
[24] Forstner, Art. „Kalter Krieg“, S. 312.
[25] Roger E. Backhouse / Philippe Fontaine, Introduction (b), in: Dies. (Hrsg.), A Historiography of the Modern Social Sciences, Cambridge 2014, S. 1-28, hier: S. 2, 8.
[26] Ebd., S. 8-12.
[27] Ebd., S. 17.
[28] Society for the History of Recent Social Science (HISRESS) Webseite: http:/<wbr />/hisress.org/ (04.04.2018).
[29] Daniel Speich Chassé, Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Globale Ungleichheit in der Wissensgeschichte der Ökonomie (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 212), Göttingen 2013, S. 180.
[30] Jamie Cohen-Cole, The Open Mind. Cold War Politics and the Sciences of Human Nature, Chicago 2014, S. 65-103.
[31] Paul Erickson u. a., How Reason Almost Lost Its Mind. The Strange Career of Cold War Rationality, Chicago 2013.
[32] Solovey, Cold War Social Science.
[33] So Alan Smith, Russia and the World Economy. Problems of Integration, London 1993; Ben Slay, The Polish Economy. Crisis, Reform, and Transformation, Princeton 1994. Vgl. Marie Lavigne (Hrsg.), The Soviet Union and Eastern Europe in the Global Economy, Cambridge 1992.
[34] Peter Wagner, The Uses of the Social Sciences, in: Porter / Ross (Hrsg.), The Cambridge History of Science, Bd. 7, S. 537-552, hier: S. 537-543. Vgl. auch Ders. / Björn Wittrock / Hellmut Wollmann, Social Sciences and Modern States, in: Ders. u. a. (Hrsg.), Social Sciences and Modern States. National Experiences and Theoretical Crossroads, Cambridge 1991, S. 28-85.
[35] Backhouse / Fontaine, Introduction (a), S. 6-8, vgl. die darin versammelten Aufsätze zu den einzelnen Disziplinen. Vgl. auch Cohen-Cole, The Open Mind, S. 85-86; David C. Engerman, The Rise and Fall of Wartime Social Science. Harvard’s Refugee Interview Project, 1950-1954, in: Solovey / Cravens (Hrsg.), Cold War Social Science, S. 25-43, hier: S. 25; Joel Isaac, Working Knowledge. Making the Human Sciences from Parsons to Kuhn, Cambridge, Mass. 2012, S. 158-159; Patrick Bernhard / Holger Nehring / Anne Rohstock, Der Kalte Krieg im langen 20. Jahrhundert. Neue Ansätze, Befunde und Perspektiven, in: Bernhard / Nehring (Hrsg.), Den Kalten Krieg denken, S. 11-39, hier: S. 16; David H. Price, Cold War Anthropology. The CIA, the Pentagon, and the Growth of Dual Use Anthropology, Durham 2016, S. xvii; Benjamin Ziemann u. a., Introduction. The Scientization of the Social in Comparative Perspective, in: Kerstin Brückweh u. a. (Hrsg.), Engineering Society. The Role of the Human and Social Sciences in Modern Societies, 1880-1980, Basingstoke 2012, S. 1-40, hier: S. 22.
[36] Peter Mandler, Return from the Natives. How Margaret Mead Won the Second World War and Lost the Cold War, New Haven 2013, S. 44-175.
[37] Vgl. Barry M. Katz, Foreign Intelligence. Research and Analysis in the Office of Strategic Services, 1942-1945, Cambridge, Mass. 1989.
[38] Tim B. Müller, Krieger und Gelehrte. Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg, Hamburg 2010, S. 447-448. Dies zeigt sich etwa in Marcuses Buch „Soviet Marxism“ von 1958.
[39] Vgl. Thomas Wheatland, The Frankfurt School in Exile, Minneapolis 2009; Eva-Maria Ziege, Antisemitismus und Gesellschaftstheorie. Die Frankfurter Schule im amerikanischen Exil, Frankfurt am Main 2009.
[40] Raffaele Laudani (Hrsg.), Secret Reports on Nazi Germany. The Frankfurt School Contribution to the War Effort, Princeton 2013; Alfons Söllner (Hrsg.), Zur Archäologie der Demokratie in Deutschland, Bd. 1: Analysen politischer Emigranten im amerikanischen Geheimdienst, 1943-1945, Frankfurt am Main 1982. Zum transatlantischen sozialwissenschaftlichen Transfer nach 1933 siehe auch Christian Fleck, Transatlantische Bereicherungen. Zur Erfindung der empirischen Sozialforschung, Frankfurt am Main 2007; Ders., Etablierung in der Fremde. Vertriebene Wissenschaftler in den USA nach 1933, Frankfurt am Main 2015.
[41] Raffaele Laudani, Introduction, in: Ders. (Hrsg.), Secret Reports on Nazi Germany, S. 1-23.
[42] David C. Engerman, Know Your Enemy. The Rise and Fall of America’s Soviet Experts, Oxford 2009, S. 1.
[43] Price, Cold War Anthropology, S. xiii-xiv.
[44] Müller, Krieger und Gelehrte, S. 40-44.
[45] Engerman, Know Your Enemy, S. 26, 45-46.
[46] Engerman, Know Your Enemy, S. 35;
[47] Engerman, Know Your Enemy, S. 182; Ders., The Rise and Fall of Wartime Social Science.
[48] Price, Cold War Anthropology, S. 258.
[49] Tim B. Mueller, Rezension zu: David C. Engerman, Know Your Enemy. The Rise and Fall of America's Soviet Experts, Oxford 2009 , in: H-Soz-Kult, 17.09.2010, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-13671; Peter Mandler, Rezension zu: David H. Price, Cold War Anthropology: The CIA, the Pentagon, and the Growth of Dual Use Anthropology, Durham 2016, in: Journal of Interdisciplinary History 47,4 (2017), S. 572-574.
[50] Joy Rohde, Armed with Expertise. The Militarization of Social Research during the Cold War, Ithaca 2013.
[51] Zu den prominentesten gehörten Sidney Hook, Arthur Schlesinger, Arthur Koestler, Ignazio Silone und James Burnham. Vgl. George Reisch, McCarthyism in Philosophy and the End of the Unity of Science Ideology, in: Harmke Kamming / Geert Somsen (Hrsg.), Pursuing the Unity of Science. Ideology and Scientific Practice from the Great War to the Cold War, London 2016, S. 223-238, hier: S. 232.
[52] Anson Rabinbach, Begriffe aus dem Kalten Krieg. Totalitarismus, Antifaschismus, Genozid (Jena Center. Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vorträge und Kolloquien, Bd. 5), Göttingen 2009.
[53] Anson Rabinbach, Anti-Totalitarianism as Anti-Communism, in: Norbert Frei / Dominik Rigoll (Hrsg.), Der Antikommunismus in seiner Epoche. Weltanschauung und Politik in Deutschland, Europa und den USA (Jena Center. Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vorträge und Kolloquien; Bd. 21), Göttingen 2017, S. 111-123, hier: 111-112.
[54] Zu Arendt: Karl-Heinz Breier, Hannah Arendt zur Einführung, 4. Aufl., Hamburg 2011; Wolfgang Heuer / Bernd Heiter / Stefanie Rosemüller (Hrsg.), Arendt-Handbuch. Leben, Werk, Wirkung, Stuttgart 2011; Grit Straßenberger, Hannah Arendt zur Einführung, Hamburg 2015. Vgl. auch Alfons Söllner, Fluchtpunkte. Studien zur politischen Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, 2006, S. 98-159. Zu Friedrich: Udi Greenberg, Weimar Century. German Emigrés and the Ideological Foundations of the Cold War, Princeton 2014, S. 25-75. Zum 2017 verstorbenen Brzeziński: Sabine Feiner, Weltordnung durch US-Leadership? Die Konzeption von Zbigniew K. Brzezińskis, Wiesbaden 2000; Charles Gati (Hrsg.), Zbig. The Strategy and Statecraft of Zbigniew Brzeziński, Baltimore 2013. Zu Neumann: Michael Kunze, Sigmund Neumann. Demokratielehrer im Zeitalter des internationalen Bürgerkriegs, Berlin 2015. Zu Popper: Malachi Haim Hacohen, Karl Popper – the Formative Years 1902-1945. Politics and Philosophy in Interwar Vienna, Cambridge 2000; Martin Morgenstern / Robert Zimmer, Karl Popper, München 2002. Zu Voegelin: Michael Ley / Heinrich Neisser / Gilbert Weiss (Hrsg.), Politische Religion? Politik, Religion und Anthropologie im Werk Eric Voegelins, München 2003; Peter J. Opitz, Eric Voegelins Politische Religionen. Kontexte und Kontinuitäten, München 2006. Franz Borkenau ist weitgehend unterforscht, siehe aber Birgit Lange-Enzmann, Franz Borkenau als politischer Denker, Berlin 1996. Dasselbe gilt für Hans Maier, was daran liegt, dass Maier noch lebt. Zur Totalitarismustheorie allgemein siehe Achim Siegel (Hrsg.), Totalitarismustheorien nach dem Ende des Kommunismus (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung, Bd. 7), Köln 1998; Alfons Söllner / Ralf Walkenhaus / Karin Wieland (Hrsg.), Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1997.
[55] Vgl. exemplarisch die Rezension von Robert F. Barsky. Review of Jamie Nace Cohen-Cole, The Open Mind: Cold War Politics and the Sciences of Human Nature, in: H-Socialisms, H-Net Reviews. June, 2015, http:/<wbr />/www.h-net.org<wbr />/reviews<wbr />/showrev.php<wbr />?id=42405 (04.04.2018). Siehe Cohen-Cole, The Open Mind. Diese ideologische Haltung war insbesondere für den Kongress für kulturelle Freiheit ausschlaggebend, in dem, finanziell unterstützt durch die CIA, auch zahlreiche Sozialwissenschaftler Mitglieder waren. Vgl. Michael Hochgeschwender, Freiheit in der Offensive? Der Kongreß für kulturelle Freiheit und die Deutschen (Ordnungssysteme, Bd. 1), München 1998. Zum intellektuellen Antikommunismus in transnationaler Perspektive vgl. Luc van Dongen / Stéphanie Roulin / Giles Scott-Smith (Hrsg.), Transnational Anti-Communism and the Cold War. Agents, Activities, and Networks, Basingstoke 2014.
[56] Mark Solovey, Shaky Foundations. The Politics-Patronage-Social Science Nexus in Cold War America, New Brunswick, N. J. 2013, S. 2, 106. Vgl. das ältere Buch von Donald Fisher, Fundamental Development of the Social Sciences. Rockefeller Philanthropy and the United States Social Science Research Council, Ann Arbor 1996 [1993], S. 9. Vgl. weiter David Paul Haney, The Americanization of Social Science. Intellectuals and Public Responsibility in the Postwar United States, Philadelphia 2008; John Krige, Die Führungsrolle der USA und die transnationale Koproduktion von Wissen, in: Greiner / Müller / Weber (Hrsg.), Macht und Geist im Kalten Krieg, S. 68-86; Reet Tamme, „Promoting Social Harmony“. Race relations-Forschung und soziale Ungleichheit in Großbritannien in den 1950er- bis 1960er-Jahren, in: Reinecke / Mergel (Hrsg.), Das Soziale ordnen, S. 183-217, hier: S. 214.
[57] Indeerjet Parmar, Foundations of the American Century. The Ford, Carnegie & Rockefeller Foundations in the Rise of American Power, New York 2014 [2012], S. 2. Vgl. Volker R. Berghahn, America and the Intellectual Cold Wars in Europe. Shepard Stone between Philanthropy, Academy, and Diplomacy, Princeton 2001.
[58] Vgl. Nils Gilman, Mandarins of the Future. Modernization Theory in Cold War America, Baltimore 2003.
[59] Solovey, Shaky Foundations, S. 104, 112-119.
[60] Nicolas Guilhot, Reforming the World. George Soros, Global Capitalism, and the Philanthropic Management of the Social Sciences, in: Critical Sociology 33,3 (2007), S. 447-479; Christoph Weischer, Das Unternehmen ‚Empirische Sozialforschung‘. Strukturen, Praktiken und Leitbilder der Sozialforschung in der Bundesrepublik Deutschland (Ordnungssysteme, Bd. 14), München 2004.
[61] Tim B. Müller, Die Macht der Menschenfreunde – Die Rockefeller Foundation, die Sozialwissenschaften und die amerikanische Außenpolitik im Kalten Krieg, in: John Krige / Helke Rausch (Hrsg.), American Foundations and the Coproduction of World Order in the Twentieth Century (Schriftenreihe der FRIAS School of History, Bd. 4), Göttingen 2012, S. 146-172, hier: S. 150-151.
[62] Müller, Die Macht der Menschenfreunde, S. 155.
[63] Parmar, Foundations of the American Century, S. 101.
[64] Vgl. Müller, Die Macht der Menschenfreunde, S. 169.
[65] Vgl. Fostner, Art. „Kalter Krieg“, S. 318.
[66] John Krige, American Hegemony and the Postwar Reconstruction of Science in Europe, Cambridge, Mass. 2007, S. 3. Herv. i. Orig. Vgl. auch ebd., S. 9-56.
[67] Ebd., S. 22-27.
[68] Uta Gerhardt, Die Wiederanfänge der Soziologie nach 1945 und die Besatzungsherrschaft. Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte, in: Bettina Franke / Kurt Hammerich (Hrsg.), Soziologie an deutschen Universitäten. Gestern – heute – morgen, Wiesbaden 2006, S. 31-114; Dies., Soziologie der Stunde Null. Zur Gesellschaftskonzeption des amerikanischen Besatzungsregimes in Deutschland 1944-1945/1946, Frankfurt am Main 2005.
[69] Alexia Arnold, Reorientation durch Wissenschaftstransfer. Eine wissenschaftsgeschichtliche Rekonstruktion der Darmstadt-Studie (1948-1954) aus soziologischer Perspektive (Schriftenreihe Theorie und Geschichte der Soziologie, Bd. 1), Baden-Baden 2010.
[70] Albrecht u. a., Die intellektuelle Gründung.
[71] Vgl. Albrecht u. a., Die intellektuelle Gründung; Demirović, Der nonkonformistische Intellektuelle.
[72] Johannes Platz, Die Praxis der kritischen Theorie. Angewandte Sozialwissenschaft und Demokratie in der frühen Bundesrepublik 1950-1960, Diss. Universität Trier, Trier 2012, http:/<wbr />/ubt.opus.hbz-nrw.de<wbr />/volltexte<wbr />/2012<wbr />/780<wbr />/pdf<wbr />/Die_Praxis_der_kritischen_Theorie.pdf (15.05.2018).
[73] So Gerhardt, Soziologie im zwanzigsten Jahrhundert.
[74] Joachim Fischer, Philosophische Anthropologie – Ein wirkungsvoller Denkansatz in der deutschen Soziologie nach 1945, in: Zeitschrift für Soziologie 35,5 (2006), S. 322-347, hier: S. 337; Weischer, Das Unternehmen ‚Empirische Sozialforschung‘, S. 37-234.
[75] Stephan Moebius, René König und die „Kölner Schule“. Eine soziologiegeschichtliche Annäherung, Wiesbaden 2015; Ders., René König. Wegbereiter der bundesrepublikanischen Soziologie, Wiesbaden 2016. Vgl. die ältere Studie von Johannes Weyer, Westdeutsche Soziologie 1945-1960. Deutsche Kontinuitäten und nordamerikanischer Einfluß (Soziologische Schriften, Bd. 41), Berlin 1984.
[76] Carsten Klingemann, Soziologie und Politik. Sozialwissenschaftliches Expertenwissen im Dritten Reich und in der frühen westdeutschen Nachkriegszeit, Wiesbaden 2009. Vgl. die ältere Arbeit von Otthein Rammstedt, Deutsche Soziologie 1933-1945. Die Normalität einer Anpassung, Frankfurt am Main 1986. Allgemein zum Verhältnis von Soziologie und NS-Regime vgl. Michaela Christ / Maja Suderland (Hrsg.), Soziologie und Nationalsozialismus. Positionen, Debatten, Perspektiven, Berlin 2014.
[77] Jens Adamski, Ärzte des sozialen Lebens. Die Sozialforschungsstelle Dortmund 1946-1969 (Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegung. Schriftenreihe A: Darstellungen, Bd. 41), Essen 2009; Ulrike Kändler, Entdeckung des Urbanen. Die Sozialforschungsstelle Dortmund und die soziologische Stadtforschung in Deutschland, 1930 bis 1960, Bielefeld 2016.
[78] Norbert Grube, Die Politikberatung Konrad Adenauers durch das Institut für Demoskopie Allensbach und Erich Peter Neumann, in: Tilman Mayer (Hrsg.), Medienmacht und Öffentlichkeit in der Ära Adenauer (Rhöndorfer Gespräche, Bd. 23), Bonn 2009, S. 143-164. Allgemein zur Demoskopie in der Bundesrepublik vgl. Anja Kruke, Demoskopie in Deutschland. Meinungsforschung, Parteien und Medien 1949-1990 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 149), Düsseldorf 2007.
[79] Kändler, Entdeckung des Urbanen; Platz, Die Praxis der kritischen Theorie, S. 310-440. Vgl. auch Joachim Fischer, Bundesrepublikanische Soziologie 1949 bis heute. Versuch einer neuen Skizze ihrer Geschichte, in: Martin Endreß / Klaus Lichtblau / Stephan Moebius (Hrsg.), Zyklos 2. Jahrbuch für Theorie und Geschichte der Soziologie, Wiesbaden 2015, S. 73-88, hier: S. 78-81.
[80] Marcus M. Payk, Rezension zu: Jens Adamski, Ärzte des sozialen Lebens. Die Sozialforschungsstelle Dortmund 1946-1969, Essen 2009, in: H-Soz-Kult, 17.08.2009, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-12621 (04.04.2018); Clemens Zimmermann, Rezension zu: Ulrike Kändler, Entdeckung des Urbanen. Die Sozialforschungsstelle Dortmund und die soziologische Stadtforschung in Deutschland, 1930 bis 1960, Bielefeld 2016, in: H-Soz-Kult, 15.04.2016, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-22021 (04.04.2018).
[81] Sarah E. Igo, The Averaged American. Surveys, Citizens, and the Making of a Mass Public, Cambridge, Mass. 2007. Vgl. Scott Stosseljan, Art. „Measure for Measure“, in: New York Times vom 21.1.2007, http:/<wbr />/www.nytimes.com<wbr />/2007<wbr />/01<wbr />/21<wbr />/books<wbr />/review<wbr />/Stossel.t.html (04.04.2018).
[82] Friedrich Kießling, Rezension zu: Sean A. Forner, German Intellectuals and the Challenge of Democratic Renewal. Culture and Politics after 1945, Cambridge 2014, in: H-Soz-Kult, 28.04.2015, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-23494 (04.0.42018). Kritisch ist zum Beispiel Frank Schale in seiner Rezension von Greenbergs „Weimar Century“, da er die Gefahr sieht, dass „Greenbergs mitunter scharfe Kritik an den Emigranten […] so auch als Entlastung der politischen Verwaltungseliten verstanden werden“ könnte. Vgl. Frank Schale, Rezension zu: Udi Greenberg, The Weimar Century. German Emigrés and the Ideological Foundations of the Cold War, Princeton 2015 , in: H-Soz-Kult, 10.06.2016, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-25776 (04.04.2018).
[83] Greenberg, Weimar Century; Noah B. Strote, Lions and Lambs. Conflict in Weimar and the Creation of Post-Nazi Germany, New Haven 2017; Sean A. Forner, German Intellectuals and the Challenge of Democratic Renewal. Culture and Politics after 1945, Cambridge 2014.
[84] Jan-Otmar Hesse, Wirtschaft als Wissenschaft. Die Volkswirtschaftslehre in der frühen Bundesrepublik, Frankfurt am Main 2010.
[85] Alexander Nützenadel, Stunde der Ökonomen. Wissenschaft, Politik und Expertenkultur in der Bundesrepublik 1949-1974 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 166), Göttingen 2005.
[86] Johan Heilbron, French Sociology, Ithaca 2015, S. 1. Auguste Comte hatte in den späten 1830er-Jahren das Wort ‚Sociologie‘ eingeführt.
[87] Ebd., S. 124-129, 148.
[88] Ebd., S. 9-10, 124-125, 135.
[89] Ebd., S. 132-134.
[90] Martin Jay, The Dialectical Imagination. A History of the Frankfurt School and the Institute of Social Research, 1923-1950, Berkeley 1996 [1973], S. 37, 167, 285.
[91] Heilbron, French Sociology, S. 134.
[92] Zum Strukturalismus allgemein vgl. das ältere zweibändige, wenn auch teilweise sehr lückenhafte Werk von François Dosse, Geschichte des Strukturalismus, Bd. 1: Das Feld des Zeichens, 1945-1966, Bd. 2: Die Zeichen der Zeit, 1967-1991. Aus dem Französischen von Stefan Barmann, Hamburg 1996 [1991].
[93] Heilbron, French Sociology, S. 154-155.
[94] Johannes Angermüller, Nach dem Strukturalismus. Theoriediskurs und intellektuelles Feld in Frankreich, Bielefeld 2007; Emmanuelle Loyer, Claude Lévi-Strauss, Paris 2015; Arie de Ruijter, Claude Lévi-Strauss, Frankfurt am Main 1991; Patrick Wilcken, Claude Lévi-Strauss. The Poet in the Laboratory, London u. a. 2010.
[95] Joseph Masco, The Theater of Operations. National Security Affect from Cold War to the War on Terror, Durham 2014.
[96] Rohde, Armed with Expertise, S. 12.
[97] Silvia Berger Ziauddin, Superpower Underground. Switzerland’s Rise to Global Bunker Expertise in the Atomic Age, in: Technology and Culture 58,4 (2017), S. 921-954; Dies., (De)Territorializing the Home. The Nuclear Bomb Shelter as a Malleable Site of Passage, in: Environment and Planning D: Society and Space 35,4 (2017), S. 674-693.
[98] Marie Cronqvist, Evacuation as Welfare Ritual. Cold War Media and the Swedish Culture of Civil Defense, in: Valur Ingimundarson / Rósa Magnusdottir (Hrsg.), Nordic Cold War Cultures. Ideological Promotion, Public Reception, and East-West Interactions (Aleksanteri Cold War Series, Bd. 2), Helsinki 2015, S. 75-95.
[99] Cécile Stephanie Stehrenberger, Praktisches Wissen, Katastrophen und Wissenschaft. Zur Geschichte der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung, 1949-1989, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 40,4 (2017), S. 350-367; Dies., Katastrophen, Cold War Social Sciences und Fallwissen. Zur Geschichte der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung, in: Itinera. Beiheft zur Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte 40 (2016), S. 119-135.
[100] Elizabeth Ann Weinberg, The Development of Sociology in the Soviet Union, London 1974. Eine erweiterte Neuausgabe des Buchs ist 2004 erschienen, allerdings ohne größere inhaltliche Änderungen aufzuweisen.
[101] Loren R. Graham, Science in Russia and the Soviet Union. A Short History, Cambridge 1993, S. 174-175.
[102] Weinberg, The Development of Sociology, S. 3-4. Sorokin sollte in Harvard Talcott Parsons und Robert K. Merton maßgeblich beeinflussen.
[103] Arvid Brodersen, Soviet Social Science and Our Own, in: Social Research 24,3 (1957), S. 253-286, hier: S. 255-256.
[104] Weinberg, The Development of Sociology, S. 5-10.
[105] Jaromír Janoušek / Irinia Sirotkina, Psychology in Russia and Central and Eastern Europe, in: Porter / Ross (Hrsg.), The Cambridge History of Science, Bd. 7, S. 431-449, hier: S. 438.
[106] Liah Greenfield, Soviet Sociology and Sociology in the Soviet Union, in: Annual Review of Sociology 14,1 (1988), S. 99-123. Ähnlich argumentiert auch Martine Mespoulet, Quelle sociologie derrière le „rideau de fer“?, in: Revue d’Histoire des Sciences Humaines 1,16 (2007), S. 3-10, hier: S. 5-6.
[107] Weinberg, The Development of Sociology, S. 10. Dies gilt, so Christian Fostner, auch für die Naturwissenschaften: „Stalins Tod 1953 und Chruschtschows Verurteilung der stalinistischen Verbrechen auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Jahr 1956 beendeten die Angriffe auf die Physik und eine Öffnung der Debatte um die Quantenphysik und die Relativitätstheorie trat ein.“ Siehe Fostner, Art. „Kalter Krieg“, S. 314.
[108] Mespoulet, Quelle sociologie, S. 8-9.
[109] Brodersen, Soviet Social Science, 255-257, 270-272.
[110] Ebd., S. 3-10, hier: S. 3.
[111] Małgorzata Mazurek, Between Sociology and Ideology. Perception of Work and Sociologists Advisors in Communist Poland, 1956-1970, in: Revue d’Histoire des Sciences Humaines 1,16 (2007), S. 11-31; Ioana Cîrstocea, Splendeurs et misères d’un projet intellectuel. L’école monographique de Bucarest, in: Ebd., S. 33-56.
[112] Martine Mespoulet, La „renaissance“ de la sociologie en URSS (1958-1972). Unie voie étroite entre matérialisme historique et „recherches sociologiques concrètes“, in: Ebd., S. 57-86.
[113] Mazurek, Between Sociology and Ideology, S. 13-14.
[114] Stephen A. Smith, Introduction, in: Paul Betts / Ders. (Hrsg.), Science, Religion and Communism in Cold War Europe, New York 2016, S. 1-31. Zur Psychologie und Psychoanalyse in Russland nach 1953/1956 siehe Janoušek / Sirotkina, Psychology in Russia, S. 441-442.
[115] Victoria Smolkin-Rothrock, The Ticket to the Soviet Soul: Science, Religion, and the Spiritual Crisis of Late Soviet Atheism, in: The Russian Review 73,2 (2014), S. 171-197.
[116] Jim Bjork, Piety by the Numbers: Social Science and Polish Debates about Secularization in the 1960s and 1970s, in: Betts / Smith (Hrsg.), Science, Religion and Communism, S. 35-54, hier: S. 38-39. Zur Religionssoziologie in Rumänien siehe Zsuszánna Magdó, Romanian Spirituality in Ceausşescu’s ‘Golden Epoch’. Social Scientists Reconsider Atheism, Religion, and Ritual Culture, in: Ebd., S. 77-101, hier: S. 92-95. Siehe auch Patrick Hyder Patterson, The Sheperd’s Calling, the Engineers‘ Project, and the Scientists‘ Problem. Scientific Knowledge and the Care of Souls in Communist Eastern Europe, in: Ebd., S. 55-76. Vgl. auch Mespoulet, Quelle sociologie, S. 4.
[117] Thomas Mergel, Soziale Ungleichheit als Problem der DDR-Soziologie, in: Reinecke / Ders. (Hrsg.), Das Soziale ordnen, S. 307-336. Vgl. das ältere Buch von Vera Sparschuh / Ute Koch, Sozialismus und Soziologie. Die Gründergeneration der DDR-Soziologie. Versuch einer Konturierung, Opladen 1997.
[118] Brodersen, Soviet Social Science, S. 261.
[119] Christoph M. Schneider, Research and Development Management. From the Soviet Union to Russia, Heidelberg 1994, S. 35-41.
[120] Blair Ruble, The History and Development of Soviet Social Science, in: Commission on Behavioral and Social Sciences and Education, National Research Council (Hrsg.), Soviet Social Science. The Challenge for the American Academic Community, Washington, DC 1990, S. 1-3.
[121] Vgl. am Beispiel des russischen Ökonomen und Ökonomiehistorikers Isaak Il’Ich Rubin Ivan Boldyrev / Martin Kragh, The Fate of Social Sciences in Soviet Russia. The Case of Isaak Il’Ich Rubin, in: Journal of the History of Economic Thought 37,3 (2015), S. 363-386.
[122] Peter C. Caldwell, Sozialistische Wirtschaftslehre. Zur Planung und Kontrolle einer Disziplin, in: Greiner / Müller / Weber (Hrsg.), Macht und Geist im Kalten Krieg S. 136-155, hier: S. 137.
[123] Ebd., S. 139.
[124] Matthias Uhl, Die sowjetischen Streitkräfte und der militärisch-industriell-akademische Komplex der UdSSR während des Koreakrieges 1950 bis 1953, in: Bernd Bonwetsch / Ders. (Hrsg.), Korea – ein vergessener Krieg? Der militärische Konflikt auf der koreanischen Halbinsel im internationalen Kontext, München 2012, S. 133-145.
[125] Caldwell, Sozialistische Wirtschaftslehre, S. 143-144.
[126] Ebd., S. 144-148.
[127] Ebd., S. 153.
[128] Sergei Alymov, On the Soviet Ethnography of the Soviet Life. The Case of the „Village of Viriatino“, in: Histories of Anthropology Annual 7 (2011), S. 23-48, hier: S. 23-32.
[129] Ebd., S. 32-35.
[130] Cohen-Cole, The Open Mind, S. 13-103. Vgl. Perrin Selcer, The View from Everywhere. Disciplining Diversity in Post-World War II International Social Sciences, in: Journal of the History of the Behavioral Sciences 45,4 (2009), S. 309-329.
[131] David A. Hollinger, The Unity of Knowledge and the Diversity of Knowers. Science as an Agent of Cultural Integration in the United States between the Two World Wars, in: Kamminga / Somsen (Hrsg.), Pursuing the Unity of Science, S. 207-222.
[132] Hunter Heyck, Age of System. Understanding the Development of Modern Social Science, Baltimore 2015.
[133] Martina Mösslinger, Assimilation and Integration Discourses in the Social Sciences (1945-1962), Diss. Universität Wien, Wien 2016.
[134] Oreskes / Krige (Hrsg.), Science and Technology.
[135] Engerman, Know Your Enemy, S. 63.
[136] Isaac, Working Knowledge, S. 158-190.
[137] Cohen-Cole, The Open Mind, S. 127.
[138] Price, Cold War Anthropology, S. 62.
[139] Solovey, Shaky Foundations, S. 129.
[140] Price, Cold War Anthropology, S. 262, 353-354.
[141] Philip Rocco, Wissensproduktion in der RAND Corporation, in: Greiner / Müller / Weber (Hrsg.), Macht und Geist im Kalten Krieg, S. 301-320; Harvey M. Sapolsky, The Science and Politics of Defense Analysis, in: Hamilton Cravens (Hrsg.), The Social Sciences Go to Washington. The Politics of Knowledge in the Postmodern Age, New Brunswick, N.J. 2004, S. 67-77.
[142] Price, Cold War Anthropology, S. 98-99.
[143] Volker Kempf, Wider die Wirklichkeitsverweigerung. Helmut Schelsky. Leben, Werk, Aktualität, München 2012, S. 175-180. Allgemein zu Schelsky vgl. Alexander Gallus (Hrsg.), Helmut Schelsky – der politische Antisoziologe. Eine Neurezeption, Göttingen 2013.
[144] Vgl. Isaac, Working Knowledge, S. 158-190.
[145] Michael Hagner, Vom Aufstieg und Fall der Kybernetik als Universalwissenschaft, in: Ders. / Erich Hörl (Hrsg.), Die Transformation des Humanen. Beiträge zur Kulturgeschichte der Kybernetik, Frankfurt am Main 2008, S. 38-71, hier: S. 38.
[146] Claudio Baraldi / Giancarlo Corsi / Elena Esposito, GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt am Main 1999. Vgl. kritisch dazu Dirk Martin, Überkomplexe Gesellschaft. Eine Kritik der Systemtheorie Niklas Luhmanns, Münster 2009.
[147] Benjamin Seibel, Staat am Draht, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 11,1 (2017), S. 5-12, hier: S. 11.
[148] Weinberg, The Development of Sociology, S. 30-33.
[149] Slava Gerovitch, Roman Jakobson und die Kybernetisierung der Linguistik in der Sowjetunion, in: Hagner / Hörl (Hrsg.), Die Transformation des Humanen, S. 229-274, hier: S. 230-231. Vgl. Dies., From Newspeak to Cyberspeak. A History of Societ Cybernetics, Cambridge, Mass. 2002.
[150] Eglė Rindzevičiute, Constructing Soviet Cultural Policy. Cybernetics and the Governance in Lithuania after World War II (Linköping Studies in Arts and Science, Bd. 437), Linköping 2008, S. 111.
[151] Gerovitch, From Newspeak to Cyberspeak, S. 254, 256-257.
[152] Geoffrey C. Bowker, Rezension zu: Slava Gerovitch, From Newspeak to Cyberspeak: A History of Soviet Cybernetics, Cambridge, Mass. 2002, in: Technology and Culture 45,1 (2004), S. 208-209.
[153] Backhouse / Fontaine, Introduction (a), S. 6-7.
[154] Engerman, Know Your Enemey, S. 93, 255-257.
[155] Corinna Unger, Cold War Science. Wissenschaft, Politik und Ideologie im Kalten Krieg, in: Neue Politische Literatur 51,1 (2006), S. 49-68.
[156] Erickson u. a., How Reason Almost Lost Its Mind.
[157] Vgl. Gilman, Mandarins of the Future. Siehe auch Heyck, Age of System, S. 10-11.
[158] Johan Heilbron / Nicolas Guilhot / Laurent Jeanpierre, Auf dem Weg zu einer transnationalen Geschichte der Sozialwissenschaften [2008], in: Dayé / Moebius (Hrsg.), Soziologiegeschichte, S. 400-428, hier: S. 419.
[159] Solovey / Cravens (Hrsg.), Cold War Social Science.
[160] Solovey, Cold War Social Science, S. 5; Engerman, The Rise and Fall of Wartime Social Science, S. 38. Vgl. auch den Blog-Beitrag von William Thomas: http:/<wbr />/etherwave.wordpress.com<wbr />/2012<wbr />/09<wbr />/06<wbr />/cold-war-social-science-and-the-rubric-of-the-cold-war/ (04.04.2018).
[161] Interview mit Michael D. Gordin, Philipp Sarasin und Fabian Link: Cold War Science, in: Herder Aktuell. Informationen aus dem Herder-Institut in Marburg 42 (Januar bis Juni 2016), S. 3-5.
[162] Joseph Agassi, Rezension zu: Paul Erickson / Judy L. Klein / Lorraine Daston / Rebecca Lemov / Thomas Sturm / Michael D. Gordin, How Reason Almost Lost Its Mind: The Strange Case of Cold War Rationality, Chicago, IL 2013, in: Philosophy of the Social Sciences 46,2 (2016), S. 210-214.
[163] Nils Gilman, The Cold War as Intellectual Force Field, in: Modern Intellectual History 13,2 (2016), S. 507-523, hier: S. 508.
[164] Gilman, The Cold War as Intellectual Force Field, S. 512.
[165] Roy E. Weintraub, How Economics Became a Mathematical Science, Durham 2002, S. 167, 253.
[166] Weintraub, How Economics Became a Mathematical Science, S. 253. Vgl. Daniel Breslau, Economics Invents the Economy: Mathematics, Statistics, and Models in Work of Irving Fisher and Wesley Mitchell, in: Theory and Society 32,3 (2003), S. 379-411. Vgl. auch den Überblick von Roger E. Backhouse / Philippe Fontaine, Introduction: History of Economics as History of Social Science, in: History of Political Economy 42, Suppl. 1 (2010), S. 1-21.
[167] Roger E. Backhouse / Mauro Boianovsky, Transforming Modern Macroeconomics. Exploring Disequilibrium Microfoundations, 1956-2003, Cambridge 2013, S. 1.
[168] Talcott Parsons / Edward A. Shils (Hrsg.), Toward a General Theory of Action. Theoretical Foundations for the Social Sciences, Cambridge, Mass., 1951.
[169] Joel Isaac, Theorist at Work. Talcott Parsons and the Carnegie Project on Theory, 1949-1951, in: Journal of the History of Ideas 71,2 (2010), S. 287-311, hier: S. 288, 290.
[170] Christian Dayé, ‚A Fiction of Long Standing‘. Techniques of Prospection and the Role of Positivism in US Cold War Social Science, 1950-65, in: History of the Human Sciences 29,4-5 (2016), S. 35-58.
[171] Patrick Wöhrle, Zur Aktualität von Helmut Schelsky. Einleitung in sein Werk, Wiesbaden 2015, S. 21.
[172] Fabian Link, Die multiple Epistemologie der Sozialwissenschaften. Anmerkungen zu einer Sitzung über das ‚Verhältnis von Soziologie und empirischer Sozialforschung‘ am 1. März 1957, in: Endreß / Lichtblau / Moebius (Hrsg.), Zyklos 2, S. 101-129.
[173] Jürgen Ritsert, Der Positivismusstreit, in: Georg Kneer / Stephan Moebius (Hrsg.), Soziologische Kontroversen. Beiträge zu einer anderen Geschichte der Wissenschaft vom Sozialen, Berlin 2010, S. 102-130. Zum historischen Kontext, insbesondere zur Vorgeschichte des „Positivismusstreits“ siehe Hans-Joachim Dahms, Positivismusstreit. Die Auseinandersetzungen der Frankfurter Schule mit dem logischen Positivismus, dem amerikanischen Pragmatismus und dem kritischen Rationalismus, Frankfurt am Main 1994.
[174] Manfred Füllsack, Die Habermas-Luhmann-Debatte, in: Kneer / Moebius (Hrsg.), Soziologische Kontroversen, S. 154-181. Siehe auch Fabian Link, Cooperation and Competition. Re-Establishing the Institute of Social Research and the Emergence of the ‘Frankfurt School’, in: NTM 24,2 (2016), S. 225-249.
[175] Gilman, The Cold War as Intellectual Force Field, S. 513-521; Dayé, ‚A Fiction of Long Standing‘, S. 52.
[176] Vgl. Philipp Felsch, Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990, München 2015. Vgl. https:/<wbr />/www.perlentaucher.de<wbr />/buch<wbr />/philipp-felsch<wbr />/der-lange-sommer-der-theorie.html (04.04.2018).
[177] Thomas Mergel, Zählbarkeit, Stabilität und die Gesellschaft als solche. Zur Rezeption der US-Sozialforschung in der Bundesrepublik nach 1945, in: Axel Schildt (Hrsg.), Von draußen. Ausländische intellektuelle Einflüsse in der Bundesrepublik bis 1990 (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 55), Göttingen 2016, S. 105-127, hier: S. 105. Vgl. aber für die Kritische Theorie Robert Zwarg, Die Kritische Theorie in Amerika. Das Nachleben einer Tradition (Schriften des Simon-Dubnow-Instituts, Bd. 27), Göttingen 2017.
[178] Nicolas Berg, Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung, 3., durchges. Aufl. (Moderne Zeit, Bd. 3), Göttingen 2003; Klaus Große Kracht, Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945, Göttingen 2005.
[179] So von Elena Aronova / Simone Turchetti, Introduction. Science Studies in East and West – Incommensurable Paradigms?, in: Dies. (Hrsg.), Science Studies during the Cold War and Beyond. Paradigms Defected, New York 2016, S. 1-20, hier: S. 1.
[180] Siehe den einführenden Aufsatz von Peter E. Gordon, Kuhn’s Structure at Fifty. Introduction, in: Modern Intellectual History 8,1 (2012), S. 73-76.
[181] Aronova / Turchetti (Hrsg.), Science Studies during the Cold War.
[182] So die Aufsätze von Federico Vasen, What Does a „National Science“ Mean? Science Policy, Politics and Philosophy in Latin America, in: Aronova / Turchetti (Hrsg.), Science Studies during the Cold War, S. 241-265; Lu Gao, From Dialectics of Nature to STS. The Historical Evolution of Science Studies in China, in: Ebd., S. 267-288.
[183] Elizabeth Anderson, Feminist Epistemology and Philosophy of Science, in: Edward N. Zalta (Hrsg.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Spring 2017 Edition), https:/<wbr />/plato.stanford.edu<wbr />/archives<wbr />/spr2017<wbr />/entries<wbr />/feminism-epistemology/ (04.04.2018). Siehe auch den für die feministische Wissenschaftsforschung zentralen Aufsatz von Donna J. Haraway, Situated Knowledges: The Science Question in Feminism and the Privilege of Partial Perspective [1988], in: Mario Biagioli (Hrsg.), The Science Studies Reader, New York 1999, S. 172-188.
[184] Zum Phänomen der „Spätzünder“ ist kürzlich ein Themenheft der „Zeitschrift für Ideengeschichte“ erschienen. Vgl. Zeitschrift für Ideengeschichte 11,2 (2017).
[185] Marc Joly, Devenir Norbert Elias. Histoire croisée d’un processus de reconnaissance scientifique. La réception française, Paris 2012.
[186] Ebd., S. 36, 281-332.
[187] Catherine Colliot-Thélène / Etienne François / Gunter Gebauer, Einleitung, in: Dies. (Hrsg.), Pierre Bourdieu: Deutsch-französische Perspektiven, Frankfurt am Main 2005, S. 7-20, hier: S. 8.
[188] Larissa Buchholz, Art., „Die Rezeption Bourdieus im angelsächsischen Raum“, in: Gerhard Fröhlich / Boike Rehbein (Hrsg.), Bourdieu-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart 2009, S. 387-400, hier: S. 389, Tab. 1.
[189] Exemplarisch zu Elias Richard Kilminster, Norbert Elias. Post-Philosophical Sociology, London 2007; Hermann Korte, Über Norbert Elias. Das Werden eines Menschenwissenschaftlers, Frankfurt am Main 1988, zu Bourdieu Franz Schultheis, Bourdieus Wege in die Soziologie, Konstanz 2007; Joseph Jurt, Bourdieu, Stuttgart 2008.
[190] Cohen-Cole, The Open Mind, S. 107.
[191] Michael A. Bernstein, Die Transformation der amerikanischen Wirtschaftswissenschaft, in: Greiner / Müller / Weber (Hrsg.), Macht und Geist im Kalten Krieg S. 180-200. Die Spieltheorie wurde insbesondere von Mitarbeitern der RAND Corporation angewandt. Vgl. Paul Erickson, Eine Neubewertung der Spieltheorie, in: Ebd., S. 258-275.
[192] Harald Hagemann / Vadim Kufenko / Danila Raskov, Game Theory Modeling for the Cold War on Both Sides of the Iron Curtain, in: History of the Human Sciences 29,4-5 (2016), S. 99-124, hier: S. 100.
[193] Cohen-Cole, The Open Mind, S. 107-108.
[194] Hagemann / Kufenko / Raskov, Game Theory Modeling, S. 100-105.
[195] Ebd., S. 106-107.
[196] Ebd., S. 108.
[197] Philip Sarasin, Was ist Wissensgeschichte?, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 36,1 (2011), S. 159-172; James A. Secord, Knowledge in Transit, in: Isis 95,4 (2004), S. 654-672. Siehe auch Olivier Christin (Hrsg.), Dictionnaire des concepts nomades en sciences humaines, 2. Bde., Paris, 2010 / 2016; Frédéric Darbellay, (Hrsg.), La Circulation des Savoirs. Interdisciplinarité, Concepts Nomades, Analogies, Métaphores, Bern 2012; Lavinia Heller (Hrsg.), Kultur und Übersetzung. Studien zu einem begrifflichen Verhältnis, Bielefeld 2017.
[198] So zum Beispiel zwischen Naturwissenschaftlern aus der DDR und dem Westen. Vgl. Jens Niederhut, Wissenschaftsaustausch im Kalten Krieg. Die ostdeutschen Naturwissenschaftler und der Westen (Kölner Historische Abhandlungen, Bd. 45), Köln 2007.
[199] Klaus Gestwa / Stefan Rohdewald, Verflechtungsstudien. Naturwissenschaft und Technik im Kalten Krieg, in: Osteuropa 59,10 (2009), S. 5-14, hier: S. 10.
[200] Christopher D. Hollings, Scientific Communication Across the Iron Curtain, Cham 2016, S. 89.
[201] Gestwa / Rohdewald, Verflechtungsstudien, S. 10-11.
[202] Hollings, Scientific Communication.
[203] Gestwa / Rohdewald, Verflechtungsstudien, S. 12.
[204] Heilbron / Guilhot / Jeanpierre, Auf dem Weg zu einer transnationalen Geschichte der Sozialwissenschaften.
[205] Antoni Sułek, „To America!“ Polish Sociologists in the United States after 1956 and the Development of Empirical Sociology in Poland, in: East European Politics and Societies 24,3 (2010), S. 327-352, hier: S. 327; Igor Czernecki, An Intellectual Offensive: The Ford Foundation and the Destalinization of the Polish Social Sciences, in: Cold War History 13,3 (2013), S. 289-310.
[206] Sułek, „To America!“, S. 329-332, 341. Vgl. generell dazu Czernecki, An Intellectual Offensive.
[207] Paul F. Lazarsfeld / Morris Rosenberg (Hrsg.), The Language of Social Research: A Reader in the Methodology of Social Research, Glencoe, Ill. 1955.
[208] Sułek, „To America!“, S. 333-334.
[209] Ebd., S. 344-345.
[210] Monica Black, Witchdoctors Drive Sports Cars, Science Takes the Bus. An Anti-Superstition Alliance Across a Divided Germany, in: Betts / Smith (Hrsg.), Science, Religion and Communism, S. 157-175.
[211] Ivan Boldyrev / Olessia Kirtchik, On (Im)permeabilities. Social and Human Sciences on both Sides of the ‘Iron Curtain’, in: History of the Human Sciences 29,4 (2016), S. 3-12, hier: S. 5.
[212] Benno Nietzel, Propaganda, Psychological Warfare and Communication Research in the USA and the Soviet Union during the Cold War, in: History of the Human Sciences 29,4-5 (2016), S. 59-76; Jens Gieseke, Opinion Polling behind and across the Iron Curtain. How West and East German Pollsters Shaped Knowledge Regimes on Communist Societies, in: Ebd., S. 77-98.
[213] Eglė Rindzevičiute, The Power of Systems. How Policy Sciences Opened up the Cold War World, Ithaca 2016, S. 52-72.
[214] Ioana Popa, International Construction of Area Studies in France during the Cold War. Insights from the École Pratique des Hautes Études 6th Section, in: History of the Human Sciences 29,4-5 (2016), S. 124-150; Simo Mikkonen, In the Shadow of Technology. The Anatomy of East-West Scholarly Exchanges in the Late Soviet Period, in: Ebd., S. 151-171; Matthias Duller, Internationalization of Cold War Systems Analysis. RAND, IIASA and the Institutional Reasons for Methodological Change, in: Ebd., S. 172-190.
[215] Hagemann / Kufenko / Raskov, Game Theory, S. 105, 113-114.
[216] Exemplarisch den Überblicksband von Doris Kaufmann (Hrsg.), Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Bestandsaufnahme und Perspektiven der Forschung (Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Bd. 1, 1/2), Göttingen 2000.
[217] Odd Arne Westad, The Global Cold War. Third World Interventions and the Making of Our Times, Cambridge 2007, S. 2-3. Vgl. Jessica Wang, Colonial Crossings. Social Science, Social Knowledge, and American Power from the Nineteenth Century to the Cold War, in: Jeroen van Dongen (Hrsg.), Cold War Science and the Transatlantic Circulation of Knowledge (History of Modern Science, Bd. 1; History of Science and Medicine Library, Bd. 51), Leiden 2015, S. 184-213, hier: S. 185.
[218] George Steinmetz, Major Contributions to Sociological Theory and Research on Empire, 1830s-Present, in: Ders. (Hrsg.), Sociology & Empire. The Imperial Entanglements of a Discipline, Durham 2013, S. 1-50, hier: S. 35-46.
[219] Price, Cold War Anthropology, S. 98-99, 314-316.
[220] Wang, Colonial Crossings, S. 191-213.
[221] Speich Chassé, Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Vgl. Roman Köster, Rezension zu: Daniel Speich Chassé, Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Globale Ungleichheit in der Wissensgeschichte der Ökonomie / Philipp Lepenies, Die Macht der einen Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts, in: H-Soz-Kult, 31.07.2014, http:/<wbr />/www.hsozkult.de<wbr />/publicationreview<wbr />/id<wbr />/rezbuecher-21582> (04.04.2018).
[222] Jorge Balan, The Social Sciences in Latin America during the Twentieth Century, in: Porter / Ross (Hrsg.), The Cambridge History of Science, Bd. 7, S. 413-430; Alain Roussillon, Sociology in Egypt and Morocco, in: Ebd., S. 450-465; Owen Sichone, The Social Sciences in Africa, in: Ebd., S. 466-481; Partha Chatterjee, The Social Sciences in India, in: Ebd., S. 482-497; Bettina Gransow, The Social Sciences in China, in: Ebd., S. 498-514; Andrew E. Barshay, The Social Sciences in Japan, in: Ebd., S. 515-534.
[223] Roussillon, Sociology in Egypt and Morocco, S. 451.
[224] Korte, Über Norbert Elias, S. 182-183.
[225] Gransow, The Social Sciences in China.
[226] Barshay, The Social Sciences in Japan.
[227] Jenny Andersson / Eglė Rindzevičiute (Hrsg.), The Struggle for the Long-Term in Transnational Science and Politics. Forging the Future, New York 2015.
[228] Eine solche Perspektive nimmt etwa Kapil Raj in seinen Arbeiten ein. Vgl. Kapil Raj, Beyond Postcolonialism…and Postpositivism. Circulation and the Global History of Science, in: Isis 104,2 (2013), S. 337-347. Vgl. auch die Kritik am Eurozentrismus in der Ideengeschichte von Dipesh Chakrabarty, Die zwei Geschichten des Kapitals, in: Ders., Europa als Provinz. Perspektiven postkolonialer Geschichtsschreibung, Frankfurt am Main 2010, S. 115-147.
[229] Vgl. aber Sabine Höhler, Spaceship Earth in the Environmental Age, 1960-1990 (History and Philosophy of Technoscience, Bd. 4), London 2015; Thomas Robertson, The Malthusian Moment. Global Population Growth and the Birth of American Environmentalism, New Brunswick, NJ 2012. Ein an der Universität Freiburg im Breisgau angesiedeltes Projekt unter der Leitung von Wiebke Keim ist diesen Fragen nachgegangen. Siehe https:/<wbr />/www.soziologie.uni-freiburg.de<wbr />/forschung<wbr />/abgeschlossene-forschungsprojekte<wbr />/Universalitaet-und-Akzeptanzpotential-von-Gesellschaftswissen (04.04.2018).
[230] Mergel, Soziale Ungleichheit, S. 308.
[231] Ilona Pálné Kovács / Dagmar Kutsar (Hrsg.), Internationalisation of Social Sciences in Central and Eastern Europa. The ‘Catching Up’ – A Myth or a Strategy? London 2010.
[232] Igo, The Averaged American. Die Ansicht, westliche Wissenschaft würde sich im Vergleich zur östlichen durch eine Ideologieferne auszeichnen, findet sich zugespitzt in Francis Fukuyama, The End of History and the Last Man, New York 1992. Schon Robert K. Merton hat mit Blick auf die Wissenschaften im Faschismus und im Sowjetkommunismus versucht, wissenschaftliche, auf demokratischer Grundhaltung basierende Normen festzulegen, die er am ehesten im US-amerikanischen Wissenschaftsfeld verwirklicht sah. Vgl. Robert K. Merton, Science and Technology in a Democratic Order, in: Journal of Legal and Political Sociology 1,1 (1942), S. 115-126.
[233] Kerstin Brückweh, Menschen zählen. Wissensproduktion durch britische Volkszählungen und Umfragen vom 19. Jahrhundert bis ins digitale Zeitalter (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, Bd. 76), Berlin 2015, S. 8.
[234] Charles Camic / Neil Gross / Michèle Lamont (Hrsg.), Social Knowledge in the Making, Chicago 2011.
[235] Rebecca Lemov, Database of Dreams. The Lost Quest to Catalogue Humanity, New Haven 2015.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Ruben Hackler und Torsten Kahlert.

Dieser Text erschien zuerst in H-Soz-Kult.